Der Motor des ungarischen BIP-Anstiegs sind nach Ansicht der OECD die steigenden Löhne, die niedrigeren Steuerbelastungen der Unternehmen und eine effiziente Verteilung der EU-Gelder sowie der zunehmende Konsum. In Ungarn sinkt die Erwerbslosigkeit kontinuierlich, es gibt zudem weniger ABM-Kräfte. Allerdings steigen die Reallöhne schneller als die Produktivität, dies wiederum verschlechtert die Wettbewerbsfähigkeit Ungarns, warnt die OECD in ihrer aktuellen Prognose. Die Spannungen am Arbeitsmarkt sowie den Inflationsdruck konnte die Regierung mit ihrer Wirtschaftspolitik abfedern. Zwar waren im vergangenen Jahr die Investitionen infolge der gedrosselten staatlichen Infrastrukturausgaben rückläufig, in diesem Jahr legen sie jedoch durch die beschleunigte Abrufung der EU-Gelder wieder zu. Dies zeigen die positiven Daten des I. Quartals mit einem Volumen von 1.033 Mrd. Forint – ein Anstieg im Jahresvergleich von mehr als 34%. Die erhöhte Industrieproduktion und Exportaufträge generieren voraussichtlich weitere Investitionen der Unternehmen. Dank der staatlichen Wohnbauförderung CSOK ist die Anzahl der Baugenehmigungen und Investitionen des Baugewerbes sprunghaft in die Höhe geschnellt.

Die Fiskalpolitik bleibt auch 2017 expansiv, so sind die Körperschaftsteuer, die Arbeitgeberabgaben sowie die Umsatzsteuer einiger Produkte und Dienstleistungen gesunken, während die Regierung die Haushaltsausgaben sowie die Wohnbauförderungen erhöhte. Damit könnte der OECD zufolge das Haushaltsdefizit auf 2,6% am BIP klettern. Der sich daraus ergebende Nachfrageanstieg spitzt die Spannungen am Arbeitsmarkt und den Kostendruck weiter zu. Die Ungarische Nationalbank (MNB) signalisierte, dass sie mit ihrer lockeren monetären Politik auch weiterhin das Erreichen des Inflationsziels von 3% unterstützt. Da jedoch der Reallohnanstieg bereits über dem Tempo des Produktivitätsanstiegs liegt, wird auch der Kosten-Wettbewerbsvorteil Ungarns geschwächt; damit sinkt die Anziehungskraft Ungarns als FDI-Zielpunkt.

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