Wer sich für Rennsport begeistert, dem sagt der Ort Maranello vielleicht etwas. Die 17-Tausend-Einwohnerstadt in der Provinz Modena im Norden Italiens ist seit 1943 Hauptsitz des Unternehmens Ferrari, eine Marke, deren Name so eng mit der Formel-1 verflochten ist wie kein zweiter. Gegenüber der Ferrari-Fabrik, die sich über die Jahrzehnte zum pulsierenden Herzen der Stadt entwickelt hat, befindet sich eines der bekanntesten Restaurants von Maranello – das Il Cavallino. Hier startete Alessandro Manfredini seine Karriere als Koch und lernte alles, was es über die italienische Küche zu wissen gibt. Das war vor gut 30 Jahren, seitdem hat Manfredini für eine Vielzahl renommierter Restaurants gearbeitet und war unter anderem auch als Privatkoch im Hause des berühmten italienischen Opernstars Luciano Pavarotti tätig. Auch die Welt bereiste Manfredini, ließ sich von der Küche anderer Länder inspirieren und landete letztendlich vor mehr als einem Jahrzehnt in Ungarn – der Liebe halber.

Was Schneewittchen mit italienischer Küche zu tun hat

Vor bald sieben Jahren eröffnete der italienische Chefkoch dann sein eigenes Lokal, das Bottega di Brontolo. Wer des Italienischen mächtig ist, dürfte an diesem Punkt die Augenbrauen hochziehen, denn Brontolo heißt im Italienischen so viel wie mürrisch oder grantig. Jetzt muss man nicht etwa fürchten im Bottega di Brontolo von schlecht gelauntem Personal begrüßt zu werden, auch entspricht es nicht dem Gemüt des Chefkochs, der jeden Kunden gar persönlich begrüßt, sondern der Name, so erklärt es Manfredini, ist eine Anspielung auf einen der sieben Zwerge aus dem Disneyfilm „Schneewittchen“. Manfredinis Ähnlichkeit mit dem grummeligen Zeichentrickzwerg „Brummbär“ – im Italienischen Brontolo – brachte ihm einen Spitznamen und dem Restaurant seinen Namen ein. Bis heute verstecken sich daher auch Figuren des Zwergs in verschiedenen Größen und Ausführungen gleich an mehreren Stellen des Restaurants.

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Zwischen Tradition und Moderne: Weder karierte Tischdecken noch andere Folklore gibt es im Bottega di Brontolo, dafür aber eine authentisch italienische Küche.

Das Bottega di Brontolo selbst befindet sich in der Wekerle Sándor utca im Herzen der Stadt, nur einen Katzensprung vom Vörösmarty tér und den angrenzenden Einkaufsstraßen entfernt. Bereits von der Straße eröffnet sich durch die großzügigen Fensterfronten ein Blick auf das gediegene aber doch einfache Innere. Hier dominiert ein rustikales Ziegelgemäuer mit hohen Decken und gemauerten Rundbögen, die ein wenig das Gefühl vermitteln, in einer Kapelle zu sein. Tritt man durch die Tür ein, erwartet einen jedoch keine düstere oder gar muffige Atmosphäre, sondern vor allem viel Licht, warme Holztöne und ein schlichtes Mobiliar. An den Wänden hängende Bilder fügen sich dezent in das Gesamtkonzept des mediterran angehauchten, aber doch überwiegend modern gestalteten Restaurants ein.

Wer die Ohren spitzt, stellt schnell fest, dass es sich hier – auch wenn es an folkloristischen Kitsch und karierten Tischdecken fehlt – um einen „waschechten Italiener“ handelt! Aus der Küche ruft es lautstark nach „Marco“, der wiederum steht wild gestikulierend hinter der Theke, am Tisch vor dem Fenster fluchen zwei ältere Herren auf Italienisch über ein Ereignis in der Zeitung und aus dem Radio dringen vollblütige Gitarrenklänge.

Täglich frisch und täglich neu

Auch in der Speisekarte setzt sich dieses Motiv fort: Hier findet sich alles, was die italienische Küche an Gaumenfreuden zu bieten hat: von Antipasti, wie Insalata Caprese oder eine Auswahl italienischer Aufschnitte, über Pasta in allen möglichen Formen bis hin zum klassischen Tiramisu. Wer das erste Mal im Bottega di Brontolo ist, für den ist eine der zahlreichen Pastavariationen definitiv ein Muss, sagt Chefkoch Manfredini. Viele der Teigspezialitäten bereitet er täglich frisch in seiner Küche zu. Doch wer sich nicht an den Klassiker halten möchte, dem sei das Tenderloin-Steak mit Balsamico und Parmesan, die Entenbrust alla Modenese oder der Branzino empfohlen. Diese gibt es täglich à la carte im Angebot. Am allerbesten legt man die Menükarte jedoch aus der Hand und lässt sich von Chefkoch Manfredini beraten. Neben den Gerichten auf der Karte bereitet dieser nämlich täglich neue kulinarische Kreationen zu, je nachdem, was es an diesem Tag Frisches und besonders Gutes in der Markthalle zu kaufen gab.

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Fazit: Das Bottega di Brontolo ist eines jener Lokale, das man fast uneingeschränkt jedem empfehlen kann, der in einer zwar nicht glamourösen, aber doch eleganten Umgebung, ein füllendes und unkompliziertes Mahl zu sich nehmen möchte. Vom romantischen Dinner über das zehnköpfige Familienessen bis zum Geschäftslunch ist hier alles möglich. Kulinarische Überraschungen sollte man allerdings nicht erwarten. Auch wenn Chefkoch Manfredini gerne mal mit exotischen Zutaten anderer Länder experimentiert, bleibt Pasta doch Pasta – darum lieben wir sie schließlich.

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Bottega di Brontolo

Budapest, V. Bezirk, Wekerle Sándor utca 5

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 11.30 bis 15 Uhr und 18.30 bis 22.30 Uhr

Reservierungen unter +36-70-611-4970 oder bottegadibrontolo@gmail.com

Weitere Informationen unter www.bottegadibrontolo.hu

Preise

Vorspeisen: 2.000 bis 3.200 Forint

Hauptgerichte: 1.700 bis 5.500 Forint

Desserts: 500 bis 2.400 Forint

Konversation

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