35 Grad und die gleißende Sonne konnten die LGBT-Community (Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle und Transgenderpersonen) vergangenen Samstag nicht stoppen, friedlich für ihre Rechte zu demonstrieren. Bereits zum 21. Mal fand der Marsch, verbunden mit einem zehntägigen Festival im Vorfeld, durch Budapests Straßen statt. Los ging es an der Kreuzung Andrássy út und Dózsa György út nahe dem Heldenplatz. Dort versammelten sich schon am frühen Mittag Tausende Menschen. Einige davon in Regenbogenflaggen gehüllt, andere in Lack und Leder. So bunt, wie die Teilnehmer der Parade waren, so gemischt waren auch die Zuschauer.

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Egal ob Großfamilien in den zahlreichen Cafés oder Omas und Opas jenseits der 80, die manchmal skeptisch, manchmal winkend den Straßenumzug mitverfolgten. Gegen frühen Abend endete der Marsch am Parlamentsgebäude. Ein Platz, der sicher nicht unüberlegt ausgesucht wurde. Schließlich kritisiert die LGBT-Community immer wieder Ungarns Politik. In der frühen Vergangenheit gab es oft Probleme.

Störfaktor Rechtsextremismus

Doch nicht nur zwischen LGBT-Anhängern und der Politik: Rechtsextreme störten in den vergangenen Jahren die als friedlich gedachten Demonstrationen der Regenbogen-Anhänger. Als „dreckige Schwule“ – so beschimpften Rechtsextreme die Teilnehmer der Budapest Pride vor sechs Jahren. Schwule und Lesben wurden von Homo-Hassern damals mit Tomaten und Eiern beworfen und verprügelt. „Wir halten das für eine Provokation der Mehrheitsgesellschaft“, erklärte der Jobbik-Abgeordnete Ádám Mirkóczki damals – und meinte die Homosexuellen-Parade. Die Anfeindungen ließen jedoch nach, bestätigt Organisator Dániel Holländer. Doch frei von Problemen sei die LGBT-Community noch lange nicht. Mit dem diesjährigen Motto „We complete it“, also „Mit uns ist es komplett“, wollten die Organisatoren ein Zeichen setzen, mehr Anerkennung für die Veranstaltung zu bekommen (mehr dazu im Interview auf den Seiten XX und XX). „Denn Unterschiede machen eine Gesellschaft erst vollständig“, so Holländer. Und so feierte auch er mit den Tausenden bis in die späte Nacht.

Pride in Istanbul verboten

So ausgelassen wie in Budapest geht es nicht überall zu. In Istanbul beispielsweise wurde die Veranstaltung verboten. Auf der zentralen Einkaufsmeile İstiklal Caddesi setzte die Polizei Tränengas gegen friedliche Unterstützer der Schwulen- und Lesben-Bewegung ein und nahm zahlreiche türkische Aktivisten fest. Polizisten versuchten, die Berichterstattung ausländischer Medien zu verhindern. „Verschwindet von hier“, brüllten Sicherheitskräfte, und drohten den Einsatz von Wasserwerfern an. Schon die 13. Istanbuler Gay Pride im vergangenen Jahr war von Gewalt überschattet worden. Die türkische Polizei hatte mit Tränengas und Wasserwerfern die Parade unterbunden und ihr Vorgehen damit begründet, dass diese zeitlich in den Ramadan fiel.

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Diese Probleme gab es während der 21. Budapest Pride nicht. „Es war ein friedlicher, ja fröhlicher Marsch und es gab absolut keine Vorfälle“, sagt Organisator Holländer stolz. Seit einigen Jahren sperrt die Polizei das Gebiet rund um den Umzug weiträumig ab. Einen Ein- beziehungsweise Ausgang gibt es nur an bestimmten Stellen. Das solle vor allem dem Schutz dienen, da es in der Vergangenheit immer wieder zu Gewaltattacken kam. Dominika Milanovich, Organisatorin der Budapest Pride 2014, sagte einst in einem Interview: „Wir wünschen uns, dass sich Homosexuelle und Angehörige anderer Minderheiten hier immer sicher fühlen können. Dass sie jeden Tag Händchen haltend mit ihrem Partner über die Andrássy út gehen können – und nicht nur bei einer Parade.“ Und genau dafür setzen sich die Anhänger ein. Auch nächstes Jahr, wenn es wieder Zeit für die Budapest Pride ist.

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