Matteo Renzi hatte am Dienstag erklärt, sollte Mitteleuropa die Migranten weiterhin ablehnen, werde Italien sein Veto gegen den EU-Haushalt einlegen. Lázár stellte dazu klar, nach dem Standpunkt der ungarischen Regierung übernehme Ungarn bei der Bewältigung der Migrationskrise große Lasten in Form des Grenzschutzes. Es sei heute nicht machbar, den Umgang mit den Einwanderern mit dem Schicksal der Kohäsionsfonds zu verknüpfen. Ungarn verschließe sich jedoch nicht einer Überprüfung des EU-Grundlagenvertrages. Die Kritik der griechischen Regierung könne Ungarn weniger ernst nehmen, nachdem sich Griechenland allmählich seit drei Jahren nicht an das Schengen-Abkommen halte.

Lázár wiederholte, die Regierung lasse sich von der Jobbik in der Frage der Ansiedlungsanleihen nicht erpressen. Da sich jedoch die Schuldenfinanzierung verbessert habe, bestehe für diese Anleihekonstruktion zukünftig keine Notwendigkeit mehr. Die Regierung werde die Abschaffung dieser Konstruktion aber gewiss nicht mit der Grundgesetzänderung zu den EU-Zwangsquoten verknüpfen, wie es die Jobbik wünsche.

Was das Veto des Staatspräsidenten hinsichtlich einer Novelle zum Stromgesetz betrifft, könne die Regierung dessen Standpunkt nicht teilen. János Áder hatte das Gesetz an das Parlament zurückgesandt, weil die vorgesehenen Änderungen die Errichtung weiterer Windkraftwerke in Ungarn unmöglich machten. Dazu erklärte der Kanzleramtsminister nun, Ungarn werde seine Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen auch ohne Windkraftwerke erfüllen können. Der Standpunkt der Regierung sei nicht abweisend, sondern vorsichtig – man verfolge sehr aufmerksam, wie Deutschland die Regulierung in Sachen Windkraftanlagen korrigiere.

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