Erst vor wenigen Wochen wurde die HURBA, die Hungarian Robot Builders Association als Verein eingetragen. Doch eigentlich gibt es die Gruppe aus Bastlern schon seit mehr als zwei Jahren.

Wie alles begann

Áron Tanós ist Gründungsmitglied, tragende Säule des Vereins und Initiator des ersten Meetups. „Als ich 2014 meinen ersten Roboter baute, hatte ich dazu nur sehr begrenzte Möglichkeiten.“ Trotzdem oder gerade deswegen rief Áron das erste Roboterbauer-Meetup ins Leben. Auf dem Treffen wurde eins schnell klar: Roboter bauen, ist wahnsinnig spannend, aber macht gemeinsam noch mehr Spaß. Von da ab waren die Treffen regelmäßig und auch außerhalb der Treffen begannen die Bastler, an gemeinsamen Projekten zu arbeiten. „Zuerst haben wir nur an kleinen Projekten gearbeitet, jeder für sich.“

Man baute, schraubte und bastelte, soweit es eben ging und natürlich soweit es die eigenen Ressourcen erlaubten. Doch binnen kurzer Zeit formierte sich innerhalb der losen Gruppe ein fester Kern aus rund 20 Bastlern, die sich schnell darin einig wurden, lieber an weniger Projekten, dafür aber gemeinsam zu arbeiten. Daraus wurde schließlich der Verein. „Doch unter unseren Roboterbauern haben wir Leute, die seit zehn, fünfzehn Jahren Roboter entwickeln.“ Und obwohl das im ersten Moment nach relativ langer Zeit klingt, steckt die Robotik in Ungarn noch in den Kinderschuhen.

Spieltrieb ist elementar

Doch wofür baut man Roboter in Heimarbeit? „Generell gibt es derzeit etwa zwei Arten von Robotern: Einmal die in der Produktion eingesetzten Roboter und einmal die kleinen Staubsauger, die in Eigenregie das Haus putzen“, erklärt Áron. Wirklich viel dazwischen gibt es derzeit nicht. Deswegen sind Wettkämpfe so wichtig, denn hier können Inspirationen und Ideen gesammelt und auch der Bevölkerung das Thema Robotik vorgestellt werden: „Am ehesten bauen wir für Wettkämpfe, allen voran den Wettkampf „Ungarn auf dem Mars“, der jährlich von der Universität in Miskolc organisiert wird.“

#

Áron Tanós: „Bei der Entwicklung neuer Roboter gibt es keine feste Herangehensweise, oft wacht man morgens einfach mit einer neuen Idee auf.“

Dabei geht es, wie beim Roboterbauen generell, vor allem spielerisch zu. „Beim Wettkampf gibt es immer spaßige Aufgaben. Beispielsweise gab es einmal die Aufgabe, dass der Roboter von Punkt A nach Punkt B gelangen musste. Dazu gab es einen festen Satz an Zubehör, unter dem sich jedoch kein Rad befand.“ Hier war die Kreativität der Bastler gefragt. „Wir haben schließlich einen schwimmenden Roboter gebaut, der mit seiner Arm- und Beinbewegung von A nach B geschwommen ist, naja, oder vielmehr gekrochen“, lacht Áron.

Der Wettkampf selbst dauert 24 Stunden, es gibt Aufgaben, auf die man sich vorbereiten kann und solche, die vor Ort gelöst werden müssen. Bezüglich des Themas des kommenden Wettkampfes sind schon Gerüchte im Umlauf: „Angeblich soll ein Roboter gebaut werden, der keine Räder und auch sonst keine Extremitäten hat, sich aber trotzdem fortbewegen kann. Klar, das zielt auf den BB8 ab, den kleinen Droiden aus Star Wars.“ Unmöglich ist das keineswegs, die Bastler von HURBA haben tatsächlich schon eine eigene Version des kleinen Kullerdroidens gebaut. Áron gesteht lachend: „Das konnten wir uns einfach nicht entgehen lassen.“

Ideen kommen im Schlaf

Die Ideen für Roboter kommen dabei aber nicht nur aus Filmen. „Es gibt keine feste Herangehensweise. Meist wacht man morgens auf und hat die Idee einfach im Kopf.“ Oder aber es gilt, eine Aufgabe zu lösen: „Unser Xylofonroboter beispielsweise entstand nach einem unserer Meetups. Morgens um 1 Uhr etwa erzählte ich den anderen, dass ich eigentlich an einem Musik-Roboter-Wettbewerb teilnehmen wollte, aber einfach keine Zeit hatte, ihn fertigzustellen. Sie schauten mich an und sagten: „Was? Es ist 1 Uhr morgens, der Wettbewerb beginnt um 9 Uhr, wir haben jede Menge Zeit.“

#

„Beim Roboterbauen geht es spielerisch zu“, da wird auch schon mal aus einzelnen musizierenden Robotern eine ganze Band zusammengestellt.

