Man nehme zwei Tische, zwei Stühle, bunte Tücher und Wäscheklammern, und im Nu baut man ein Märchenschloss. In dieses kann man hineinschlüpfen, man kann es umgehen, besteigen, man kann seine Farben nennen, sogar ein Lied dazu singen – das stellte sich im Seminar, geleitet von den beiden Expertinnen aus Deutschland, heraus. Die Teilnehmerinnen erschufen aus den einfachsten Requisiten gemeinsam Phantasielandschaften für imaginäre Reisen und bauten Spielorte auf, die dann für kleine Rollenspiele, kreative Bewegung, Stilleübungen, Märchen und Geschichten genützt werden konnten. Als theoretische Grundlage der Fortbildung dienten – so Seminarleiterin Sylvia Lendner-Fischer - die spannende Kombination der in Frankreich erarbeiteten Methode „Jaux Dramatiques“ (Ausdrucksspiel aus dem Erleben) und der Erziehungstheorie der „bewegten Stille“. Jaux Dramatiques sei eine nonverbale Methode des Theaterspiels, wobei Kinder selber Spielorte und Phantasiewelten aufbauen und ohne eingeübte Rollen Märchen, Geschichten darstellen. Der Akzent liege dabei auf lustbetonter Bewegungsfreude und auf Spiel zur eigenen Freude und zur persönlichen Entwicklung. „Bewegte Stille“ sei ein von Entspannungspädagogin Lendner-Fischer selbst erarbeiteter Begriff und beziehe sich auf die Wichtigkeit der richtigen Kombination von Bewegung und Ruhe, die ein jedes Kind zur Entspannung und zum Stressabbau brauche. Der Kurs solle ungarndeutschen Kindergärtnerinnen helfen, die sprachlichen, sozialen, emotionalen und kognitiven Kompetenzen der Kinder gleichzeitig zu fördern.

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Das Ungarndeutsche Pädagogische Institut importiert sehr gerne im Ausland bereits erprobte, jedoch in Ungarn bislang weniger bekannte Methoden, um die Arbeit ungarndeutscher PädagogInnen noch effektiver werden zu lassen. „Alle Erzieherinnen – egal ob Anfängerin oder Erfahrene – müssen neue, moderne Techniken kennen lernen, damit die Palette der tagtäglich benutzten Methoden erweitert wird“ – meint Josef Weigert, Direktor des Ungarndeutschen Pädagogischen Instituts. „Die Erzieherinnen hatten in der Fortbildung die Möglichkeit gehabt, diese Methode selbst auszuprobieren und die eventuellen Fragen mit den Referentinnen zu besprechen. Sie haben erlernt, wie sie zur Sprachförderung der Kinder durch diese Methode beitragen können. Denn wenn sich Kinder in die Rolle einer Märchenfigur versetzen können, sprechen sie hemmungsloser, und sogar ihre Kreativität wird dadurch entwickelt.“

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Das UdPI hofft auch durch diese Fortbildung dazu beigetragen zu haben, dass Kinder der deutschen Nationalitätenkindergärten eine besonders niveauvolle Erziehung genießen. Wenn ihre Kindergärtnerinnen die beim Seminar erlernten Methoden in den Alltag miteinbauen, erfahren Pädagogen, Eltern und Kinder selbst die in den Kleinen steckende wundervoll-kreative Fähigkeit immer wieder aufs Neue.


Weitere Informationen: http://www.udpi.hu/de/

Josef Weigert, Direktor, Ungarndeutsches Pädagogisches Institut: info@udpi.hu; 30/324-5891

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