Gewonnen haben in diesem Jahr Kristóf Kálmán und Patrik Putz. Ihr Plakat, auf dem ein Laternenpfahl und ein durchtrenntes Fahrradschloss zu sehen ist, ist überschrieben mit dem Satz: „Hat seinen Charakter als „mein“ verloren“. Wem der Satz irgendwie bekannt vorkommt, der irrt nicht. Angespielt wird hier auf das mittlerweile geflügelte Wort des Fraktionsvorsitzenden des Fidesz, Lajos Kósa, der die Gelder der Ungarischen Nationalbank, einmal an deren Stiftungen überwiesen, als „nicht länger öffentliche Gelder“ bezeichnete. Mit der Überweisung hätten sie „ihren Charakter als öffentliche Gelder verloren“.

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Das diesjährige Gewinnerplakat spielt auf die Geschehnisse rund um die Stiftungen der Nationalbank an. (BZT-Fotos: Nóra Halász)

Ein wenig überlegen muss man, schaut man sich die fünf jungen Menschen an, die alle eine verblüffende Ähnlichkeit mit György Matolcsy aufweisen. Das Plakat will darauf aufmerksam machen, dass der Nationalbankpräsident mit seiner „unorthodoxen Finanzpolitik“ die Zukunft der Jugend gestohlen hat.

Natürlich darf bei einer Ausstellung direkt am Stadtwäldchen auch das Liget-Projekt nicht fehlen. Graue Wand mit grünem Anstrich und dazu die Aussage „Wir haben mehr Grünfläche versprochen, wir halten, was wir versprechen“. Das Plakat ist eine klare Ansage an die Entscheidungsträger des Umbaus des Stadtwäldchens mit ihren Tricksereien in Sachen Grünfläche.

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Die Plakate sind, wie so oft bei der ARC-Ausstellung, manchmal nicht auf den ersten Blick verständlich. Aber genau darin liegt auch ihre Stärke. Und bei den spätsommerlichen Temperaturen ist ein Spaziergang auf dem 56osok tere auf jeden Fall eine gute Gelegenheit, sich innenpolitisch auf den neusten Stand zu bringen beziehungsweise seine – auch mittels der Budapester Zeitung erworbenen – Kenntnisse in Sachen ungarischer Innenpolitik zu testen.

Die ARC-Ausstellung ist noch bis zum 25. September auf dem 56osok tere zu sehen, der Eintritt ist wie immer kostenlos.

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