Weil die Markenvielfalt im Angebot reale Vergleiche unmöglich macht, konzentrierten wir uns lieber gleich auf das jeweils niedrigste Angebot – ein Qualitätssiegel müssen sich die Händler auf andere Weise verdienen. Zusammengestellt hatten wir einen Warenkorb mit knapp 30 Grundnahrungsmitteln. Dabei wollten wir nicht nur das Nötigste für die Familie mitnehmen, also Milch, Eier und Kartoffeln. Der Sonderauftrag lautete, alle erforderlichen Zutaten für eine sommerlich leichte und auch für den Geldbeutel gut verdauliche Mahlzeit – Spaghetti Bolognese – einzukaufen.

Mal Konsistenz, mal größte Streuung

Die Spaghetti kauften wir am günstigsten bei Lidl ein, den typisch ungarischen Trappistenkäse (der übrigens aus Frankreich über Deutschland in die hiesigen Küchen vordrang, wo er die beliebteste Sorte für überbackenen Käse ist) bereits bei Aldi. Konnten bei den Nudeln auch die übrigen Discounter, also Aldi und Penny, mithalten, sahen wir den Käse bei der kleinen ungarischen Kette G-Roby sowie in den Hypermärkten von Tesco günstiger im Angebot. Die Nudeln sind bei den deutschen Discountketten für 200-300 Forint je Kilogramm zu haben, der „trappista sajt“ kostet bezogen aufs Kilogramm weit verbreitet längst über 2.000 Forint, weshalb Sonderangebote um 1.500 Forint den Gesamtpreis für Mittagessen spürbar drücken können.

Beim frischen Gemüse erwies sich die einheimische Kette Coop als Gewinner, die sowohl bei Tomaten als auch hinsichtlich Mohrrüben und Zwiebeln die tiefsten Preise präsentierte. Allerdings gelten bei frischem Obst und Gemüse naturgemäß Saisonpreise – laut frischem Katalog am Monatsende hätte wiederum Penny das Rennen gemacht. Und bei Lidl gibt es den Trappistenkäse im Moment sogar geschnitten unter 1.500 Forint.

Ein weiterer größerer Kostenpunkt ist das Hackfleisch, doch brauchen sich die Hausfrauen hier keine Sorgen zu machen: Der Markt zeigte ausgerechnet bei diesem Produkt die größte Preiskonsistenz. Alle Anbieter drückten den Kilopreis zum Zeitpunkt unserer Erhebung gerade so unter 1.000 Forint. Allerdings gilt hier ähnlich wie bei den passierten Tomaten in der Dose, dass der Preis nicht alles ist – die Qualität sollte schon überzeugen. Beim Bacon-Speck streuen die Preise bereits wieder markant; weniger als 1.500 Forint pro Kilogramm gelten als Schnäppchen, für 2.000 Forint darf man durchaus gute Qualität erwarten.#

Menge oder Qualität

Eine kleine Überraschung erlebten wir beim Olivenöl, das aktuell bei G-Roby zum günstigsten Preis angeboten wurde. Der Literpreis bewegt sich überall um 1.500 Forint und schlägt teilweise bereits bei 2.000 Forint an. Diese scheinbar enorme Preisdifferenz verteilt sich aber über viele Gerichte, die sich mit einem Liter Öl zubereiten lassen. Somit ist auch hier ganz bestimmt die Qualität ausschlaggebend, und da eröffnet sich gerade beim Speiseöl ein weites Feld.

Gewürze kosten eindeutig bei den Diskontketten und bei Tesco am wenigsten, doch schlagen auch diese beim Endpreis für unser Mittagessen wenig ins Gewicht. Wer jedoch auf den Kilopreis schaut und größere Mengen ordert, sollte Salz, Pfeffer und Oregano am besten bei Penny und Aldi einkaufen. Viel teurer kann uns Parmesan zu stehen kommen, wenn wir das fertige Spaghetti-Gericht unbedingt mit dem teuren Reibekäse aus italienischen Landen bestreuen wollen. Penny sorgte bei unserem Großeinkauf Anfang August für den absoluten Preisknüller, bei der ungarischen Kette CBA kostete dieser Käse zu jenem Zeitpunkt dreimal so viel, bei allen anderen Anbietern ungefähr das Doppelte.

Was man sonst noch so braucht

Unseren Warenkorb füllten wir nun weiter mit Grundnahrungsmitteln, die daheim ganz unabhängig von unserer italienischen Mahlzeit benötigt werden. Bei Mehl und Eiern braucht man die Preise nicht umständlich zu vergleichen, hier halten die Supermärkte wahrscheinlich selbst nach der Konkurrenz Ausschau und weichen vom „Einheitspreis“ bestenfalls für Aktionen ab. Milchprodukte wiederum gibt es bei Penny und Aldi am günstigsten, doch auch Lidl und Spar zeigen in den Kühlregalen attraktive Preise. Beim Mineralwasser trumpft neben den Discounterketten noch Tesco mit auf. Wie schon bei den oben erwähnten Spaghetti empfiehlt sich Lidl ebenso beim Kauf von Reis und Kartoffeln, doch Penny, Aldi, Coop und Tesco halten gut mit. Wohl in keinem ungarischen Haushalt fehlt das Dreigespann aus Ketchup, Senf und Mayonnaise, die man in den großen Tuben am besten bei den Discounterketten mitnimmt.

