Herr Hajnal, es ist Montagvormittag, bei wie vielen Unterschriften stehen Sie bisher?

Die letzte offizielle Zahl, die ich kenne, lautete 35.000 – das war gestern Abend. Ich hoffe aber, dass heute im Laufe des Tages die 40.000 geknackt wird. Der Elan der ersten Tage ist ungebrochen. Wir sehen weiterhin, dass Menschen Schlange stehen, um zu unterschreiben. Bisher sieht alles sehr vielversprechend aus.

Sie gehen also davon aus, dass die nötige Anzahl von 138.000 gültigen Unterschriften erreicht wird?

Wenn die Sammlung in diesem Tempo fortschreitet, dann ganz sicher. Wir wissen natürlich, dass es am Anfang einen Schub von Menschen gab, die unbedingt unterschreiben wollten und wir dachten, dass das Interesse ein wenig nachlassen würde. Aber jetzt sehen wir, dass immer mehr Menschen mitbekommen, dass man sich vor nichts fürchten muss, wenn man unterschreibt. Egal ob real oder nicht, die Menschen haben ein wenig Angst davor, all ihre Daten niederzuschreiben. Das ist aber immer weniger ein Thema.

Gab es konkret Fälle, in denen sich jemand nicht traute, Ihre Aktion mittels Unterschrift zu unterstützen?

Ja. Das wird uns aber eher durch Berichte aus dem Bekanntenkreis zurückgemeldet. Denn wer bereits am Stand ist, der ist dort, um zu unterschreiben, Fragen zu stellen oder um zu diskutieren, wobei wir das aber sehr selten erleben. Bis auf ein oder zwei Konflikte ist es bisher zu keinerlei Übergriffen gekommen. Und es gelingt uns auch, den Menschen die Angst vor der Unterschrift zu nehmen, denn sie sehen, dass hier endlich eine gesamtgesellschaftliche Initiative ihren Anfang genommen hat.

Es gab in den vergangenen Jahren immer wieder sehr gute, aber dann doch gescheiterte zivile Initiativen. Warum sollte nun gerade Ihre erfolgreich sein? Worin unterscheiden Sie sich?

Das ist tatsächlich eine gute Frage. Doch müssen wir wirklich so anders und so einzigartig sein? Oder sollte es nicht vielmehr ganz natürlich sein, dass jeder ein Referendum initiieren kann? In einer idealen Gesellschaft sollte es nicht so furchtbar aufregend und eine so große Herausforderung sein, sondern eine relativ leicht zu stemmende Aufgabe. Schließlich sollte es allen Bürgern möglich sein, sich am Entscheidungsfindungsprozess zu beteiligen, auch wenn man nicht Politiker oder Abgeordneter ist. Ich denke, dass wir das Ganze jetzt angefangen haben, liegt in unserer Überzeugung begründet, dass man nicht nur aus dem Parlament heraus Politik machen kann. Und ich hoffe auch, dass wir deswegen erfolgreich sein werden, weil viele Bürger daran glauben und einfach teilhaben möchten. Ich glaube, viele haben in den vergangenen Jahren das Gefühl gehabt, ihr Mitspracherecht eingebüßt zu haben. Aber wenn ich unbedingt etwas Einzigartiges bei uns benennen müsste, dann, dass wir mehr getan haben, als das Nein zur Olympiade in unser Programm zu schreiben oder eine Pressekonferenz abzuhalten. Man kann das alles gerne machen, aber das wird das Interesse der Bürger nicht wecken. Die Schwelle zum Mitmachen ist bei uns sehr niedrig, schon mit einer Unterschrift kann jeder Teil der Aktion werden. Das ist bereits eine Grundform des Aktivismus und auch in Zukunft möchten wir Menschen zu dieser Form aufrufen. Unsere Gesellschaft braucht dringend eine gesunde Form des Alltagsaktivismus.

Sie sagen, theoretisch sollte ein Referendum möglichst leicht zu bewerkstelligen sein. Nun ist dies in den vergangenen Jahren in Ungarn keineswegs der Fall gewesen. Denken wir nur an die Querelen rund um den Sonntagsschluss und das Auftreten von vermeintlichen Fußballhooligans. Warum ist es Ihnen nun gelungen, die Unterschriftensammlung zu beginnen?

