„Das Zertifikat soll die Unternehmen dabei unterstützen, gut qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten“, fasst DUIHK-Geschäftsführer Gabriel A. Brennauer die grundlegende Absicht hinter dem blauen Kennzeichen zusammen. Die Idee mit dem Zertifikat fügt sich in das DUIHK-Jahresthema „Linderung des Fachkräftemangels“. Während bisherige Maßnahmen der Kammer vor allem darauf abzielten, das Angebot an Fachkräften zu erhöhen, geht es bei dem Zertifikat nun vor allem darum, die Chancen der zertifizierten Unternehmen zu erhöhen, sich aus dem gegebenen Fachkräfteangebot möglicherweise besser bedienen zu können, als unzertifizierte Mitbewerber.

Erhöhung der Attraktivität als Arbeitgeber

Konkret geht es darum, dass sich DUIHK-Mitgliedsunternehmen auf freiwilliger Basis von einer fünfköpfigen DUIHK-Jury hinsichtlich des Vorhandenseins von gewissen, klar beschriebenen Mindeststandards in Sachen Arbeitnehmerzufriedenheit prüfen lassen. Wenn die Jury nach der Sichtung der eingegangenen Bewerbung der Meinung ist, dass in dem jeweiligen Unternehmen diese Mindeststandards vorhanden sind, erhält dieses von der Kammer das Recht, die Plakette „Verlässlicher Arbeitgeber“ zwei Jahre lang in der Kommunikation zu verwenden. Vorstellbar ist etwa, dass die Unternehmen das Logo des Zertifikats ihren Stellenanzeigen beifügen und sich auch sonst bei ihrer Mitarbeiterakquisition als geprüftes „verlässliches Unternehmen“ zu erkennen geben. Damit wirkt das Unternehmen in den Augen von Job-Suchenden möglicherweise attraktiver, als ein Unternehmen ohne ein solches Zertifikat, was natürlich die Chancen des zertifizierten Unternehmens erhöht. Auf der anderen Seite erleichtert das Vorhandensein des blauen Logos aber auch das Leben der Job-Suchenden. Immerhin garantiert das Gütesiegel – analog zum Markenversprechen von Handelsmarken –, dass der Job-Suchende gewisse Dinge automatisch als vorhanden voraussetzen kann. Einmal des blauen Logos gewahr, könnte er etwa im Job-Interview viel schneller den Themenkomplex abhandeln, der vom Zertifikat abgedeckt wird, und sich verstärkt anderen Fragen zuwenden.

Zuverlässiger Anhaltspunkt für Job-Suchende

Voraussetzung dafür ist freilich, dass die Job-Suchenden etwas mit dem neuen Logo anfangen können. Um das zu erreichen, wird die Kammer zusammen mit den Zertifikatsträgern verstärkt in die Bekanntheit dieser neuen Marke investieren. Als Teil der Kommunikation plant die Kammer unter anderem die Herausgabe eines ständig aktualisierten Katalogs mit allen Zertifikatsträgern. So wie etwa der „Volkswagen Dining Guide“ (siehe unseren Artikel auf den Seiten 24 bis 26) inmitten der immer zahlreicheren Fine-Dining-Restaurants einen gewissen Anhaltspunkt bietet und die Auswahl erleichtert, könnte sich auch der „DUIHK-Verlässlicher Arbeitgeber-Guide“ bei der Suche nach guten Arbeitgebern zu einem nützlichen Instrument entwickeln. „Von dem neuen Zertifikat können sehr stark Firmen profitieren, die nicht so bekannt sind wie etwa Audi oder Mercedes“, unterstreicht der Kammergeschäftsführer. So gebe es insbesondere außerhalb von Budapest eine Fülle an mittelständischen Unternehmen mit deutscher Mutter, deren durchaus attraktive Arbeitsplätze jedoch etwas im Schatten der großen namhaften deutschen Investoren stehen würden.

Der feine Unterschied

Entstanden ist die Grundidee für das neue Zertifikat bereits im vergangenen Herbst. Dabei ging es insbesondere darum, darauf aufmerksam zu machen, dass Unternehmen mit deutschem Eigentumsanteil ihren Mitarbeitern gegenüber in der Regel sozialer, fairer und langfristiger orientiert auftreten, als etwa hiesige Tochterfirmen von fernöstlichen Investoren.

