Für alle bürgerlich denkenden Ungarn ist das Ergebnis jedoch eine herbe Enttäuschung. Auch für alle, die das Wohl ihrer historisch erfolgreichen Sportnation vor Augen halten und einen Blick haben für die einzigartigen Chancen eines solchen Sportereignisses. Es könnte Budapest im Jahr 2024 ins weltweite Rampenlicht stellen – nicht nur, um die teils miserablen Geographiekenntnisse der Weltbevölkerung etwas aufzufrischen, sondern vor allem, um der eigenen Bevölkerung ein Plus an Zuversicht und Motivation zu geben, den Tourismus aufzukurbeln und mit den notwendigen Investitionen das Wirtschaftswachstum weiter in Schwung zu bringen.

Audiatur et altera pars!

Doch seien wir nicht unfair. Wie lauten die Argumente der NOlympia-Aktivisten? Momentum zählt nicht ganz abwegig unvorhersehbare Kosten und ein gefundenes Fressen für die staatliche Korruption auf. Nicht zuletzt wird aber auch mit einer großen Rückständigkeit in puncto Wettbewerbsfähigkeit und Lebensstandard argumentiert. Unhaltbare Zustände im Gesundheits- und Unterrichtswesen gehören ebenso zu den Kernargumenten. Eine Verunstaltung des Weltkulturerbes am Budapester Donauufer sowie Umweltschäden runden das bunte Menü ab. Als Dessert wird auch noch die Vertiefung der Kluft zwischen Budapest und den unterentwickelten ruralen Gebiete ins Feld geführt.

Es steht mir fern, mich über diese teilweise wahrlich ernstzunehmenden Probleme lustig zu machen. Was mir bei diesem „Angebot“ aber schmerzlich auffällt, ist das Hinken der Argumente. Entsteht die Wettbewerbsfähigkeit denn nicht gerade dann, wenn anlässlich der Olympischen Spiele gewaltig in die Infrastruktur investiert wird? Und kommen nicht Bauunternehmer, Zulieferer und Arbeitskräfte auch vom Land?

Zur gezielten Bekämpfung der von Momentum aufgezählten Probleme werden ihre Aktivisten wahrscheinlich nicht so schnell wieder Unterschriften sammeln. Dafür wirft man sich nicht mehr so schnell wieder ins Zeug oder entwickelt Lösungskonzepte. Diese „Argumente“ scheinen eher als Vorwände zu dienen, um die größte Chance seit der 1996 erbärmlich fallengelassenen Weltausstellung zu verhindern. Nur weil gerade die Fidesz-Regierung am Ruder ist und Momentum als werdende Partei politisches Kleingeld braucht.

Was wird nun besser?

Hinter der Unterschriftensammlung steckt viel Arbeit. Geschaffen wurde trotzdem nichts, nur verhindert. Echte Macher hinterlassen hingegen Bleibendes. Wenn aber die echten Macher fehlen, dann wird das kleinkarierte Heulen im Chor, werden die politische Kapitaljäger das Land auch nicht voranbingen.

Ist mir beispielsweise das Gesundheits- und Unterrichtswesen des Landes ein wahres Anliegen, dann werde ich mich dafür stark machen. Dann werde ich meine Zeit und Energie darin investieren, eine positive Veränderung in diesen Bereichen zu erwirken.

Würden die Olympischen Spiele 2024 nicht in Budapest stattfinden, bekäme Ungarn dann automatisch ein besseres Gesundheitssystem? Würde das Bildungssystem besser? Würde sich „der Gasinstallateur des Landes“ nicht an einem anderen fetten Futtertrog vergehen? Diese Fragereihe ließe sich noch beliebig fortsetzen.

Die Antworten sind aber immer die gleichen: Wenn man wirklich etwas verändern will, dann muss man sich mit Herzblut für etwas einsetzen. Mir will nicht einleuchten, dass man durch eine Unterschrift gegen die Olympiaaustragung etwas für die Verbesserung Ungarns beigetragen hat.

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