Andere Banken rationalisieren mit Blick auf ihre Filialen, sprich: reduzieren die Zahl ihrer Filialen. Ihre Bank, die Oberbank baut ihr Filialnetz permanent weiter aus. Wie erklären sich diese gegenläufigen Tendenzen?

Die einfache Erklärung lautet, dass wir immer mehr Kunden davon überzeugen können, Bankgeschäfte mit der Oberbank hier in Ungarn abzuwickeln. Wir sehen für uns das Potential, diese erfreuliche Entwicklung noch weiter steigern zu können. Deswegen investieren wir hier.

Welche Strategie steht dahin?

Ich kann in erster Linie die Entwicklung und Strategie der Oberbank hier in Ungarn erklären. Wir sind vordergründig positioniert als „Beraterbank“. Wir haben eine Meinung und möchten mit dieser unsere Kunden unterstützen. Und als „Beraterbank“ suchen wir insbesondere Kunden, die einen Mehrwert in einer Kundenpartnerschaft mit entsprechender Kundennähe und persönlicher Beratung sehen und diesen auch honorieren. Für die Umsetzung dieses Geschäftsmodells brauchen wir natürlich eine gewisse Filialpräsenz in der Nähe unserer Kunden. Bis dato waren unsere Standorterweiterungen erfolgreich. Also machen wir weiter.

Bei der Begründung von Filialschließungen wird von anderen Banken neben wirtschaftlichen Gründen, zuweilen auch angeführt, dass die Filialen, also der physische Kontakt mit Kundendienstmitarbeitern für Bankkunden im Internetzeitalter nicht mehr so wesentlich sei. Ticken Oberbank-Kunden anders?

Die Digitalisierung kommt natürlich auch in der Oberbank an. Auch wir investieren beispielsweise in den Ausbau unserer E-Banking-Dienstleistungen. Dies ist ein Mindesterfordernis. Dennoch steht für uns immer noch die Kundenpartnerschaft, die persönliche Beziehung und Beratung im Vordergrund. Die elektronische Abwicklung von Transaktionen ist ein erforderliches Mittel zum Zweck.

Noch ein Aspekt spielt eine wesentliche Rolle. Die Oberbank ist seit fast zehn Jahren hier in Ungarn vertreten. Die Finanzdienstleistungsbranche weltweit und insbesondere der ungarische Standort hatten nicht gerade einen Boom zu verzeichnen. Es kam eher zu einer rückläufigen Entwicklung. Ich glaube unsere Bestandskunden honorieren, dass wir immer einen aktiven Zugang zum ungarischen Markt hatten. Auch in den schwierigsten Zeiten, in denen man von einer „Kreditklemme“ sprach, hatten wir den Standort nie in Frage gestellt und sogar unsere Kundenanzahl und Geschäftsvolumina gesteigert. Unsere Kunden haben das nicht vergessen und eine besonders hohe Loyalität zu unserem Team entwickelt. Darüber hinaus werden wir häufig weiterempfohlen und gewinnen täglich neue Kunden.

Wie wird es mit dem Filialprogramm weitergehen? Ist die Eröffnung von weiteren Standorten geplant? Wenn ja, wann und wo?

2017 möchten wir drei weitere Standorte eröffnen. Die Schlagzahl wird also noch erhöht werden. Natürlich verträgt eine geschäftlich florierende Hauptstadt wie Budapest noch mehr neue Oberbankfilialen. Standorte außerhalb von Budapest wie beispielsweise Miskolc, Pécs, Nyíregyháza und Tatabánya sind derzeit in Prüfung.

Wann und mit wieviel Filialen wird Ungarn für die Oberbank als abgedeckt gelten?

Unsere Regionalstrategie „Ungarn 2020“ sieht 15-20 Standorte in Ungarn vor. Das wären also noch bis zu zehn neue Oberbankfilialen bis 2020

Wie hat sich Ihre zuletzt eröffnete Filiale in Székesfehérvár entwickelt? Hat dieser Schritt die Erwartungen erfüllt?

Unsere Erwartungen wurden sogar übertroffen. Die Filiale Székesfehérvár entwickelt sich besonders dynamisch. Sowohl das Firmen- als auch Privatkundengeschäft wachsen dort dynamisch. Wir haben den richtigen Leiter und das richtige Team vor Ort gefunden. Unsere erfolgreiche Entwicklung hilft uns natürlich dabei, besonders engagierte und vor Ort gut vernetzte Mitarbeiter für uns zu gewinnen.

Wo sehen Sie noch Potenzial für weiteres Kundenwachstum? Welche Kundengruppen sind für sie besonders interessant?

