Im Opernhaus an der Andrassy út wird der große Saisonauftakt mit einer Vorstellung von Ferenc Angers viel gerühmter Inszenierung der Verdi-Oper „La traviata“ gefeiert. Seine Vorpremiere hatte die Produktion bereits im Juni auf der Freilichtbühne der Margareteninsel. In der Hauptrolle der Violetta Valéry, einer an Tuberkulose sterbenden Kurtisane, wechseln sich die Sopranistinnen Erika Miklósa und Polina Pasztircsák ab. Die Inszenierung des sonst eher als düster und brütend geltenden Angers schafft es, ein Bild einer dekadenten Gesellschaft zu zeichnen, vor der sich die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Violetta und Alfredo erst entfalten kann. Die Produktion wird noch an sechs weiteren Terminen im September und Oktober zu sehen sein.

Auch das Erkel-Theater startet mit einem besonderen Leckerbissen: Liebhaber zeitgenössischer Tanzvorführungen und rauchiger Bluesmusik dürfen sich am Eröffnungsabend auf „Rain Dogs“ freuen. Das Stück des in Stockholm geborenen Choreografen Johan Inger nimmt sich, umrahmt von den Klängen bekannter Tom-Waits-Hits, der Nachtgestalten des Lebens an.

Viele Ungarn- und Weltpremieren

Unter den 28 Premieren, die sich im Veranstaltungskalender der nächsten Monate wiederfinden, sind viele Stücke, die erstmalig in das Programm der Ungarischen Staatsoper aufgenommen wurden: so beispielsweise Poulencs tragische Oper „Dialogues des Carmélites“ oder das Ballett „Le Corsaire“, welches zur Musik Adolphe Adams choreografiert wird. Darüber hinaus verspricht der Spielplan für die Saison 2016/2017 sechs Ungarn- und ebenso viele Weltpremieren. Das ungarische Publikum darf sich etwa erstmals auf die Aufführung von Péter Eotvös' Oper „Love and other Demons“ freuen. Das auf dem gleichnamigen Roman von Gabriel García Márquez basierende musikalische Bühnenwerk des ungarischen Komponisten wurde bereits 2008 im englischen Glyndebourne uraufgeführt, doch bis heute noch auf keiner ungarischen Bühne inszeniert.

Zu den sechs Weltpremieren, mit denen die Ungarische Staatsoper ihr Publikum in dieser Spielzeit verwöhnt, zählen der Einakter „Love“ von Judit Varga, die Tanzproduktion „Endstation Sehnsucht“ zur Musik von László Dés sowie das Musical „Der Meister und Margarita“ von Levente Gyöngyösi.

Doch auch alte Bekannte begegnen uns im Programm der nächsten Monate: Beliebte Werke, wie Zoltán Kodálys Singspiel „Die Spinnstube“, oder auch die Opern „Lucia di Lammermoor“ und „Bánk bán“ (eine Oper in drei Akten von Ferenc Erkel, dem Namenspatron des Erkel-Theaters) werden erneut, doch in einer modernisierten Fassung, auf die Bühne gebracht. Auch Opernregisseur Géza M. Tóth setzt 2017 mit der Inszenierung von „Siegfried“ seine Arbeit an Richard Wagners Opernzyklus' „Der Ring des Nibelungen“ fort.

23,2 Milliarden Forint für Renovierung

Auch das erwartet uns in der neuen Spielzeit: Wie im ungarischen Amtsblatt Magyar Közlöny Ende August bekannt gegeben wurde, soll das Opernhaus in den kommenden zwei Jahren umfassend modernisiert werden. Dabei ist nicht nur die Rede von einer Restaurierung der Straßenfassade und des Innendekors des Operngebäudes, sondern auch von einer Modernisieurung der veralteten Bühnentechnik sowie des Zuschauerraumes. Für alle Arbeiten, die weiterhin auch eine Erneuerung des elektrischen Versorgungsnetzes des Opernhauses und die Installation von Niederspannungsanlagen umfassen, sollen laut Regierungsbeschluss 23,2 Milliarden Forint zur Verfügung gestellt werden. Ob und wie die Renovierungen den regulären Spielbetrieb beeinträchtigen werden, ist noch nicht bekannt, doch bis Mai 2018 sollen alle Arbeiten abgeschlossen sein.

Weitere Informationen finden Sie unter www.opera.hu

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