Erhalten werden sollten Kohäsion und die gemeinsame Agrarpolitik der EU, auch die Digitalisierung sei voranzutreiben. An erster Stelle müsse die Sicherheit in der EU stehen, dazu sei eine gemeinsame europäische Armee aufzustellen, so der Vorschlag von Tschechien und Ungarn. Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo und der slowakische Premier Robert Fico nannten die gemeinsame Verteidigungspolitik ebenfalls als vorrangiges Thema für die weitere Zusammenarbeit. Auch Merkel sprach sich für gemeinsame Sicherheitsanstrengungen der EU aus. Der Austritt Großbritanniens aus der EU sei die Folge einer verfehlten EU-Politik, die EU habe vollständig ihre Adaptionsfähigkeit in fast jedem Bereich verloren, kritisierte Orbán. Sie habe weder auf die wirtschaftlichen Krisen noch auf Migration und Terrorismus angemessen reagiert, noch habe sie eine außenpolitische Antwort auf den Konflikt in der Ukraine gefunden. Auch hielten sich die EU-Staaten nicht an ihre eigenen Regeln, sagte er unter Verweis auf den Schengen-Raum und die Haushaltsdisziplin.

Es war Merkels Initiative, im Rahmen ihrer Europa-Rundreise zu diesem Vierertreffen in Warschau zu kommen; vor allem zwecks Sondierung und Abstimmung vor dem EU-Gipfel Mitte September in Bratislava. Dort will die EU vor allem beraten, wie es nach dem Brexit weitergehen soll. Die Themen innere und äußere Sicherheit, Wirtschaftspolitik und verstärkte Angebote an die Jugend in den EU-Staaten sollen in Bratislava ebenso zur Sprache kommen. Bei dem Treffen wurden erneut die Meinungsunterschiede zwischen Merkel und den Regierungen der Visegrád-Staaten deutlich; die vier Länder gehören zu den schärfsten Kritikern der Flüchtlingspolitik Merkels. Sie wehren sich vehement gegen die Pflichtquote der EU. Anstelle der Verteilung sollte die Aufstockung von Entwicklungs- und humanitärer Hilfe in Kriegsgebieten vorangetrieben werden. Eine gemeinsame EU-Asylpolitik sieht die polnische Ministerpräsidentin Szydlo nicht als erstrebenswert an.

Am heutigen Montag treffen sich die Außenminister der Visegrád-Staaten in Budapest. Auch hier werden illegale Einwanderung sowie die Ereignisse in der Türkei zu den Hauptthemen gehören.
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