Zehn Monate lebte Michél, ein junger deutscher Unternehmer, bereits in Ungarn, als er beim Blick in die Fahrzeugpapiere feststellte, dass der TÜV seines Kleinwagens bald ablaufen würde. Er stand nun vor der Frage, ob er den TÜV in Deutschland durchführen und das Fahrzeug mit deutschem Kennzeichen wieder nach Ungarn bringen, oder es bei der Gelegenheit gleich in Deutschland ab- und in Ungarn anmelden sollte. Der rechtliche europäische Rahmen nahm ihm schließlich die Entscheidung ab: Wenn Sie in ein anderes EU-Land ziehen, in dem Sie sich länger als sechs Monate aufhalten und Ihr Auto mitnehmen, müssen Sie es im neuen Land anmelden und die entsprechenden Gebühren und Steuern zahlen.

Ummeldung des Fahrzeugs nach sechs Monaten im Ausland

Das heißt konkret: Wenn Sie Ihren Wohnssitz dauerhaft nach Ungarn verlegen und Ihr Fahrzeug mitnehmen, müssen Sie es volens nolens nach spätestens sechs Monaten in Ungarn anmelden. Michél hat dieses Prozedere mittlerweile hinter sich und kann sich zwar noch an die Schwierigkeiten erinnern, vor allem an „die Undurchsichtigkeit und die Bürokratie der ungarischen Behörden“, hat aber auch die Vorteile des ungarischen Nummernschildes zu schätzen gelernt. So kann er damit nun einen Anwohnerparkplatz, direkt vor seiner Budapester Haustür, sein Eigen nennen. Mit deutschem Nummernschild war dies zuvor nicht möglich gewesen und so musste er zum Teil teure Tiefgaragenparkplätze anmieten. Auch konnte er seinen in Deutschland erworbenen Schadensfreiheitsrabatt in Ungarn übertragen und so die Autoversicherung mit guten Konditionen abschließen.

Bye, bye Deutschland: Abmeldung und Ausfuhr

Der Weg zur Ummeldung seines Autos führte ihn zunächst zum Kraftfahrzeugamt des Landkreises in Deutschland, in dem sein Auto bislang zugelassen war. Die meisten Kraftfahrzeugämter bieten zur Erleichterung auch eine Check-Liste an, mit allen Informationen, die man für die Ummeldung des Fahrzeugs braucht. Beim zuständigen Kraftfahrzeugamt konnte Michél ein Ausfuhrkennzeichen beantragen, das immer für eine bestimmte Zeit gültig ist – ebenso wie die dazugehörige Ausfuhrversicherung.

Diese Zeit kann beispielsweise eine, mehrere Wochen oder einen Monat betragen. In dieser Zeit muss das Fahrzeug von einem, ins andere Land „exportiert“, das heißt befördert werden. Notwendig dafür ist ein noch gültiger Wohnsitz in Deutschland, zusammen mit einem deutschen Bankkonto. Von dem Konto werden dann die entstandenen Exportsteuern abgezogen. Sollten Sie selbst nicht mehr im Besitz eines deutschen Kontos sein, können Sie auch ein Familienmitglied oder einen Bekannten damit bevollmächtigen.

Als nächsten Schritt ging es, zusammen mit der TÜV-Bescheinigung, die zuvor erworben wurde, zur Zulassungsstelle des Landkreises. Dort werden die notwendigen Dokumente geprüft und wird einem ein neues, provisorisches Nummernschild zugewiesen. Mit dieser Genehmigung ging Michél dann zur zuständigen Nummernschilddruckerei und erhielt ein rotes Nummernschild, das er an seinem Fahrzeug anbringen konnte. Nun nur noch die Exportunterlagen, die offiziellen EU-Papiere für die Ausfuhr des Fahrzeugs beantragen, und los geht die Fahrt zurück nach Ungarn.