Für die Süßmäuler kauften wir außerdem Honig ein, der mittlerweile nur noch bei Aldi, Lidl, Penny und Tesco unter 2.000 Forint pro Kilogramm zu haben ist – bei Coop hingegen über 3.000 Forint kostet. Nutella gab es bei Tesco und Aldi zum Aktionspreis, die überaus begehrte ungarische Quarkspeise Túró Rudi bei Penny, Spar und Lidl unter 100 Forint pro Riegel.

Penny ist klar am preisgünstigsten

Unser Großeinkauf ergab einen eindeutigen Sieger, denn gleich ob wir uns auf die Zutaten für unser Mittagsmahl beschränkt hätten oder aber noch allerlei Grundnahrungsmittel mit in den Korb packten, erwies sich die deutsche Diskontkette Penny – für uns ehrlich gesagt wenig verwunderlich – als die absolute Topadresse. Die Zutaten zu Spaghetti Bolognese kauften wir kalkuliert für vier Personen für 2.435 Forint ein. Diese Preisangabe hinkt natürlich, weil wir beispielsweise Speiseöl nicht portioniert kaufen können – sein Preis wurde ähnlich wie jener von Gewürzen gewichtet. Unter 3.000 Forint für vier anständige Portionen blieben außerdem Aldi und vielleicht etwas überraschend die kleine einheimische Kette G-Roby auf den Plätzen 2 und 3. Im Mittelfeld landete die zweitgrößte ungarische Handelskette Coop noch vor Lidl und deutlich vor CBA, die sich gerne als heimische Nr. 1 präsentiert. Italienisch essen war nach unseren Erfahrungen Anfang August bei Spar und Tesco am teuersten.

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Jens Krieger, Geschäftsführer der Penny Market Kft., im Juni bei der Eröffnung der neuesten Filiale in Győr – der 205. Markt in Ungarn.

Aussagekräftiger ist freilich der Einkauf von insgesamt 28 verschiedenen Lebensmitteln, die in keinem ungarischen Privathaushalt fehlen dürfen, wenn erst die letzte Nudel verspeist ist. Mit 18.660 Forint erwies sich Penny auch in diesem Wettbewerb als unschlagbar, hatte freilich Aldi mit 19.210 Forint knapp auf den Fersen. Zwischen den beiden Diskontketten kann also die eine oder andere Aktion bereits das Zünglein an der Waage bedeuten. Der ausgeweitete Warenkorb zeigt realistischere Ergebnisse, was man daran ersehen kann, dass auf Platz 3 die dritte Diskontkette Lidl landete, die in der Spaghetti-Wertung nur Platz 5 erreichen konnte. Hier bezahlten wir allerdings bereits 21.970 Forint und damit gut ein Sechstel mehr als bei Penny!

Coop mit 22.910 Forint Einkaufswert, G-Roby mit 23.060 Forint und Tesco mit 23.780 Forint bilden das Mittelfeld in unserem Preisvergleich, während CBA mit 26.980 Forint und Spar mit 27.070 Forint für die Hochpreiskategorie stehen. Was nicht unbedingt gegen Letztere sprechen muss, sofern sie bewusst auf Billigstprodukte verzichten und Qualität für ihre Kunden in den Vordergrund rücken. Umgekehrt lässt sich praktisch bei allen Einzelhandelsketten auch mehr Geld ausgeben, wenn wir nur an die Auswahl bei Spaghetti und Olivenöl denken. An Stelle des abgepackten Fleisches wäre gewiss auch Gehacktes frisch vom Fleischer eine bedenkenswerte Alternative, aber Fleischtheken gibt es bei Diskontern bekanntlich nicht.

Es gibt wirklich unglaublich viele Aspekte, die uns in den einen oder den anderen Laden gehen lassen, wobei die subjektiven Empfindungen die Ratio vermutlich mühelos ausstechen. In diesem Sinne ist es sicher richtig, dass jeder dort einkaufen geht, wo er/sie Routine walten lassen kann. Doch ab und an sollte man durchaus den Schritt ins Ungewisse wagen oder eine Aktion nutzen, um sich auch mal bei der Konkurrenz umzuschauen. Und wenn es nur dazu dient, den eigenen Horizont zu weiten, den Blick zu schärfen, selbst wenn man am Ende doch wieder zu seinem Lieblingshändler zurückkehrt.
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