Am Wochenende konnte die Polizei im südungarischen Pécs beweisen, dass sie keinen Spaß versteht, wenn es um Vandalismus und Graffiti geht. Die „Passivisten“ der „Ungarischen Partei des zweischwänzigen Hundes“ waren unterwegs, um nach hauptstädtischem Beispiel kaputten Asphalt zu bemalen. Und nicht etwa mit politischen oder anzüglichen Motiven, sondern in den Farben Rot, Grün, Gelb und Blau. Auch in Budapest gibt es den zersprungenen, aber verschönerten Asphalt und auch in Budapest gab es bereits einmal ein Intermezzo mit der Polizei, allerdings gab es außer einem „Lasst das!“ keine Konsequenzen für die MKKP-ler.

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Sogar die „Tatverdächtigen“ rund um Kovács wurden abgeführt und aufs Polizeirevier gebracht.

In Pécs jedoch wurden die Parteipassivisten rund um Vorsitzenden Gergő Kovács nicht nur abgeführt, sondern sogar die Spurensicherung rückte an, um den Tatort in Augenschein zu nehmen. Erneut: Es geht um bemalten Asphalt und die damit verbundene Forderung, marode öffentliche Straßen und Wege zu sanieren. Gerufen wurden die Ordnungshüter von den Mitarbeitern eben jener Firma, die eigentlich für die Instandhaltung des Asphalts verantwortlich wäre. Bei der Begründung ihres Vorgehens gegen die MKKP-ler beriefen sie sich übrigens auf eine gegen Graffitis erlassene Bestimmung, in der es aber ausdrücklich um das Bemalen von stehenden Flächen wie (Haus-)Wänden geht. Kaputte Straßen kommen in ihr nicht vor.

Wenn die Strafermittlungsbehörden sonst nichts zu tun haben, so vertreiben sie sich wenigstens die Zeit mit der Aufdeckung solcher gemeingefährlichen Missetaten wie das Bemalen von kaputten Straßen. Während offensichtliche Korruptionsverfahren einfach nicht eingeleitet werden und alles, was der Regierung unangenehm sein könnte, unter den Tisch fallen gelassen wird, wird eine Partei, die sich unter anderem der Verschönerung des Stadtbildes verschrieben hat, hart angegangen. Parteivorsitzender Kovács nimmt´s jedoch gelassen: „Die öffentliche Sicherheit in Pécs müsste wirklich verbessert werden. Wir haben schon fast eine Stunde gemalt, ehe die Polizei anrückte.”

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