Fragen rund um die Olympiabewerbung wurden dem Nationalen Wahlbüro (NVI) schon zahllose Male vorgelegt. Es gab beispielsweise die Frage, ob wir überhaupt die Bewerbung einreichen sollten. Diese wurden vom NVI abgelehnt, da der Bewerbungsprozess bereits im Gange war. Katalin Erdélyi, Journalistin des Investigativblogs Átlátszó, war es, die regelmäßig Fragen bei der NVI einreichte und letztlich eine Fragestellung formulierte, die das NVI zuließ. Aber sie hatte damals die Bögen für die Unterschriften nicht rechtzeitig abgeholt und die 30 Tage zum Sammeln der Unterschriften verstreichen lassen (Erdélyi erklärte, sie habe vom NVI keine Benachrichtigung über die Entscheidung bezüglich ihrer Frage erhalten und deswegen auch die Bögen nicht abholen können – Anm.). Hier sahen wir unsere Chance. Wenn diese Frage einmal zugelassen wurde, dann wird sie sicherlich noch einmal zugelassen.

Fürchten Sie nicht, dass da noch Hürden auf Sie zukommen?

Es wird noch zahlreiche Hürden geben und es ist keinesfalls sicher, dass bloß, weil uns bisher noch keine Stöcke zwischen die Beine geworfen wurden, uns nicht doch noch irgendwann unterwegs ein Bein gestellt wird. Beispielsweise kann es passieren, dass bei der Prüfung der Unterschriften im NVI angefangen wird, absurde Gründe für die Ablehnung von Unterschriften zu suchen, meinethalben, dass die Unterschrift über das Kästchen hinausreicht oder der Akzent auf dem Vokal in die falsche Richtung zeigt. Es gibt noch zahlreiche Möglichkeiten des Scheiterns. Allein der Ablauf der tatsächlichen Kampagne vor einem Referendum beispielsweise. Natürlich verfügt die Regierung über wesentlich mehr Geldmittel und kann, sollte es dazu kommen, die Stadt vor einem Referendum mit ihrer Pro-Olympia-Botschaft zuplakatieren. Aber die Budapester Kampagne bringen wir jetzt zu Ende, komme, was wolle.

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Am Mittwoch hatten bereits mehr als 50.000 Menschen ihre Unterschrift gegeben.

Meinungsumfragen zeigen, dass die Unterstützung für die Olympiade landesweit höher ausfällt, als lokal in Budapest. Wenn die Regierung also unbedingt querschießen will, könnte sie ein nationales Referendum ausschreiben. Generell halten wir es tatsächlich für einen Teilerfolg, dass wir die Regierung in Zugzwang gebracht haben. Sie muss auf uns reagieren und das haben wir lange nicht erlebt.

Die ungarische Partei des zweischwänzigen Hundes (MKKP) hat jüngst eine Sammelaktion begonnen und wird Ihre Aktion mit einer Plakatkampagne unterstützen. Haben Sie die MKKP darum gebeten oder wie kam diese Kooperation zustande?

Wir haben die MKKP aufgesucht, das stimmt. Zwei unserer Vorsitzenden sind zu einem der MKKP-Treffen gegangen, um zu sehen, wie groß die Unterstützung unter den MKKP-lern für unsere Sache ist. Wir hatten bereits von vielen unserer Aktivisten gehört, dass MKKP-Aktivisten sich uns als Helfer angeschlossen hatten. Das gilt tatsächlich für Aktivisten aller Parteien, aber wir haben mit keiner Parteispitze wirklich Kontakt. Auch mit Gergely Kovács (MKKP-Vorsitzender – Am.) erstreckte sich das Ganze nur auf ein paar Telefonate. Tatsächlich koordinieren nicht wir, wer wann wo Unterschriften sammelt, sondern das erledigen unsere Aktivisten alles selbstständig.

Warum haben die etablierten Parteien nicht geschafft, was Ihnen nun mit Leichtigkeit zu gelingen scheint?

Das muss man sie fragen. Was mir aber bei den etablierten Parteien fehlt, ist, dass es kaum mehr wirkliche Interaktion gibt. Sie sind so professionell, dass sie sich auf Pressekonferenzen beschränken. Wir wären nicht interessant, wenn wir nur eine Pressekonferenz abhalten oder eine Postwurfsendung zum Thema machen würden. Interessant werden wir, weil wir etwas tun und weil wir auch den Leuten das Gefühl geben, etwas tun zu können. Ich denke, die etablierten Parteien konnten ihren Anhängern dieses Gefühl der Teilhabe schlicht nicht vermitteln und deswegen kommen auch viele ihrer Anhänger zu uns. Wir sind keineswegs die erste Truppe, die sich gegen die Olympiabewerbung ausspricht, aber wir sind die Ersten, die etwas dagegen tun.