Willkommen in Ungarn: Ausstellung eines ungarischen Nummernschildes

1.200 Kilometer später, in Budapest angekommen, begab sich Michél zur zuständigen Zollstelle der Stadt. Die Műszaki Vizsgálóállomás (dt.: Technische Prüfstelle) befindet sich im 3. Bezirk, in der Mozaik utca 5 und ist erste Anlaufstelle für die Ummeldung ausländischer Fahrzeuge. Dort wird auch die fällige Zulassungssteuer berechnet, die sich nach Faktoren wie Motorgröße, Kraftstofftyp und Alter des Autos richtet. Um unangenehme Überraschungen zu vermeiden, kann man diese Steuer schon im Vorfeld online berechnen lassen. Hier ein link dazu (auf Ungarisch): http://szamoldki.com/auto/autobehozatal. Bei der Technischen Prüfstelle müssen ein gültiger TÜV nachgewiesen und folgende Dokumente vorgelegt werden:

  • Personalausweis
  • Adresskarte (ung.: lakcímkártya)
  • Zulassungspapiere des Fahrzeugs im Original
  • Ein Nachweis, dass das Auto nicht länger im Herkunftsland registriert ist (z.B. durch die Exportunterlagen aus Deutschland)

Nachdem die offiziellen Dokumente dort ausgestellt wurden, kann man damit ein neues, ungarisches Nummernschild beim Straßenverkehrsamt (Közigazgatási és Elektronikus Közszolgáltatások Központi Hivatala) drucken lassen. Fehlt dann nur noch eine neue Autoversicherung, die ebenso wie die Autosteuer in Ungarn relativ günstig ist. Abgeschlossen ist der Prozess der Ummeldung eines Fahrzeugs in Ungarn schließlich, wenn das Auto bei einem der Bürgerbüros (ung.: Okmányiroda) des jeweiligen Bezirks offiziell registriert wird.

Spezielle Agenturen nehmen dem Kunden die Ummeldung ab

Michél hat nach der Ummeldung des ersten Fahrzeugs noch ein zweites selbst umgemeldet und dann von einem Kollegen den Tipp erhalten, dies über eine Agentur erledigen zu lassen. Für die Ummeldung des dritten Autos aus Deutschland hat er dann die Hilfe einer Agentur in Anspruch genommen und musste dafür nur die Autoschlüssel sowie die Fahrzeugpapiere abgeben. „Nach drei Tagen hatte ich schon ein angemeldetes Auto“, so Michél.

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Er empfiehlt diesen Dienst all jenen, die sich nicht mit dem gefürchteten ungarischen Behördendschungel auseinandersetzen wollen. Die eigens auf die Ummeldung spezialisierten Agenturen nehmen einem somit die lästige Arbeit ab und ersparen dem ausländischen Autobesitzer die mühevolle Verständigung mit ungarischen Institutionen.

Wo ein Wille, da ein Weg: Alternativen zur Abmeldung in Deutschland

Natürlich kann man sich die Fahrt nach Deutschland auch sparen, indem man sich in Ungarn eine TÜV-Stelle sucht und mit neuem ungarischen TÜV-Siegel zur Technischen Prüfstelle geht. Dort läuft die Abmeldung und Neuanmeldung des Fahrzeugs dann zusammen mit den weiteren Schritten ähnlich ab, wie im Falle von Michél beschrieben. Es existieren neben der Variante mit dem TÜV und Abmeldung im Landkreis der Zulassung und anschließendem Export nach Ungarn, dem TÜV und Ab- und Ummeldung in Ungarn auch noch weitere Alternativen, die vom Ideenreichtum und der Cleverness einiger Autobesitzer zeugen. Ohne auf die weniger legalen Tipps einzugehen, wäre hier noch die Variante zu erwähnen, bei der viele ausgefuchste Autobesitzer in die nächstgelegene deutsche Stadt (z.B. Passau) fahren und mit frischem TÜV zurück nach Ungarn kommen. Wohl hoffend, sie mögen nie in die Hände ungarischer Kontrolleure fallen.

Und bedenken Sie eines: Ohne ungarisches Kennzeichen werden Sie in Budapest, einer Stadt in der ein freier, kostenloser Parkplatz fast schon als Hauptgewinn gilt, nie in den Genuss eines Anwohnerparkplatzes für Ihr geliebtes Fahrzeug kommen.

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