Im kleinsten Stadion der EM-Endrunde mussten rund 10.000 ungarische Fans miterleben, wie ihre Mannschaft schon nach 10 Minuten in Rückstand geriet: Nach einem Freistoß hatte die Abwehr einen Kurzschluss, gleich zwei Belgier blieben ungedeckt, keine Chance für Király. In den ersten 45 Minuten war es der betagte Keeper – über den Belgiens Nationaltrainer Wilmots, der gegen ihn einst in der Bundesliga spielte, den frechen Spruch von der Leber klopfte: „Was, der lebt noch, der alte Hund?!“ –, der die etwas verschüchtert agierenden Ungarn überhaupt im Spiel hielt. Im 5-Minuten- Takt musste Király parieren, die Belgier schossen während der 90 Minuten letztlich zwei Dutzend Mal aufs ungarische Tor! Vor allem Hazard spazierte durch die Abwehr, dass selbst Ronaldo vor Neid erblasst wäre. Im Mittelfeld verloren die Ungarn reihenweise Bälle, die Abwehrreihe konnte mit den antrittsstarken Belgieren nur selten mithalten.

Umso erstaunlicher, dass zu Beginn der 2. Halbzeit Hoffnung aufkeimen konnte. Insbesondere, als Pintér zur „ungarischen Spezialität“ eines abgefälschten Schusses griff, den Courtois aber noch unter der Latte herausfischen konnte. Als dann auch Juhász nur knapp das Tor verfehlte, schien sich ein offener Schlagabtausch wie zuvor gegen die Portugiesen zu entwickeln. In der 77. Minute parierte Király einen weiteren belgischen Konter, eine Minute später aber war er zum zweiten Mal geschlagen, und nur eine Minute verging, als Hazard – der sich dem Reporter zufolge an diesem Tag in einer anderen Dimension als alle anderen Spieler bewegte – zum 3:0 einschoss. Das Spiel war an dieser Stelle selbstverständlich entschieden, doch mühten sich die Jungs um Kapitän Dzsudzsák redlich um den Ehrentreffer. Zwei, drei Großchancen ergaben sich noch in den letzten Minuten, bevor die Mannschaft ein letztes Mal von den blitzschnellen Belgiern ausgekontert wurde und mit 0:4 die schwerste Niederlage dieser EM einsteckte.

Ein blamables Aus war das aber keineswegs, Belgien war für diese Mannschaft einfach noch eine Nummer zu groß. So wie die Ungarn sind im Achtelfinale auch andere „kleine“ Teams wie etwa die Slowakei (mit 0:3 gegen Deutschland) nach Hause geschickt worden. Beinahe zwei Wochen lang hat die Mannschaft von Bernd Storck hierzulande für beste Stimmung gesorgt, die Ungarn haben auch bei König Fußball wieder gelernt, an sich selbst zu glauben. Dafür hat sich der Ausflug nach Frankreich ganz sicher gelohnt.

„Die Regierung muss den Sport als nationale Angelegenheit betrachten und dürfe nicht zulassen, dass daraus Parteipolitik gemacht wird“, sagte Ministerpräsident Viktor Orbán am Freitag im staatlichen Kossuth-Radio. Er zollte der Fußballnationalmannschaft seine Anerkennung für die in Frankreich gezeigte Leistung und erinnerte daran, dass hinter diesem Erfolg die Arbeit von Zehntausenden steckt, die diese Spieler, „unsere Helden“ zu dem erzogen haben, was sie heute sind. Nationaltrainer Bernd Storck habe „das ungarische Talent mit der Tugend der systematischen Arbeit verschmolzen“, würdigte Orbán.

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