Zum Gespräch geladen waren neben Sänger Ferenc Caramel Molnár und Index-Journalist Dá­vid Sajó auch Gábor Kemenes, Abtei­lungsleiter bei Telenor, verantwortlich für Unterhaltungsdienstleistungen und Péter Benjámin Tóth, Kommunikations­direktor der Künstlervertretung Artis­jus. Obwohl gerade Péter Tóth sicherlich über genügend Fachexpertise und Gábor Kemenes über die neusten Zahlen ver­fügt hätten, verlief das Gespräch vor al­lem zwischen Molnár und Sajó.

Eine nicht-repräsentative Umfrage des Telekommunikationsunternehmens er­gab, dass die meisten Menschen Musik hören, während sie im Nahverkehr unter­wegs sind, Rad fahren oder Joggen, meist über ihr Telefon. Dabei sind es selbst zu­sammengestellte Playlists oder ein Radio, die den Weg verkürzen sollen. „Streaming­dienste sind heute noch nicht geschäftsfä­hig“, meint deswegen auch Gábor Keme­nes von Telenor. Die kommenden Jahre werden wohl vom Kampf zwischen kosten­losen und Premium-Geschäftsmodellen geprägt sein. Auch Musikjournalist Sajó sieht die Streaming-Apps noch lange vor dem eigentlichen Boom, sieht aber auch die Schwierigkeiten, diese Art des Mu­sikhörens zu etablieren, denn „solange esYoutube gibt, werden es Streamingdienste schwer haben“. Dies läge vor allem daran, so Sajó, dass auf Youtube eben auch Musik zu finden sei.

Wandel verpasst

Der größte Vorteil von Strea­ming-Diensten könnte sein, dass sie per­sonalisierte Musikvorschläge machen, allerdings sei die Umsetzung in diesem Bereich noch lange nicht befriedigend. „Beworbene Vorteile wie die bessere Klangqualität machen für den Durch­schnittsverbraucher schlicht keinen Un­terschied, außerdem gibt es auch immer mehr Alternativen. Crowdfunding wird bei Musik und auch bei der Produkti­on von TV-Serien immer relevanter, Major Labels verlieren an Bedeutung.“ Dem stimmte auch Sänger Caramel zu, der heute Labels nicht mehr als klassi­sche Musikproduzenten sieht, sondern viel mehr als Eventorganisatoren und Manager. Dies liegt vor allem an den Veränderungen des Musikbusiness: „Heute stammt nur noch etwa 1/3 des Einkommens eines Künstlers aus dem eigentlichen Verkauf seiner Musik“, sag­te Caramel und fügte ein Beispiel an: Seine erste CD konnte für etwas mehr als 5.000 Forint gekauft werden, heute sei die „Schmerzgrenze“ für Tonträger bei Kunden 990 Forint.

Caramel macht dafür vor allem die Vielzahl illegaler Downloads verantwortlich, Journalist Sajó widersprach dem jedoch. Untersu­chungen würden belegen, dass Lieder, die oft illegal heruntergeladen werden, auch öfter gekauft werden. Außerdem könnten so auch unbekannte Künstler ihre Musik bekanntmachen und so even­tuell auch von einem Label entdeckt werden. Worin sich Sänger Caramel und Journalist Sajó jedoch einig waren: Die Musikindustrie hat zu langsam auf den Wandel im Konsum von Medien reagiert und ist jetzt unter Zugzwang, will sie den Anschluss nicht komplett verlieren.

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