Und so begannen wir zu bauen, morgens um 4 Uhr musizierte unser kleiner Roboter schon munter vor sich hin.“ Planen, bauen, programmieren, zuschneiden – alles mitten in der Nacht. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, denn der kleine Musiker gewann seinen Erbauern ein Kilo Schokolade. „Aufs nächste Meetup brachten wir dann einen Schlagzeugroboter mit und jetzt wollen wir eine Band bauen.“ Der nächste Schritt wäre ein Roboter, der Geige spielt, aber „da gibt es noch gewisse Vorbehalte innerhalb der Gruppe“. Ein Klavier spielender Roboter ist aber durchaus denkbar, der wäre dann auch universell an vielen Tasteninstrumenten einsetzbar.

„Generell gilt, ein Roboter ist nie wirklich fertig, nur eben gerade in einem bestimmten Zustand“, erklärt Áron. Dabei lohnt es sich aber nicht, einen Roboter mit Fähigkeiten zu überfrachten: „Klar könnte ich meiner Kaffeemaschine beibringen, auch als Wecker zu fungieren, aber das ergibt einfach keinen Sinn. Und so ist es auch mit Robotern.“ Weiterentwicklungen und Veränderungen gehören aber fest zum Roboterbauen, denn ist die Grundlage erst einmal da, kann beispielsweise durch die Software schon viel verändert werden oder durch das Hinzufügen eines neuen Bauteils eine vollkommen neue Funktion entstehen.

Bastler herzlich willkommen

Gebaut und gebastelt wird derzeit im XI. Bezirk in der vereinseigenen Werkstatt. Hier gibt es angefangen von zahllosen Schaltkreisen über alle möglichen Räder, Gehäuse, Werkzeuge auch einen 3D-Drucker, der fürs Roboterbauen tatsächlich unerlässlich ist. „Es gibt fertige Roboter-Kits, bei denen man alles mitgeliefert bekommt, also quasi ein Bastelsatz für einen Roboter. Wenn wir aber eigene Ideen verwirklichen wollen, ist es manchmal einfach besser, selbst drucken zu können.“

#

Ob nun rollend, kriechend oder, wie im Falle dieser Drohne, fliegend – den Fortbewegungsarten der Roboter setzt nur der Einfallsreichtum Grenzen.

„Generell sind Roboterbauer in Ungarn aber unheimlich kreativ“, findet Áron. „Es ist wirklich erstaunlich, was ungarische Bastler verwirklichen können. Wir haben wirklich großes Glück, dass wir uns an der Grenze zwischen West und Ost befinden.“ Auf der einen Seite sind da nicht zu unterschätzende Sprachkenntnisse: „Ohne Englisch geht nichts in Sachen Robotik. Alles, was man fürs Bauen braucht, ist online im Internet zu finden, Bauanleitungen, Ersatzteile, einfach alles.“

Auf der anderen Seite sind die Ungarn aber doch so sehr „Ostvolk“, dass ihnen die Kreativität noch nicht verloren gegangen ist. Während man in Amerika beispielsweise für einen kleinen Motor schlicht nur online geht, bestellt und binnen weniger Tage das gewünschte Bauteil in den Händen hält, ist dies hier etwas anders: „Die Bauteile sind erstens nicht billig, zweitens sind die Lieferkosten horrend und drittens dauert es einfach wahnsinnig lange. Also schauen wir uns lieber nach Alternativen um.“

Ein Bastlerkollege Árons beispielsweise baute den Motor eines elektronischen Rückspiegels aus, statt ein teures Bauteil aus Übersee zu bestellen. Wie erfolgreich die ungarische Kreativität ist, zeigte sich auch bei der RoboCup-Weltmeisterschaft in der Kategorie Rettungsroboter. Über Monate hinweg plante das Team, erstellte einen Kostenentwurf und suchte nach den besten Möglichkeiten. „Dabei hat jeder im Team sein Spezialgebiet, auf dem er sich besonders gut auskennt.“

#

„Roboter bauen, ist wahnsinnig spannend“, das findet zumindest Áron Tanós, Gründungsmitglied der Hungarian Ro bot Builders Association.

