Alles nur eine Frage des Blickwinkels, diese alte Weisheit gilt in Ungarn ebenso wie andernorts. Im Land der Magyaren sind es nun zwei Dinge, die den gewieften Ermittler Columbo in seiner ihm ureigenen Art stutzen lässt. So richtig ergibt es nämlich keinen Sinn, wie unterschiedlich Erfolg ausgelegt wird. Ein Referendum, das dick an der Gültigkeit vorbei schlittert, wird trotzdem als „überzeugender Erfolg“ gefeiert, eine Zeitung, die wirtschaftlich verlustig ist, wird hingegen eingestellt. Nun ist es natürlich auch eine Frage, wer die Zeche zahlt. Ein Verlag hat das Recht, über seine eigenen Mittel, die er selbst erwirtschaftet hat, zu entscheiden (die Art und Weise der Umsetzung sei hier nicht kommentiert). Aber ob die Regierung so freizügig mit Steuermitteln – wie im Falle der teuersten Kampagne aller Zeiten – umgehen darf, das weiß auch Columbo nicht zu beantworten.

Der Unterschied zwischen Journalisten und Politikern? Die einen wollen zur Arbeit und die anderen nicht.

Natürlich müssen auch die Nachbarn der Kultserie „Szomszédok“ zu Wort kommen. Eine neue Studie zeigt nämlich, dass viele ungarische Politiker es mit der Anwesenheit im Parlament nicht so genau nehmen. Die Krone setzt jedoch allem Ex-Premier Ferenc Gyurcsány auf, der mit seiner – inklusive ihm – vier Mann starken DK-Fraktion mitteilte, nach der politisch motivierten Schließung der Népszabadság nicht mehr an der Arbeit des Parlaments teilnehmen zu wollen. Ja richtig, eben jener Ex-Premier, der damit jenes Stilmittel aufgreift, das Viktor Orbán und der Fidesz damals nach der berühmten Őszöd-Rede ebenfalls unter viel Getöse erstmals auf die politische Bühne brachte. Was damals undemokratisch war, ist heute also probates Mittel. Aber auch hier gilt eben: Alles nur eine Frage des Blickwinkels.

So wie früher, die einen Zeitungen werden verboten, die anderen unterstützt. – Und wir tolerieren das.

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