Der deutsche EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger meinte noch diplomatisch, dass für Investoren Rechtsstaatlichkeit, unabhängige Gerichte, Rechtssicherheit und der Kampf gegen die Korruption wichtig seien, „weshalb heute niemand in der Türkei investiere“. Seine rumänische Kommissionskollegin Corina Cretu ergänzte, die EU-Fördermittel würden unter den strengsten Kontrollmechanismen der Welt vergeben; dieses System stütze sich neben den Eigenkontrollen der Mitgliedstaaten auf die Auditoren der Kommission und das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF). Dann wurde sie deutlicher: „Ich weiß genau, worauf Sie anspielen, wir zeigen Nulltoleranz gegenüber Betrug.“ Und wenig später sagte die Kommissarin konkret: „Wenn ich Sie richtig verstanden habe, denken Sie an Ungarn, als dem einzigen Land mit einem System…, wie soll ich es erklären? Anderswo gibt es für diese Aufgaben die Ministerien, von denen die EU-Gelder verteilt werden. In dem Land, aus dem ich komme, wirst du, sobald sich herausstellt, dass du Verwandten Verträge zuschiebst, am nächsten Tag verhaftet.“

Der Hinweis auf Rumänien ist nach Ansicht des Wirtschaftsportals portfolio.hu bemerkenswert: Das 2005 eingerichtete Antikorruptionsdirektorat (DNA) klagte bereits im ersten Jahr 360 Personen an; im vergangenen Jahr gelangten sogar 1.270 Personen unter Korruptionsverdacht. Cretu wurde hierzulande schon früher als ungarnfeindlich eingestuft; einst hatte sie aus Bukarest – als Journalistin tätig – gegen die ungarische Minderheit in Siebenbürgen gehetzt. Den für die Verteilung der EU-Gelder in Ungarn zuständigen Kanzleramtsminister János Lázár ließ sie wochenlang auf einen Termin warten, für Ex-Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány fand sie aber Zeit.

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