Falls die nötige Anzahl an Unterschriften zusammenkommt, wie würde der weitere zeitliche Ablauf für Sie aussehen? Ein mögliches Referendum könnte im Sommer stattfinden, allerdings ist die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees bereits für September angesetzt. Ist das nicht alles sehr knapp?

Ja, das Komitee entscheidet im September, interessant ist aber, dass Vertreter des IOCs bereits am 10. und 11. Mai in Budapest sein werden und auch darüber hinaus Meinungsumfragen im Land durchführen. Das Thema auf der Tagesordnung zu halten, ist also enorm wichtig, denn die Geschichte zeigt: Nie hat eine Stadt die Austragung gewonnen, in der nicht ein entsprechender Rückhalt in der Bevölkerung vorhanden war. Und letztlich ist unser Ziel nicht nur, dass wir nicht Austragungsort der Olympiade werden, sondern dass die „freigewordenen“ Steuergelder auch sinnvoll eingesetzt werden. Natürlich wäre es das Beste, wenn wir die Olympiade mittels eines Referendums verhindern könnten, dann würden wir unsere Aktion als erfolgreich und demokratisch legitimiert empfinden. Aber es ist auch ein Teilerfolg, wenn wir die öffentliche Meinung dahin gehend beeinflussen können, dass wir aus dem Rennen ausscheiden. Wann genau es aber zum Referendum kommt, ist unklar. Es gibt einen bestimmten rechtlichen Rahmen, aber wir denken, dass es im Sommer so weit sein könnte. Natürlich wird die Regierung einen Zeitpunkt wählen, der möglichst ungünstig für uns ist, beispielsweise wenn viele Menschen auf Festivals unterwegs sind oder im Urlaub. Aber das ist eine Herausforderung, auf die wir uns vorbereiten können, im schlimmsten Fall werden wir eben am Balatonufer in Badehose Werbung fürs Referendum machen. Noch haben wir keine Strategie, kein Marketing. Auch Kanzleramtschef János Lázár hat in Bezug auf uns gesagt: „Wir beschäftigen uns dann mit der Frage, wenn es scheint, als würden die 138.000 Unterschriften zusammenkommen.“ So ähnlich geht es uns auch.

Sehen Sie überhaupt keine Möglichkeit, die Olympischen Spiele nach Ungarn zu holen?

Ich denke, es müssten drei Bedingungen erfüllt sein. Zuerst einmal – und das ist vielleicht am wichtigsten – braucht es für diese Art von Großprojekt Vertrauen. Viele Menschen fürchten, dass die Kosten der Olympiade ins Unermessliche explodieren würden. Das hierfür notwendige Vertrauen kann dann erworben werden, wenn der Staat transparent haushaltet und schon bei kleinen Investitionen den Kostenrahmen stabil hält. Doch die Schwimmweltmeisterschaften sind da ein abschreckendes Beispiel – hier sind die Kosten in die Höhe geschossen. Bei einem noch größeren Projekt wie der Olympiade besteht die Gefahr umso mehr. Wenn sich hier etwas ändern würde, wäre das ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

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Die Begeisterung hat nicht nachgelassen, noch immer stehen Menschen Schlange, um zu unterschreiben. (Foto: MTI / Szilárd Koszticsák)

Die zweite Frage ist, wie sehr das Land wirtschaftlich und infrastrukturell für so ein Großereignis bereit ist. Budapest ist im Vergleich zu anderen Bewerbern eine relativ kleine Stadt mit zwei Millionen Einwohnern, es ist aber nicht beispiellos, dass solche Städte Austragungsort waren. Allerdings ist das einzige Beispiel aus der jüngsten Vergangenheit Athen – und hier hat sich deutlich gezeigt, dass Athen einfach nicht dafür gedacht war, so viele Leute aufzunehmen. Das Problem war nicht, dass man Stadien gebaut hat, sondern dass es solche infrastrukturellen Erweiterungen beispielsweise des Flughafens gab, die für Athen einfach überdimensioniert waren. Die Stadtentwicklung wurde hier ganz falsch gehandhabt. In Budapest sehen wir einen ähnlichen Fall. Wenn die Stadtentwicklung und Stadtplanung ein wenig langsamer, dafür aber transparenter gestaltet werden würde, wäre viel geholfen. Wenn etwa nicht alle Umbaumaßnahmen auf einmal stattfinden müssten, wäre auch die Chance geringer, dass die Kosten explodieren – einfach, weil man alles im Auge behalten kann. Wir sollten Schritt für Schritt vorgehen und beispielsweise statt neuer Bahnstrecken zu bauen erst einmal die bestehenden erneuern.