Das Ergebnis spricht für sich: Beim RoboCup belegte der Rettungs-Bot der Ungarn Platz 9 und erhielt sogar den Preis fürs beste Design. Dabei konnte sich das ungarische Team gegen Werk-Teams von Audi und von anderen Global Playern durchsetzen. „Da waren Roboter, deren Motor allein 30.000 Euro gekostet hat.“ Demgegenüber hat der ungarische Roboter insgesamt nicht so viel gekostet, „und deswegen haben unsere Jungs auch den ersten Platz erhalten, weil hier einfach die Kreativität belohnt wurde.“

Erste Schritte schon früh erlernbar

Ein Beispiel dafür, was in Eigenregie gefertigt werden kann, ist der Malroboter, ebenfalls ein Kit, mit dem die HURBA-Mitglieder Workshops für Kinder halten wollen: „Ein Roboter setzt sich aus zwei Teilen zusammen: Hardware und Software. Wir haben ein Hardware-Kit entwickelt, das Kinder um die zwölf Jahre leicht selbst zusammenbauen können. Außerdem gibt es ein Programmierumfeld, in dem Kinder nicht mittels Code-Fragmenten eine Software programmieren, sondern die Elemente in farbige Blöcke unterteilt werden. Die Kinder müssen dann nur die Farbblöcke nebeneinander ziehen und schauen, ob die Software so funktioniert.“

So können schon die Kleinen erste Schritte in Sachen Robotik machen. Die Erfahrung zeigt, dass die Nachwuchsbastler lieber lernen, die Codes selbst zu tippen, als die Blöcke hin und her zu schieben, „und schon sind die ersten Schritte in Sachen Programmierung getan“. Das Kinder-Kit besteht aus einem Roboter, der einen Stift halten und damit zeichnen kann. „Wir wollen jetzt so weit kommen, dass wir ihm beibringen können, auch Buchstaben zu schreiben. Derzeit kann er nur malen, aber theoretisch kann er den Stift auch anheben.“

Nie zu spät zum Anfangen - und nie zu früh

Neben den bereits erwähnten, unerlässlichen Englischkenntnissen ist es aber vor allem ein gutes logisches Denkvermögen, das dem Neu-Robotiker zugutekommt. „Naturwissenschaften wie Physik sind nicht wirklich wichtig. Viel wichtiger sind ein gutes Denkvermögen und vor allem Interesse.“ Ab dann gibt es vier Wege zum fertigen Roboter: Der Erste sind die bereits beschriebenen fertigen Kits. Hier ist nicht allzu viel Kreativität gefragt, sondern der Spaß am Zusammenbauen und Benutzen steht im Vordergrund. Dann gibt es die Möglichkeit, aus verschiedenen Kits neue Roboter zu kombinieren.

#

Die Werkstatt der Roboterbauer ist ein Hub für kreatives Werkeln.

Oder man nimmt kurzerhand ein bestehendes Gerät auseinander und verwendet die Teile komplett neu oder ersetzt gewisse Bauteile. Oder man plant schließlich einen Roboter komplett selbst, einschließlich von 3D-gedruckten Teilen. „Die Software muss in jedem Fall selbst geschrieben werden.“ Das klingt im ersten Moment komplizierter als es ist: „Roboter-Software folgt, wie alles andere auch, einer bestimmten Logik. Wer diese Logik einmal durchschaut hat, dem stehen alle Türen offen. Mit meiner 5-jährigen Tochter lernen wir daheim schon die ersten Elemente des Programmierens, natürlich auf ganz spielerische Weise, aber dank Comenius Log und ähnlichen Programmen ist das ganz leicht.“

Wer Lust bekommen hat, sollte bei einem der kommenden Treffen vorbeischauen, Besucher und Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen.

www.hungarianrobot.hu

www.facebook.com/hungarian.robot.builders

Obwohl sie aus der Science Fiction kommen und im reellen Leben keine Rolle spielen, sind die drei Robotergesetze des Bestsellerautors Isaac Asimov doch allen Roboterbauern bekannt und werden, sofern die Bastler einmal einen solchen Roboter bauen werden, sicherlich auch Anwendung finden:

1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder es durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.

2. Ein Roboter muss den, ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.

3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Kunst-Ausstellung „The Art Of Banksy“

Das unbekannte Genie

Geschrieben von A.K.

Nach Städten wie Istanbul, Amsterdam und Paris, wird jetzt auch in Budapest die Kunst des…

Interview mit dem syrischen Regisseur Talal Derki

„Beide Seiten haben Kriegsverbrechen begangen”

Geschrieben von Sonja Lázár

Im Rahmen des 6. Budapest International Dokumentary Festival (BIDF) gab der Oskar-nominierte…

Die rechte Seite / Kommentar zur Entwicklung in Thüringen

Auf Deutsch geführte Demokratie

Geschrieben von Gellért Rajcsányi

Mit einem „Jawohl!“ fügte sich die FDP der Weisung der Kanzlerin und regte die Selbstauflösung des…