Wir decken sowohl das Firmengeschäft als auch das Privatkundengeschäft mit Veranlagung, Finanzierung (Kredit & Leasing), Kontoführung und Zahlungsverkehr ab. Im Firmenkundengeschäft punkten wir besonders häufig bei KMUs. Hier werden unsere Kundennähe, die Beratung und die Möglichkeit der Individualisierung der Dienstleistung besonders honoriert.

Wie setzt sich Ihr Firmenkundenstamm mit Blick auf die nationale Herkunft zusammen?

Überwiegend betreuen wir ungarische Unternehmen. Etwa 40 Prozent unserer Firmenkunden haben einen deutschen oder österreichischen Eigentümerhintergrund.

Über verschiedene Maßnahmen, so etwa Ihre Vorstandstätigkeit im Deutschen Wirtschaftsclub Ungarn (DWC) und Ihre Sponsoring-Aktivitäten bei größeren DWC-Veranstaltungen gehen Sie deutlich auf deutschsprachige Investoren zu. Zahlen sich diese Anstrengungen aus?

Absolut, sowohl für den Club als auch für uns. Dafür trage ich auch persönlich Sorge. Wir unterstützen die Aktivitäten des Clubs auch finanziell. Aber dieses Investment wäre nur halb so viel wert, wenn ich es nicht mit hohem persönlichen Engagement gegenüber Kunden aus diesem Kreis flankieren würde. Bei Anliegen von DWC-Mitgliedern nehme ich mir stets gerne auch kurzfristig und persönlich Zeit. Das wird honoriert. Der Zuwachs von Neukunden aus diesem Kreis spricht eine deutliche Sprache. Unser Erfolg bei deutschsprachigen Kunden hat aber sicher auch damit etwas zu tun, dass wir für in Ungarn aktive deutschsprachige Unternehmer einen wichtigen Mehrwert bieten: An jedem unserer Filialstandorte sind wir in der Lage, unsere Kunden auch auf Deutsch zu beraten.

Wie hat sich die Oberbank in Ungarn im Vergleich zu anderen „Oberbank-Ländern“ entwickelt?

Zurzeit werden unsere Wachstumsbestrebungen von unseren österreichischen Eigentümern sehr unterstützt. Die Oberbank ist aber auch insgesamt auf einem erfolgreichen Wachstumspfad. Die Bank notiert an der Wiener Börse und ist somit publizitätspflichtig. Sehen Sie sich die Entwicklung unseres Aktienkurses an, dann sehen Sie, was ich meine.

Wie ist bei Ihren Firmenkunden momentan die Stimmung?

Bei unseren Kunden ist eine verstärkte Investitionsbereitschaft zu bemerken. Die Industrie wird natürlich vom Automotivbereich mit dessen Zulieferbetrieben gezogen. Viele unserer Industriekunden haben dieses Jahr in Kapazitätserweiterungen investiert.

Darüber hinaus hat der Immobiliensektor die Investitionstätigkeit stimuliert. Die Preise sind angezogen und die Leerstände haben sich reduziert. Auch neues frisches Kapital aus dem Ausland sucht nach Investitions- und Anlagemöglichkeiten in Ungarn und insbesondere in Budapest. Alles in allem eine erfreuliche Entwicklung, welche sich auch noch fortsetzen dürfte.

Wie sehr sind Sie als Bankvertreter momentan mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zufrieden? Was müsste sich noch verbessern?

Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, die Wirtschaftspolitik zu kommentieren. Generell gilt wie auch anderswo auf der Welt, dass Investoren Berechenbarkeit und Stabilität suchen und bevorzugen. Die vergangenen Jahre waren nicht nur für Ungarn herausfordernd. Die Regierung hat in der Vergangenheit sehr viele Gesetze beschlossen und auch Sondersteuern eingeführt, um Wachstum zu stimulieren, die Verschuldung einzudämmen und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Wenn nun die „Schlagzahl“ diesbezüglich etwas reduziert wird, und es scheint in diese Richtung zu gehen, dann wird dies die Investitionstätigkeit in Ungarn sicher noch fördern. Andererseits kommt eine große Herausforderung auf Ungarn zu. Viele Investitionen basieren auch auf Direktzuschüssen aus den Fördertöpfen der EU und diese haben auch ein Ablaufdatum.

Wie gestaltete sich im aktuellen Jahr die Zusammenarbeit mit der Ungarischen Nationalbank? Wie bewerten Sie deren Aktivitäten bei der Ankurbelung der Kreditvergabe beziehungsweise der Konjunktur?

Es ist eine Tatsache, dass die Ungarische Nationalbank (MNB) sehr aktiv eingegriffen und versucht hat, das Wachstum und die Kreditvergabe anzukurbeln. Das Wachstums-Kredit-Programm der MNB hat beides spürbar stimuliert. Auch die Oberbank hat sich übrigens erfolgreich an diesem Programm beteiligt.

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