In dieser heißt es: "Um die wirtschaftlich desolate Lage des Blattes zu verbessern (in den vergangenen zehn Jahren istdie Zahl der Auflage um mehr als 100.000 Exemplare gesunken) und damit alle, die damit beschäftigt sind, sich dieser Aufgabe in vollem Maße widmen können, wird mit “dem heutigen Tage sowohl die online als auch Druckversion der Népszabadság eingestellt bis zur Fertigstellung und Umsetzung der neuen Konzeption."

Von Seiten der Mitarbeiter stellt sich das Ganze jedoch etwas anders da. Ohne Namen zitieren mehrere Online-Nachrichtenportale Mitarbeiter der Népszabdság. Diese hätten erst am Samstagmorgen per Kurier ein Schreiben erhalten, indem sie von der Arbeit freigestellt werden. Besonders pikant: Auch Chefredakteur András Murányi erfuhr erst am Samstag von den Plänen des Verlags. Wie er auf einer improvisierten Pressekonferenz vor dem ehemaligen Bürogebäude der Redaktion sagte, hätte ihn ein Verwandter angerufen und ihn auf die jüngsten Geschehnisse aufmerksam gemacht. Weiter teilte Murányi mit, man befinde sich mittlerweile in Gesprächen mit dem Besitzer Mediaworks und werde alles dafür tun, dass die Népszabadság auch weiterhin auf allen Plattformen erreichbar ist. Frühestens für den späten Nachmittag stellte er Ergebnisse in Aussicht.

Von Regierungsseite äußerte sich als erster der für die Nebenkostensenkung verantwortliche Staatssekretär und Vize-Vorsitzende des Fidesz, Szilárd Németh: “Ich denke, es war längst Zeit, dass die Népszabadság plötzlich dicht macht, das ist zumindest meine Meinung.”

Am Nachmittag veröffentlichte auch die Parteizentrale des Fidesz eine Erklärung. Man betrachte das Aussetzen der Zeitung als einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Schritt und nicht als politisch motiviert. Weiter heißt es dort: “Es wäre tatsächlich ein Eingriff in die Pressefreiheit, wenn wir in die Entscheidungen eines Medienunternehmens reinreden wollen würden.”

Derweil ist es schwer, sich des Eindrucks der politischen Motivation der Schließung zu erwehren. War es doch die Népszabadság, die im vergangenen Monat zwei der pikantesten Enthüllungen innerhalb der ungarischen Medienlandschaft machte: Zum einen, dass MNB-Chef György Matolcsy seine Geliebte erst innerhalb der Nationalbank und später innerhalb der hauseigenen Stiftungen in hoch dotierte Positionen bugsierte. Zum anderen Kabinettsminister Antal Rogán und sein Helikopterflug. Am Samstag vergangener Woche war Rogán mitsamt Familie zur Hochzeit einer Schauspieler mit einem Helikopter an- und abgereist. Die Népszabadság brachte den Minister in Bedrängnis, nachdem dieser erst alles abstritt und mit Klage drohte, die Zeitung jedoch Beweisfotos vorlegte, auf denen die Familie Rogán deutlich zu erkennen war.

Seit 18 Uhr findet vor dem Parlament eine improvisierte Solidaritätsversammlung statt, an der auch zahlreiche Redakteurinnen und Redakteure der Népszabadság teilnehmen.
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