Es ist ein ausgeklügelter Algorithmus, der es dem Steuerungssystem der Installation „Bit.Fall“ erlaubt, über Hunderte Magnetventile den Wasserfluss so zu modifizieren, dass aus dem Chaos der ungeordneten Wassermoleküle für einen kurzen Moment ein Wort hervortritt. Doch schon einen Augenaufschlag später lösen sich die Buchstaben aus hell angeleuchteten Tropfen im weiteren Fall auf. Die Flüssigkeit wird in einem Behälter gesammelt und erneut dem Wasserkreislauf der Installation zugeführt.

Ausgewählt werden die Wörter durch eine Software, die nach statistischen Kriterien verschiedene ungarische Nachrichtendienste im Internet durchsucht und aus dem unablässigen Informationsstrom die Begriffe herausfiltert, die in dem Moment besonders häufig genutzt werden. Das Wasser ist so Vermittler zwischen der digitalen Welt der Bits und Bytes und der analogen Wirklichkeit des Betrachters.

Erst am Freitag wurde das Werk von Julius Popp vor dem Ludwig Museum installiert, doch davor war es bereits im Rahmen der Olympischen Spiele in London sowie im MoMA in New York zu sehen. Das Werk ist der logische nächste Schritt eines Projekts, das Popp in kleinerem Umfang bereits seit 2001 verfolgt.

Kunst und Technologie

Der Medienkünstler Julius Popp wurde 1973 in Nürnberg geboren, lebt und arbeitet heute in Leipzig. Zwischen 1998 und 2005 hat er ein Studium der Bildenden Künste an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig absolviert und verbrachte weitere vier Jahre als Meisterschüler von Astrid Klein.

Schon in der Vergangenheit setzte sich Popp mit der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft beziehungsweise Technologie auseinander. Dafür ging er unter anderem Partnerschaften mit der Universität Leipzig, dem Fraunhofer-Institut für Intelligente Analyse- und Informationssysteme als auch dem renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) der US-amerikanischen Cambridge-Universität ein.

Popp beschreibt sein Schaffen selbst so: „Der Schwerpunkt meiner, zwischen Wissenschaft und Kunst angesiedelten Arbeit liegt in der Untersuchung von Wechselwirkungen komplexer Systeme. Dies geschieht mit Hilfe von autonomen Maschinen, die von mir nach logischen Regeln konstruiert wurden.“

Popp wurde bereits vielfältig ausgezeichnet, unter anderem mit dem Roboter Choice Award der internationalen Kunstausstellung ArtBots 2003, dem Kulturpreis der Ars Electronica 2008 sowie dem Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung 2009. Neben zahlreichen Gruppenausstellungen realisierte Popp auch prestigeträchtige Soloausstellungen, etwa in der Kunsthalle Nürnberg, dem Oboro-Kunstzentrum in Montréal, Kanada, der Kunsthalle Wien, der Galerie für zeitgenössische Kunst in Leipzig oder dem Konstmuseum Eskilstuna in Schweden.

Die offizielle Webseite von Julius Popp finde Sie unter www.sphericalrobots.org


Ludwig Museum Budapest

Budapest, IX. Bezirk, Komor Marcell utca 1

Weitere Informationen unter www.ludwigmuseum.hu

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