Dass bei den Bäumen am Széll Kálmán tér einfach mal die Bewässerung vergessen wurde, diese deshalb vertrockneten und neu gepflanzt werden mussten, ist nur ein Schmankerl. Derzeit ist der zentrale Knotenpunkt in Buda Schauplatz eines Guerillakampfes der Sonderklasse. Dabei geht es um die zentrale Uhr, sprich DIE Uhr des Platzes. Diese war für Generationen DER Treffpunkt am „Moszkva“. Doch mit der Renovierung wurde auch DIE Uhr durch ein hypermodernes Betongebilde ersetzt. Gerne würde man sagen, Uhr bleibt Uhr, als Treffpunkt macht das doch keinen Unterschied. Aber wie könnte man etwas als Uhr bezeichnen, dass noch nicht einmal die Zeit anzeigt?

Selbst ist der Ungar

Und genau das ist es, was so typisch ungarisch ist (um Missverständnisse auszuräumen, die Autorin ist stolze Halbungarin und dem Land in inniger Liebe verbunden): Da wird etwas mit viel Steuergeld schön und neu gemacht, funktioniert aber nicht. Statt aber jetzt mit Feuereifer an einer Lösung zu arbeiten, zeigen alle Beteiligten nur reihum aufeinander und weisen die Verantwortung von sich. Aber die Budapester wissen sich zu helfen und haben das Problem auf ur-ungarische Art gelöst: mit Wanduhren und Klebeband. Wenn schon die neue Designuhr ihrer u(h)reigensten Aufgabe nicht nachkommt, dann muss es eben so gehen. Mittlerweile ist von offizieller Seite bekannt, dass dieser un(uhr)selige Zustand noch einige Wochen anhalten wird. So lange kann sich noch jeder an dem Gemeinschaftsprojekt „Uhr“ beteiligen. Vielleicht wird ja dadurch aus der Uhr wieder DIE Uhr der Budapester.

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