Aus europäischer Sicht sei die Lage in Italien dramatisch, fügte Orbán hinzu. Wegen der instabilen Lage in der Türkei könnte der Migrantenstrom über die Balkanroute im nächsten Jahr wieder anschwellen. Ungarn sei jedoch imstande, noch so große Migrantenströme an seiner Grenze zu stoppen und somit das innere Europa zu schützen. Orbán schob Brüssel die Verantwortung dafür in die Schuhe, dass abgewiesene Asylbewerber Ungarn gen Westen verlassen können. Es sei einfach lebensfremd, dass gegen ihre Ausweisung Einspruch erhebende Asylbewerber nicht in Gewahrsam gehalten werden dürfen.

Zur Bewertung des EU-Gipfels äußerte der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, dessen Land in diesem Halbjahr die Ratspräsidentschaft innehatte, die Visegrád-Staaten (V4) hätten einen einheitlichen Standpunkt zur Frage der Migration vertreten. Niemand könne sie dazu zwingen, Migranten aufzunehmen, sagte er der slowakischen Nachrichtenagentur TASR. „Wir haben die gleichen Ansichten zu den Zwangsquoten und wir halten an unserem Standpunkt fest“, erklärte Fico. „Die effiziente Solidarität handelt gerade davon, dass niemand uns zwingen kann, irgendjemanden aufzunehmen. In dieser Frage sind sich die Visegrád-Staaten absolut einig.“

In Budapest kommentierte die für den Fidesz im Europaparlament sitzende Kinga Gál die Entwicklung mit den Worten, der Entscheidungsmechanismus der EU hinsichtlich der illegalen Einwanderung sei in eine „Phase des Nachdenkens“ gelangt. Die Politikerin sagte dem staatlichen Kossuth-Radio am Freitag, indem eine Entscheidung über die Migrationsfrage um ein halbes Jahr aufgeschoben wurde, sei deutlich geworden, dass die Erkenntnis Boden gewinnt, sich nicht gegenseitig den Standpunkt aufzwingen zu können. Umso wichtiger sei es, dass die EU-Mitgliedstaaten eindeutig für eine gemeinsame Verteidigungspolitik eingetreten seien.

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