In seiner Eröffnungsansprache warf DWC-Vorsitzender Dr. Arne Gobert zunächst einen Blick zurück auf die Geschichte des Clubs. Dabei erinnerte er daran, dass beim Club stets das zwischenmenschliche, interkulturelle Verständnis im Vordergrund stand und auch weiter steht. Außerdem sprach er eine weitere Club-Konstante an: „für die deutsch-ungarische Freundschaft einzustehen und beim wirtschaftlichen Aufbau Ungarns ein verlässlicher Partner zu sein.“ Ausdruck dieser Freundschaft sei es, „im Rahmen unserer Möglichkeiten etwas zurückzugeben“. Hierzu gehören der Preis der deutsch-ungarischen Freundschaft als Auszeichnung für besonderes Engagement und der nun bereits zum vieren Mal stattfindende Ball der Deutschen Wirtschaft im Pester Vigadó.

Während bisher aus Anlass des Balls immer zwei Preise vergeben wurden, gab es im Jahr des runden Club-Jubiläums noch einen Sonderpreis. Er ging an Sozialminister Zoltán Balog in Anerkennung seines „jahrzehntelangen Engagements zur Verständigung und Freundschaft beider Länder“, so der Club-Präsident in der Begründung. Große Teile seines beruflichen und privaten Lebensganges habe Balog in den Dienst der Verständigung und der deutsch-ungarischen Freundschaft gestellt.

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DWC-Preisträger Sozialminister Zoltán Balog.

„Ich bin stolz darauf, DWC-Ehrenmitglied zu sein“, wies der Ausgezeichnete sogleich auf seine besonderen Beziehungen zum DWC hin. Sodann nutzte er seine Rede, um unter anderem auf die Erfolge der Familienpolitik seines Ministeriums hinzuweisen und erwähnte dabei auch ein soeben verabschiedetes Programm zur kräftigen Erhöhung der Zahl der Krippenplätze: Immerhin von 50.000 auf 60.000 im kommenden Jahr. 30 Milliarden Forint stünden dafür bereit. Die regulären Freundschaftspreise gingen in diesem Jahr an die Historikerin Mária Schmidt und den Leiter des Budapester Büros der Konrad Adenauer-Stiftung, Frank Spengler. „Gemeinsam ist beiden Preisträgern unter anderem, dass sie maßgeblichen Anteil daran haben, dass wir heute in Budapest eine Straße und eine Büste im Stadtpark haben, die einen der bedeutendsten Politiker der Bundesrepublik Deutschland und Vater des europäischen Gedankens und damit auch der heutigen Europäischen Union, Konrad Adenauer, würdigen“, unterstrich der DWC-Vorsitzende. Frank Spengler erwähnte zu Beginn seiner Dankesrede, dass er sich als Volkswirt dem wirtschaftlichen Handeln und Denken verbunden fühle. „Wirtschaftsfördernde politische Rahmenbedingungen und gesellschaftlich verantwortlich handelnde Unternehmen sind notwendige Voraussetzungen für nachhaltigen Wohlstand für alle“, unterstrich er. Zugleich erinnerte er an die langjährige intensive Zusammenarbeit zwischen der Adenauer-Stiftung und dem DWC. Zugleich nutzte er die Gelegenheit, um für die Wahl von Minister Balog zum Sonderpreisträger gleich noch einen Grund mehr nachzuschicken: „Lieber Zoltán, Du hast so manche Schlacht für die deutsch-ungarische Freundschaft geschlagen, auch wenn die Wunden wehtun, wir brauchen Dich in diesen interessanten Zeiten.“

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DWC-Preisträgerin Mária Schmidt, Leiterin des Terrorhaus-Museums.

Die Dankesrede der ungarischen Historikerin und Leiterin des Terrorhaus-Museums durchzog wie ein roter Faden ihre hohe Wertschätzung für Deutschland. „Ich bewundere Kultur, Geschichte, überwältigende Talente, Tugenden und Leistungen Ihrer Heimat, und weigere mich stets, die Deutung der gesamthistorischen Präsenz Deutschlands auf das traurige Kapitel des Dritten Reiches zu beschränken“, stellte sie ohne Umschweife klar. Und weiter: „Sie haben in meiner Person einen überzeugten Freund Ihres Vaterlandes.“ Im offiziellen Teil des Abends kamen aber nicht nur der Laudator und die drei Preisträger zu Wort, sondern auch einige hochrangige Geburtstagsgäste. So unter anderem der Vizevorsitzende des Fidesz, Gergely Gulyás, der sich unter anderem zum Ungarn-Bild in Deutschland äußerte. „Wenn doch bloß die Deutschen in Deutschland ein ähnlich gutes Bild von Ungarn hätten, wie die in Ungarn aktiven deutschen Investoren!“, wünschte er sich. Um das Ungarn-Bild im Ausland ging es übrigens auch in der Ansprache von Minister Balog: „Die EU muss eine glückliche Gemeinschaft sein, wenn ihr größtes Problem Ungarn heißt“, spielte der Minister auf die permanente Rolle seiner Heimat als Buhmann innerhalb der EU an. Thema der Geburtstagsrede von DUIHK-Geschäftsführer Gabriel A. Brennauer waren auch Reibereien, allerdings die zwischen seiner Organisation und dem Jubilar, die aber inzwischen der Vergangenheit angehören. „Man sollte kleineren Reibereien nicht mehr Platz einräumen, als ihnen zusteht“, zog er einen Schlussstrich. „Es gab Zeiten, in denen es schwierig war, sich vorzustellen, dass jemand in meiner Funktion hier spricht.“ Dem DWC wünschte er „von Herzen alles Gute“.

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DWC-Vorsitzender Dr. Arne Gobert

Sein Nachredner, der deutsch-ungarische Musiker, Produzent und Komponist Leslie Mandoki, widmete sich eher internationalen Dimensionen. „Über uns zieht ein riesiger Sturm hinweg.“ Jetzt komme es darauf an, sich diesem zu stellen und nicht mehr wegzulaufen. Auch der Nationalbankpräsident und langjährige Freund des DWC, György Matolcsy, nutzte seine Rede – nachdem er zunächst die Anwesenden auf seine deutschen Wurzeln aufmerksam gemacht hatte –, um über internationale Zusammenhänge nachzudenken. Ein 400 Jahre langer Abschnitt der westlichen Dominanz geht zu Ende. Ebenso der Traum von den Vereinigten Staaten Europas. Nun halte er ein Europa der drei oder gar vier Geschwindigkeiten für vorstellbar und wünschenswert. Ebenso eine engere Vernetzung mit dem asiatischen Wirtschaftsraum, wobei Ungarn eine wichtige Brückenfunktion spielen könne. Der ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Bernhard Vogel, würdigte den Beitrag der deutschen Investoren und damit auch des DWC beim Zustandekommen der relativ niedrigen ungarischen Arbeitslosenrate und der guten Exportzahlen. Ebenso beim Ausbau der deutsch-ungarischen Beziehungen. „Es ist wichtig, nicht alles der Politik zu überlassen.“ Außerdem sprach sich Vogel für einen offenen und vertrauensvollen Dialog beider Länder aus.
Konversation

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