Die Legende besagt, dass der durch Volksmärchen bis heute beliebteste König der Ungarn, Matthias Corvinus, auf dem Eis der zugefrorenen Donau zum König gekrönt wurde. Zwar wurde längst bewiesen, dass sich die Geschichte so nicht zugetragen hat, doch die Ungarn halten an ihrer Legende fest. Und so ist es nicht weiter verwunderlich, dass dieser Tage, in denen Väterchen Frost mit eisiger Hand im Lande der Magyaren regiert, das Bild der Krönung Viktor Orbáns immer wieder auftaucht.

Nicht die erste Anspielung

Tatsächlich ist dies keineswegs die erste Anspielung, die darauf abzielt, dass das Verhalten des Premiers eher an das eines Königs denn das eines demokratisch gewählten Ministerpräsidenten erinnert. Schon als am 1. Januar 2000 (unter der ersten Orbán-Regierung) die Heilige Krone von Budapest nach Esztergom und zurück geschifft wurde, gab es dazu immer wieder Scherze. Die seitdem als „Kronenschifferei“ zum geflügelten Wort avancierte Aktion, aber auch der Umzug des Premiers ins Burgviertel lässt den Volksmund Vergleiche dieser Art herstellen. Nun gibt es also die Vermutung, sollte die Donau doch zufrieren, würde sich Viktor Orbán zum König krönen lassen. Böse Zungen behaupten gar, er habe schon damals im Jahre 2000 die Krone aufprobiert, als sein heutiger Hauptratgeber (ohne jegliche offizielle Position und bis vor Kurzem auch ohne nennenswerte Einkünfte, aber dafür mit Gucci-Tasche) Árpád Habony noch als Teil der Kronengarde tätig war. So sehen auch die Macher der Humorseite „Szomszédok forever“ die immer größer werdenden Eisschollen auf der Donau mit Besorgnis: denn was, wenn die Donau zufriert?

Realität witziger als jede Satire

Bis es so weit ist, interessiert die Budapester aber vor allem der öffentliche Nahverkehr. Die von gelegentlicher Rauchbildung betroffene und durch ihre in die Jahre gekommene Bremsanlage stets gut geheizte blaue Metro dürfte derzeit das beliebteste Verkehrsmittel der Hauptstädter sein, denn in zahlreichen Bussen und Bahnen wird nicht geheizt. Dadurch stießen viele, die in einem dieser Verkehrsmittel ihr Ticket validieren wollten, zu Beginn der Woche auf ein unerwartetes Problem: Mehrere Dutzend Ticketautomaten der BKK versagten in der extremen Kälte den Dienst. Das Budapester Verkehrszentrum versprach noch für denselben Tag die Lösung des Problems, doch die Kälte hält an. Mal schauen, vor welche Herausforderungen das Wetter die BKK noch so stellt. Wir jedenfalls können die ersten Schneeflocken in diesem Zusammenhang kaum erwarten und lachen uns schon mal warm.

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