Der dritte wichtige Punkt, der aber nicht mehr mit Ungarn selbst zusammenhängt, ist, dass es dem IOC gegenüber mittlerweile einige Vorbehalte gibt. Warum beispielsweise ist es im Interesse des IOCs, dass es im Verlauf der Bewerbung einen Wettstreit zwischen den Bewerbern gibt? Die bisher einzige profitable Olympiade war die in Los Angeles, weil es eben keinen Mitbewerber gab und L. A. somit die Bedingungen selbst diktieren konnte. Gibt es aber einen Wettkampf, versuchen die Städte sich gegenseitig wie bei einer Auktion zu überbieten und das bringt eben die Explosion der Kosten mit sich. Wenn es ein vernünftiges Verfahren gäbe, wie es das auch bei regulären Ausschreibungen gibt, könnte das dazu beitragen, dass auch wir daran teilnehmen könnten. Außerdem müsste auch die finanzielle Verantwortung geklärt werden. Derzeit springt das IOC mit Sponsoren ein und auch die Ticketverkäufe sind mehr oder minder garantiert. Aber unerwartet in die Höhe schießende Kosten sind eben seitens des IOC nicht gedeckt. Es wird erwartet, dass das entsprechende Land die Olympiade um jeden Preis ausrichtet, egal wie hoch die Kosten letztlich ausfallen. Das ist, als würde sich die Stadt einen Blankoscheck von seinen Steuerzahlern ausstellen lassen. Ich denke, es frustriert heute viele Bürger, dass wir einfach nicht wissen, wie viel uns das am Ende tatsächlich kosten würde. Wenn wir wüssten, Betrag X steht fest, dann könnten wir uns bewusst entscheiden, ob sich das für uns lohnt oder nicht. Aber so ins Blaue hinein ist es unmöglich, eine verantwortungsbewusste Entscheidung zu treffen.

Dies sind meines Erachtens die Hauptrisikofaktoren. Würde man diese in vernünftiger Form handhaben, wäre eine Olympiade in Ungarn denkbar. Aber ich sehe nicht, dass dies in den kommenden acht Jahren der Fall sein wird.

Auf das IOC haben wir keinen Einfluss, aber wenn wir zumindest die inländischen Faktoren in den Griff bekämen, würde das schon reichen. Aber leider sehen wir keinerlei Bemühungen in diese Richtung.

Die regierungsnahen Medien haben angefangen, sich mit Ihrer Bewegung auseinanderzusetzen. (Lesen Sie dazu etwa einen MI-Kommentar auf den Seiten 12 und 13) Sie waren gar auf dem Titelblatt der Regierungszeitung Magyar Idők (MI). Der nächste Schritt dürfte wohl sein, auch auf persönlicher Ebene eine Rufmordkampagne gegen die prominenten Gesichter Ihrer Bewegung zu starten. Was sagen Sie dazu?

Wir wussten, dass so was auf uns zukommen würde, und stellen uns dem. Das ist mittlerweile ein so oft angewandter Zug der Regierung, dass es uns überrascht hätte, wenn er diesmal ausgelassen würde. Uns stört das nicht wirklich, das ist doch nur ein Ablenkungsmanöver seitens der Regierung. Wenn wir besonders sensible Mädels und Jungs wären, würden wir uns das vielleicht zu Herzen nehmen und versuchen, gerichtlich gegen solche Artikel vorzugehen, aber wir ersparen uns das einfach. Uns ist jetzt wichtig, dass wir die benötigte Anzahl an Unterschriften zusammenbekommen. Es sagt auch viel aus, dass solche negativen Schlagzeilen über uns nur in Scheinmedien wie den Habony-Blättern auftauchen. Wenn ein ernst zu nehmendes Medium mit belastbaren Quellen etwas Ähnliches veröffentlicht, dann werden wir uns der Sache natürlich annehmen, aber erst einmal halten wir es für überflüssig, uns mit solchen grundlosen Anschuldigungen zu befassen.

