Wer das Gusto Café betritt, dem weht bereits am Eingang eine würzige Kaffeenote in die Nase und geschmeidige Jazz- und Bluesklänge bahnen sich einen Weg in den Gehörgang. Auch wenn das kleine Café mit seinem eleganten Holzinterieur und den klassischen Kaffeehaustischen einen eher traditionellen Charme versprüht, hier ist alles neu und auf dem neuesten Stand der Technik.

Es gab Zeiten, da wäre wohl auch das Gusto Café beinahe in Vergessenheit geraten. Gegründet 1992 als eines der ersten Kaffeehäuser italienischen Stils in der ungarischen Hauptstadt, begann das einstmals prächtige Café langsam im Sturm der Zeiten zu verwittern, bis vor knapp drei Jahren der Unternehmer Márton Brády das Lokal übernahm.

Renaissance eines Traditionscafés

Brády, der sich in Ungarn als Veranstalter einen Namen gemacht und schon internationale Superstars wie die Rolling Stones oder Bon Jovi nach Budapest geholt hat, unterzog das Traditionscafé 2014 nach eigenen Worten einer „Generalüberholung“, die ihm wieder zu seinem alten Glanz verhalf. „Es war höchste Zeit“, betont Brády, der für die Erneuerung der Räumlichkeiten extra einen Innenarchitekten beauftragte.

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Doch nicht nur die Inneneinrichtung wurde ausgewechselt, das Lokal wurde auch räumlich erweitert und mit einer Küche ausgestattet, die den modernsten Anforderungen entspricht. Dabei war Brády wichtig, die ursprüngliche Seele des Lokals zu erhalten: „Ich wollte, dass sich die Stammgäste auch weiterhin hier wohlfühlen können.“

Davon hat das Lokal übrigens reichlich. Das liegt nicht nur an der ausgezeichneten Lage in der ruhigen Nebenstraße in unmittelbarer Nähe von Attraktionen wie der Margareteninsel, dem Király- sowie dem Lukács-Thermalbad, sondern auch an einem kulinarischen Angebot, dessen Ruf ihm vorauseilt. Seit seiner Gründung ist das Gusto Café vor allem für drei Speisen bekannt: Tiramisu, Carpaccio und Gänseleber. Doch das sind schon lange nicht mehr die einzigen Spezialitäten des Lokals: Während das Gusto Café von Montag bis Freitag bereits ab 8 Uhr mit einem umfangreichen und preisgünstigen Frühstücksmenü auftrumpft, erfreut sich vor allem das täglich wechselnde Mittagsmenü, das es zum Festpreis von 990 Forint gibt, großer Beliebtheit.

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„Es stehen jeweils fünf bis sechs Gerichte zur Auswahl“, erzählt Brády, „was besonders geschätzt wird, ist, dass man sich auch einen Probierteller mit allen Angeboten zusammenstellen lassen kann.“ Bei den Speisen handelt es sich um Rezepte aus aller Welt, die das langjährige Küchenpersonal – manche sind schon seit über 20 Jahren hier – je nach Verfügbarkeit frischer Zutaten zusammenstellt. Ab 14 Uhr kann im Gusto Café auch à la carte geordert werden. Die Auswahl ist groß und bietet unter anderem neben zahlreichen Sandwich- und Baguette-Variationen, heiße und kalte Fleisch- und Geflügelspezialitäten, Fischgerichte, Salate und Käseplatten.

Top-Weine und Spirituosen

Wirklich Stimmung kehrt am frühen Abend im Gusto Café ein. „Dann nehmen sich die Leute auch die Zeit, um neben einem leckeren Essen auch einen guten Tropfen zu genießen“, so Brády, der oft selbst in seinem Lokal anzutreffen ist. Besonders auf die umfangreiche Weinauswahl des Lokals ist der Gastronom stolz. Bald zwei Dutzend verschiedene Weine, die sich preislich zwischen 5.000 und fast 150.000 (ein Chauteau Cheval Blanc Jahrgang 1997) Forint die Flasche bewegen, hat das Gusto Café im Angebot. Darunter befinden sich auch erlesene ungarische Tropfen, wie etwa die Weine der preisgekrönten ungarischen Weinkelterei Malatinszky, aber auch des berühmten Etyeker Weingutes Rókusfalvy. Eine ebenso durchdachte Auswahl bietet das Café auch im Bereich anderer Spirituosen beispielsweise beim Pálinka.

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Dafür nimmt Brády auch in Kauf, dass er sich preislich eher im oberen Mittelfeld befindet, „Top-Qualität ist mir hier wichtiger“, so der Gastronom. Ein bisschen schlägt sich dieses Bekenntnis zu höchster Qualität auch im Altersdurchschnitt der Gäste nieder, der im Bereich der Mittvierziger liegt, doch seit man auch verstärkt in sozialen Medien Präsenz zeige, würden auch vermehrt junge Menschen das Café für sich entdecken. Diese locken vor allem die ganzjährige Straßenterrasse und die Kaffeespezialitäten, wie Brády erzählt.

Fazit

Auch nach 25 Jahren des Bestehens beweist das Gusto Café, dass es mit der Zeit gehen kann, ohne langjährigen Stammkunden den Rücken zu kehren. Das kann dem eleganten kleinen Lokal nicht gleich jeder nachmachen. Doch neben Müßiggängern und Nachtschwärmern dürfte das Gusto Café auch für Geschäftsleute interessant sein. 2015 hat Brády das Café um einen privaten Veranstaltungsraum erweitert, der Platz für 18 bis 20 Leute bietet. Dieser erstrahlt im Gegensatz zum vorderen Gastraum im modernen Design und eignet sich besonders für Firmenfrühstücke und -feiern sowie Geschäftstreffen. Wie Brády verrät, hat aber auch schon der eine oder andere Politiker die Privatsphäre des „Hinterzimmers“ zu schätzen gewusst.

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Gusto Café

Budapest, II. Bezirk, Frankel Leó utca 12

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8 bis 23 Uhr

Reservierungen unter +36-1-316-3970

Weitere Informationen unter www.gustocafe.hu/

Preise

Frühstück: 390 bis 990 Forint

Sandwiches und Baguettes: 490 bis 1.490 Forint

Hauptspeisen (kalt und warm): 1.690 bis 3.900 Forint

Desserts: 590 bis 890 Forint

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Konversation

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