In diesem Jahr feierte der Zoologisch-Botanische Garten in Budapest (ungarisch: Fővárosi Állat- és Növénykert) seinen 150. Geburtstag. Das macht ihn zu einem der ältesten der Welt. Erstmals öffnete er am 9. August 1866 seine Tore. Seitdem hat die Einrichtung eine bewegte Geschichte hinter sich: Nach anfänglicher Begeisterung flauten die Besucherzahlen nach wenigen Jahrzehnten ab, sodass der aus privater Initiative entstandene Zoo bereits 1907 knapp vor dem Aus stand. Damals rettete die Stadtregierung die in finanzielle Nöte geratene Einrichtung. Nach einer drei Jahre andauernden Sanierung, die den Zoologisch-Botanische Garten in Budapest zu einem der modernsten Europas machte, eröffnete man 1912 ein zweites Mal. Aus dieser Zeit stammen auch viele, der nach den Plänen des Jugendstil-Architekten Kornél Neuschloss entworfenen Pavillons sowie die von steinernen Elefanten bewachten, ikonischen Eingangstore.

Neubeginn fast bei Null

Während des Zweiten Weltkrieges nahmen der Zoo und seine Gehege erheblichen Schaden, nur 15 Tiere überlebten das Kriegsende. Von diesem herben Rückschlag erholte sich der Budapester Zoo nach der Wiedereröffnung 1945 nur langsam. Vor allem in den 1950er- und 1960er-Jahren waren daher tief greifende Modernisierungen fällig, um den Budapester Zoo wieder an die europäische Spitze zu befördern. Seitdem wurde immer wieder in den weiteren Ausbau der Anlagen investiert, um sowohl den Besuchern ein einmaliges Erlebnis als auch den rund 4.000 Tiere artgerechte Lebensbedingungen zu garantieren. Zuletzt wurde mit dem Holnemvolt-Park („Es war einmal“-Park) in 2014 eine neue familienfreundliche Attraktion eröffnet.

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Zufriedene Dickhäuter: Bisher war den Elefanten der ungarische Winter zu kalt, doch in der molligen Wärme des Bio-Dome werden sie in Zukunft ganzjährig zu sehen sein.

Doch das soll noch nicht alles gewesen sein: „In den vergangenen hundert Jahren besuchten knapp hundert Millionen Menschen den Budapester Zoo. Das macht ihn zu einer der beliebtesten ungarischen Kultureinrichtungen“, sagte Oberbürgermeister István Tarlós im vergangenen Jahr, als die Stadtregierung bekanntgab, die erneute Erweiterung des Zoos mit 25 Milliarden Forint zu unterstützen.

Erweiterung für 25 Milliarden Forint

Geplant ist die Schaffung eines ganzjährig geöffneten Indoor-Geheges. Dabei profitiert der Zoologisch-Botanische Garten von der Schließung des angrenzenden Vidámparks im Jahre 2013. Im Rahmen des „Liget Budapest Projekts“, welches ein neues Konzept für weite Teile des Stadtwäldchens vorsieht, soll der sogenannte Pannon-Park auf der nun brachliegenden Fläche des einstigen „Budapester Praters“ entstehen. Den Mittelpunkt der neuen Attraktion wird laut ersten Plänen des mit dem Entwurf betrauten Architekturbüros, Mérték Architectural Studio Ltd., ein 1,7 Hektar großes Bio-Dome bilden – eine Art abgeschlossene Kuppel, innerhalb derer ein komplettes Ökosystem simuliert wird. Von außen soll das geplante Bio-Dome grasbewachsenen Hügeln ähneln, doch nach oben hin sind die Räume der Kuppel mit Glas überdacht. Dies soll für viel natürliches Licht im Inneren sorgen. Laut Plan wird der Bau an seinem höchsten Punkt eine Höhe von 36 Metern erreichen. Damit würde das Bio-Dome alle anderen Attraktionen des Zoologisch-Botanischen Gartens überragen.

Die Welt vor 25 Millionen Jahren

Doch was soll es in dem neu geschaffenen Bio-Dome zu sehen geben? Das Konzept der neuen Attraktion sieht vor, die Flora und Fauna längst vergangener Zeiten wiederauferstehen zu lassen. Pflanzen, wie sie vor Millionen von Jahren – genauer gesagt in der Zeit de Miozäns – im Karpathenbecken wuchsen, sollen innerhalb der Glaskuppel einen üppigen Dschungel bilden. Während des Miozäns, einer erdgeschichtlichen Epoche, die vor etwa 25 Millionen Jahren begann und vor 5 Millionen Jahren endete, war das Klima auf dem Gebiet des heutigen Ungarns wesentlich wärmer. Dementsprechend andersartig war auch die Vegetation. Viele der Pflanzenarten von damals gibt es so zwar heute nicht mehr, doch ähnliche Arten und solche, die sich aus ihnen entwickelten, sollen im Bio-Dome einen Einblick in die damalige Welt des Karpathenbeckens geben. Ein künstlich angelegter Fluss wird es, so sehen es die Pläne vor, Besuchern ermöglichen die simulierte Urwelt bei einer Bootsfahrt im Bio-Dome zu entdecken. Dabei werden sie auch zahlreiche Tiere zu Gesicht bekommen. Wer jetzt an Dinosaurier denkt, liegt falsch – die gab es im Miozän schon lange nicht mehr. Die Tierwelt ähnelte damals schon deutlich der heute in den Tropen und Subtropen anzutreffenden Fauna – Rüsseltiere erlebten ihre Blütezeit. Daher werden vor allem Elefanten und Schimpansen die Gehege des Bio-Domes bevölkern, während im integrierten Aquarium auch Seekühe und Haie zu sehen sein werden.

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Doch bis die ersten Besucher die urzeitliche Schönheit des Bio-Dome bewundern können, wird noch einige Zeit vergehen. Frühestens 2018 bis 2019 sollen die ersten Abschnitte fertiggestellt und übergeben werden.

Drei Fakten über den Budapester Zoo, die Sie so noch nicht kannten:

Schwer einzupackendes Geschenk: Einige der ersten Kreaturen, die man im Budapester Zoo bestaunen konnte, waren 34 exotische Tiere aus dem Tierpark Schönbrunn, darunter eine Giraffe. Diese erhielt man als Schenkung von Kaiser Franz-Joseph und Kaiserin Elisabeth.

Schwere Kost: Auch wenn es die Kampfhandlungen waren, die während des Zweiten Weltkrieges die meisten der tierischen Bewohner des Budapester Zoos das Leben kosteten, fielen einige der Zoobewohner, so sagen es urbane Legenden, der von Krieg und Belagerung ausgehungerten Bevölkerung der ungarischen Hauptstadt zum Opfer. Giraffenpaprikás? Na dann, prost Mahlzeit!

Schwere Geburt: 2007 kam im Budapester Zoo das weltweit erste durch künstliche Befruchtung erzeugte Nashorn zur Welt. Tierärzte aus Deutschland, Österreich und Ungarn hatten Nashornmutter "Lulu" 2005 zur Trächtigkeit verholfen. Schon 2005? Ja, denn bei den im Süden Afrikas beheimateten Tieren dauert eine Schwangerschaft 16 bis 17 Monate.

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