„Dieses Jahr widmeten wir dem Leidensweg der Ungarndeutschen zwischen 1944-1948, der sich vor 7 Jahrzehnten ereigneten Verschleppung und Vertreibung. Wir haben uns vorgenommen, dieses Thema unseren etwa dreihundert Schülerinnen und Schülern auf diverse Weisen näherbringen. Auf unsere größte Überraschung haben sie mit Bewegtheit, Tränen und Trauer reagiert. Wir sind uns sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben“ – mit diesem Einleitungsgedanken betonte Ibolya Hock-Englender, Direktorin des Valeria-Koch-Bildungszentrums die Wichtigkeit der Thematisierung dieser tragischen Ereignisse an Schulen.

Die deutsche Nationalität in Ungarn musste nach dem Zweiten Weltkrieg tragische Schicksalsschläge erleiden: Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion, Enteignung, Internierung und schließlich Vertreibung. Die Volksgruppe hat diese Ereignisse bis auf heute nicht gänzlich bewältigen können. Bestimmte Momente sind immer noch von Tabus und falscher Interpretation belagert. Zur Schaffung einer korrekten geschichtlichen Narrative gab es das ganze Jahr hindurch landesweit Veranstaltungen. Auch die Tagung in Fünfkirchen – die vor allem die jüngsten Forschungsergebnisse bezüglich der Deportation schilderte - diente dieser Bestrebung.

Historikerin Beáta Márkus fasste anhand von anschaulichen Beispielen und der Schilderung der regionalen Unterschiede und Besonderheiten die Verschleppung deutschstämmiger Zivilisten aus Ungarn in die Sowjetunion 1944/1945 zusammen.

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In ihrem Vortrag „Integration im Prinzip – Diskriminierung in der Praxis“ schilderte Historikerin Dr. habil. Ágnes Tóth die Maßnahmen, die die ungarische Regierung von 1948 bis 1956 ergriff, um die Grundlagen für die gesellschaftliche Integration der im Land verbliebenen Ungarndeutschen zu schaffen, um aus ihnen „gute Patrioten und selbstbewusste sozialistische Werktätige“ zu erziehen.

Der sich vor allem mit Oral History beschäftigende György Ritter klärte Formen, Erscheinungen, Auslegungen und grundlegende Terminologien der Deportation.

Der Ablauf und die Folgen der Deportation der ca. 31.000 Ungarndeutschen zum verharmlosend nur „Malenkij Robot“ genannten Wiederaufbau in die Sowjetunion zeigt zahlreiche Gemeinsamkeiten mit der Verschleppung der 11.000 Deutschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, der etwa 70.000 Personen aus Rumänien und 10.000 aus dem Karpatenvorland. Aus den Referaten der zur Konferenz eingeladenen Geschichtswissenschaftler Dr. Zoran Janjetovic, Hannelore Baier und Dr. Erzsébet D. Molnár aus Serbien, Rumänien bzw. der Ukraine zeichnete sich die tragische Schicksalsgemeinschaft der deutschen Nationalität in Mittel- und Südosteuropa ab.

Laut der Geschichtslehrerin des Valeria-Koch-Bildungszentrums, Agnes Amrein-Pesti, der Leiterin des Organisationsteams der Geschichtstagung ist es sehr wichtig, auch im Kreise von Pädagogen diese Themen zu behandeln, denn es müssen auch die aktuellsten Forschungsergebnisse in den Unterricht eingebaut werden. Durch die Darstellung der gemeinsamen Schicksalsschläge des Deutschtums im Karpatenbecken können die Schüler das Thema „Malenkij Robot“ in einem neuen Kontext geschichtlicher Ereigniszusammenhänge interpretieren.

#Historischer Hintergrund:

Die Verschleppung ungarischer Staatsbürger zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion begann im Dezember 1944: arbeitsfähige Personen deutscher Abstammung oder mit deutsch klingendem Namen wurden mobilisiert, einwaggoniert und in die Sowjetunion transportiert, um dort zum Wiederaufbau des Landes gezwungen zu werden. Ein Viertel bis ein Drittel der Verschleppten starb und kehrte in die Heimat niemals zurück.

Die Vertreibung der Ungarndeutschen zuerst in die amerikanische, und später in die sowjetische Besatzungszone Deutschlands begann am 19. Januar 1946. Die Zwangsaussiedlung war Teil der großen europäischen Bevölkerungsverschiebung nach dem Zweiten Weltkrieg: aufgrund der Idee der Kollektivschuld und wegen des Bevölkerungsaustausches zwischen der Tschechoslowakei und Ungarn wurden etwa 220 000, vor allem vermögende Ungarndeutsche aus ihrer Heimat vertrieben.

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