„Vernetzen, fördern und befähigen” lautet die Mission des von der Landesselbstverwaltung getragenen UdPI, das den Pädagogen der ungarndeutschen Bildungseinrichtungen fachliche Unterstützung der unterschiedlichsten Art bietet.

„Es soll bald eine Änderung im ungarndeutschen Abitur eingeführt werden“, erklärte UdPI-Direktor Josef Weigert, weshalb es nötig war, seine Kolleginnen und Kollegen zum Thema Textinterpretation weiterzubilden. „Wie geplant, werden Schülerinnen und Schüler bei der Abiturprüfung demnächst die Möglichkeit haben, einen unbekannten literarischen Text zu behandeln. Um sie aber dazu zu befähigen, muss man mit ähnlichen Aufgaben schon im Grundschulalter beginnen. Die diesbezügliche Verantwortung der Deutschlehrkräfte ist also von nun an noch größer als zuvor.“

Dass Mitarbeiter des Münchner ISB die diesbezüglichen neuesten Forschungsergebnisse und Unterrichtsmethoden kennen, hat den Grund, dass das dem Bayerischen Kultusministerium nachgeordnete Institut die Aufgabe hat, anhand von neuesten Forschungsergebnissen Konzepte zu entwickeln, die in der Schule angewandt werden können – erläuterte ISB-Expertin Alexandra Eberhardt: „Unser Institut steht an der Schnittstelle von Forschung, Praxisarbeit und Schule, und hat aktuell den ‚LehrplanPLUS‘ entwickelt. Dieser neue bayerische Lehrplan baut über reines Wissen hinaus auf Kompetenzen, die Kinder und Jugendliche zur Lösung lebensweltlicher Probleme befähigen.“

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Die beiden ISB-Fachfrauen sind selber Lehrkräfte. Beim Konzipieren der Inhalte der Fortbildungen hielten sie sich den Wunsch des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts vor Augen, vielfältige und in Bayern derzeit gängige, kooperative Unterrichtsmethoden vorzustellen, die soziales Lernen fördern und Lese-, Schreib- und Sprachkompetenzen auf einmal entfalten.

Referentin Alexandra Eberhardt schilderte Lehrkräften der Oberstufe und der Gymnasien zunächst die theoretischen Grundlagen des Literaturunterrichts in Bayern sowie auch Methoden und Arbeitstechniken, die sich im kompetenzorientierten Literaturunterricht bislang schon bewährt haben. Nach der theoretischen Einleitung wurden sofort einige Texte bearbeitet, und die Kursteilnehmer erhielten eine Auswahl an literarischen Werken, die anschließend im eigenen Deutschunterricht verwendet werden kann. „Für uns war es wichtig, den Schwerpunkt auf moderne und aktuelle poetische Texte zu setzen, weil uns in der Unterrichtspraxis oft die Zeit fehlt, solche Werke zu behandeln“, erklärte Josef Weigert, der selbst am Valeria-Koch-Bildungszentrum unterrichtet.

Mit kompetenzorientiertem Deutschunterricht ist schon sehr wohl in der Unterstufe anzufangen – dieser Meinung ist ISB-Expertin Sabine Seitz, die ganz konkrete und gut verwendbare kooperative Methoden vorstellte, die Schüler zwischen 6-10 Jahren nicht nur in höchstem Maße motivieren, sondern die auch die Heterogenität innerhalb einer Schulklasse berücksichtigen. „Eine meiner Lieblingsmethoden, die ich heute gerne zeige, ist das Gruppenpuzzle“, erklärte Referentin Seitz. „Dabei geht es darum, dass die Kinder einen unbekannten Text zuerst für sich selber lesen; dann bekommen sie verschiedene Rollen, und gehen in diverse Lesekonferenzen, wo sie vor einer kleinen Gruppe ihre Kenntnisse und Meinungen frei präsentieren und diskutieren. Ich bin der Ansicht, dass sie sehr schnell etwas lernen, wenn sie motiviert und ständig aktiv sind. Das Ziel dieser Textinterpretationsmethode ist, dass sich die Schüler konstruktiv in unterschiedlichen sozialen Situationen mit den Lerninhalten auseinandersetzen. Dabei erlernen sie Selbständigkeit und kritisches Denken, und auch ihre sprachliche Ausdrucksfähigkeit wird gefördert. Die Methoden, die ich den Kollegen aus Ungarn weitergeben möchte, sind sofort in ihrem Unterricht einsetzbar.“

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Die beiden Expertinnen zeigten großes Interesse für Alltagsprobleme im Deutschunterricht in Ungarn. Sie betonten ihre Begeisterung vom deutschsprachigen Fachunterricht an den LdU-Schulen, und akzentuierten auch, dass sie es sehr spannend fänden, wie natürlich es für ungarndeutsche Kinder sei, zwei Sprachen wie selbstverständlich zu benutzen. In Bayern sei bilingualer Unterricht nicht die Regel und komme nur an ausgewählten Schulen vor.

Das Ungarndeutsche Pädagogische Institut hat vor, die Präsentationen der beiden ISB-Fachfrauen auf seine Homepage hochzuladen, um sie allen Interessenten frei zugänglich zu machen.

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