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„Es war uns wichtig, dass wir sowohl die Realität von großen Unternehmen als auch von KMUs berücksichtigen.“ (Foto: DUIHK/ Csanád Kiss)

„Auf diesen markanten Unterschied und auf die attraktiveren Gegebenheiten von in Ungarn aktiven Unternehmen mit deutschem Eigentümer wollten wir stärker hinweisen“, erklärt ELMŰ-ÉMÁSZCEO und wesentliche Patin des Projektes, Marie-Theres Thiell. Nachdem die Idee immer mehr Konturen angenommen hatte, wurde unter Leitung von ELMŰ-HR-Chef Tamás Steványik eine kleine Arbeitsgruppe gegründet, um die Kriterien genau festzulegen. „Es war uns wichtig, dass wir dabei sowohl die Realität von großen Unternehmen als auch von KMUs berücksichtigen; aus der bloßen Größe eines Unternehmens sollten sich bezüglich des Erwerbs des Zertifikats keinerlei Vor- oder Nachteile ergeben“, so Steványik. Die Mindeststandards selbst seien dann von der Expertengruppe relativ schnell formuliert worden. Das größte Kopfzerbrechen hätte es nach den Worten von Brennauer dann aber bereitet, dem Gütesiegel einen treffenden Namen zu geben. Schließlich habe man sich auf die Bezeichnung „verlässlicher Arbeitgeber“ geeinigt. „Dieser Begriff deckt am besten das ab, wofür das neue DUIHK-Zertifikat steht“, so der DUIHK-Geschäftsführer. Ganz wichtig ist ihm auch die Feststellung, dass es sich nicht um ein Ranking handelt, von dem es schon einige auf dem Markt gibt und von dem stets vor allem die Spitzengruppe profitiert, sondern um ein Gütesiegel, das jeder erwerben kann, der die Mindestbedingungen erfüllt – wozu übrigens auch die DUIHK-Mitgliedschaft gehört –, und von dem schließlich alle gleichermaßen profitieren können. Erfüllt ein Unternehmen alle Bedingungen, dann wird ihm die „TÜV-Plakette“ in Sachen Mitarbeiterzufriedenheit für zwei Jahre verliehen. Am Ende dieser Periode muss sich das Unternehmen erneut bewerben und erhält die Plakette – sofern die Jury die Bedingungen weiterhin erfüllt findet – für weitere zwei Jahre. Die ersten stolzen Besitzer des neuen DUIHK-Labels werden am 4. Mai auf der DUIHK-Jahreshauptversammlung bekanntgegeben.

Die Jury bewertet die Bewerbungen mit Blick auf folgende Kriterien:

  • Vergütung: Eine marktgerechte Vergütung wird vom Unternehmen gesichert, die auf einem konsistenten Vergütungssystem beruht, welches einen Vergleich zum Markt ermöglicht.
  • Sozialleistungen: Das Unternehmen bietet ein Paket von sozialen Leistungen/Maßnahmen an, welches die Bedürfnisse aller Mitarbeiter-Gruppen berücksichtigt.
  • Gesundheits- und Arbeitsbedingungen: Das Unternehmen stellt die Bedingungen für die sichere und die Gesundheit nicht gefährdende Arbeit sicher und trägt zur Reduzierung von Stress durch Anbieten von Möglichkeiten zur Harmonisierung von Work/Life bei.
  • Aus- und Weiterbildung: Das Unternehmen arbeitet in der Ausbildung des eigenen Nachwuchses mit anderen Einrichtungen zusammen und bietet der Belegschaft regelmäßig Schulungen und Weiterbildungen an.
  • Entwicklungsmöglichkeiten: Das Unternehmen ermöglicht allen Mitarbeitern, sich weiterzuentwickeln und beruflich voranzukommen. Die Auswahl und Entwicklung der Führungskräfte läuft bewusst und geplant.
  • Informationspolitik: Es erfolgt eine regelmäßige Information der Mitarbeiter und existiert ein systematischer Dialog mit der Belegschaft.
  • Integration neuer Mitarbeiter: Neue Mitarbeiter werden planmäßig in das Unternehmen eingeführt und eingearbeitet.
Konversation

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