Welche Anschuldigungen wurden gegen Sie erhoben?

Mein Liebling war diese Schlagzeile im Echo TV: „Momentum-Bewegung wird aus südspanischem Urlaubsparadies geleitet!“ Aber wir sind auch „Soros-Söldner“ und „von der Linken finanzierte Scheinzivile“. Das ist kein Journalismus.

Wie finanzieren Sie sich denn?

Bisher vor allem durch Mitgliedsbeiträge. Aber wir haben auch Spenden erhalten. Die Stühle hier im Büro haben wir beispielsweise von Éva Haris bekommen, die Verbindungen zur MSZP hat. Insgesamt waren es 16 Stühle und acht Tische – daraus haben wir aber auch nie ein Geheimnis gemacht. Darüber hinaus haben wir viele Kleinspenden erhalten, auch Sachspenden. Das ist aber nichts im Vergleich dazu, was jetzt an Spenden für die eigentliche Kampagne eingegangen ist. Wir bekommen Spenden von Menschen, mit denen wir nie etwas zu tun gehabt haben, einfach nur, weil sie unsere Initiative unterstützen wollen. Wir erhalten Spenden von 500 bis einmal sogar 200.000 Forint und damit halten wir die Kampagne am Laufen.

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Eines ist sicher, die Ressourcen sind noch nicht ausgeschöpft. Wir machen weiter mit unserer Crowdfunding-Finanzierung, daneben hat die MKKP am vergangenen Donnerstag ebenfalls zu Spenden für eine Plakatkampagne aufgerufen und innerhalb von drei Stunden kamen fünf Millionen Forint zusammen. Wir sehen also, dass die Menschen durchaus noch bereit sind, den Aktivismus zu unterstützen.

Die Momentum-Bewegung ist dabei, eine Partei zu werden. Wollen Sie schon 2018 antreten?

Ja, es ist unser ausgesprochenes Ziel, bei den Parlamentswahlen 2018 mit dabei zu sein.

Mit wem gemeinsam?

Mit niemandem. Nur wir als Partei. Wir wollen auch ins Parlament einziehen, aber nicht, weil wir glauben, dass Politik nur dort gemacht werden könnte. Vermutlich werden wir bis dahin noch weitere Aktionen durchführen und hoffentlich auch danach. Ich denke nicht, dass dieser Teil zum Erliegen kommt. Derzeit sind wir natürlich auf Budapest konzentriert, aber wir wollen auch die ländlichen Regionen mit in Entscheidungsfindungsprozesse einbeziehen. Und wir erhalten tatsächlich auch Rückmeldung von Freunden, Bekannten und auch Unbekannten, die fragen, wann wir endlich auch dort aktiv werden. Wir planen das, aber wegen der Olympia-Aktion sind unsere Ressourcen begrenzt. Natürlich wird Kazincbarcika (eine kleine Siedlung in Nordostungarn – Anm.) keine Olympiade austragen, aber auch dort gibt es lokale Fragen, die von den Bürgern entschieden werden sollten.

Erneut die Frage: Wie können Sie das Schicksal anderer Bewegungen vermeiden, die nach ihrer Umwandlung zur Partei im Nichts verschwunden sind? Als Beispiel sei hier die 4K genannt, die sich im Klein-Klein des mit wem und mit wem nicht verlor.

Ich weiß nicht, inwiefern ein Zusammenschluss tatsächlich nötig ist, immerhin gibt es vier Millionen Wähler, die sich keiner Partei zugehörig fühlen, die nicht einmal wählen gehen. Diese Menschen haben das Gefühl, dass sie kein Mitspracherecht mehr haben, dass ihre Stimme wertlos geworden ist. So wie wir schon jetzt Sympathisanten anderer Parteien als Aktivisten bei uns begrüßen dürfen, vertrauen wir auch darauf, dass es uns auch bei Wahlen gelingen würde, die attraktivere Alternative zu sein. Unser Hauptziel ist es aber, das Interesse der Gesellschaft wieder mehr in Richtung Politik zu lenken und Hoffnung zu vermitteln, dass es auch anders sein kann.

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