Der Liszt Ferenc Platz, eigentlich eine autofreie Allee zwischen Király utca und Andrássy út, ist als Gastronomiemeile bekannt. Doch vie­le der ansässigen Restaurants geben sich mehr als Touristenfänger denn als Orte von Genuss und Kulinarik. Etablissements wie das amerikanische Fastfood-Franchise Hooters mit seinen wenig (geschmackvoll) bekleideten Bedienungen sind dem Ruf des Liszt Ferenc tér nicht gerade zuträg­lich. Gerade noch rechtzeitig – und vor allem bestens platziert – hat sich deshalb das Seasons Bistro angesiedelt. Direkt ge­genüber der altehrwürdigen Musikschule und Konzert-Location, der Franz Liszt Musikhochschule gelegen, begrüßt das Restaurant fortan all diejenigen, die gern in stilvollem Ambiente gut essen, ohne dabei die Speisekarte mit dem Fremdwör­terbuch studieren zu müssen. Egal ob man vor oder nach einem klassischen Konzert in der Musikakademie den kleinen Hun­ger stillen, die Mittagspause hochwertig speisend oder den Abend mehrgängig ver­bringen möchte: Im Seasons Bistro ist man für alle Gelegenheiten gut aufgehoben.

„Unsere Philosophie: Der Kunde ist König“

Eigentümer Zoltán Juhász kehrt mit dem Restaurant auf altbekanntes Terrain zurück. Bis 2007 war der gelernte Gast­gewerbler erfolgreich in der Gastronomie tätig, bis er merkte, dass er eine Pause von der Branche brauchte. Die Lust auf ein neues, besonderes Etablisement brachte ihn schließlich wieder zurück zu seinen Wurzeln. „In der Zwischenzeit hat sich viel geändert“, resümiert Juhász seine Auszeit. „Es ist schwieriger geworden, sich voll und ganz dem Kunden als König zu widmen, so wie es meine Philosophie ist. Denn vorher muss man als Gastronom auf so viele Vorschriften achten, Papierkram erledigen und so weiter, das ist sehr scha­de.“ Als Beispiel dafür nennt Juhász die Rechtsvorschrift, dass alle Gastronomie­betriebe nach Neueröffnung einen Monat lang nur bis 22 Uhr geöffnet haben dür­fen – so auch das Seasons Bistro. Wenig verständlich, ist das Restaurant doch in einem unbewohnten Haus gelegen. Auch die ursprünglich für Mai geplante Eröff­nung musste aufgrund äußerer Umstände verschoben werden; zu viele unerwartete Vorschriften galt es bei der Einrichtung in dem knapp 200 Jahre alten Gebäude zu befolgen.

Keine Geheimnisse: In der offenen Küche kann den Köchen zugesehen werden.
Keine Geheimnisse: In der offenen Küche kann den Köchen zugesehen werden.


Das Ergebnis kann sich jedoch allemal sehen lassen: Das Seasons Bistro ist ge­schmackvoll und mit Liebe zum Detail ein­gerichtet, wobei mal ungarische Referen­zen von der Wand grüßen (zum Beispiel Grafiken mit verschiedenen Hungarika), mal spanische Tendenzen zum Vorschein kommen (beispielsweise bunte Retro-Ka­cheln an der Außenwand der offenen Kü­che). Sitzplätze bieten sich reichlich im In­nenraum, doch auch auf der Terrasse lässt es sich gemütlich schlemmen, insbeson­dere mit der prächtigen Fassade der Mu­sikakademie vor Augen. Im Untergeschoss ist außerdem ein Veranstaltungsraum im Entstehen, der in Kürze mal als Jazzbar funktionieren, mal Platz für Weinverkos­tungen bieten wird.

Ein Rolls-Royce in der Küche

Herzstück des Restaurants ist jedoch Josper. Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen besonders freundlichen Ange­stellten. Gemeint ist die einzigartige – und durchaus elegante – Mischung aus Grill und Ofen; ein kompaktes, schwarzes Ge­rät, das im Seasons Bistro in der offenen Küche steht, wo jeder Gast nach Belieben den gut gelaunten, tüchtigen Köchen bei der Arbeit zusehen kann. Josper wird mit argentinischer Bio-Holzkohle befeuert, Strom oder Gas sind nicht nötig. „Das ist der Rolls-Royce unter den Öfen“, erläutert Eigentümer Zoltán Juhász begeistert die Qualität des Küchengeräts. Nicht um­sonst wurde Josper auf der Speisekarte eine eigene Sektion gewidmet, mit Gerich­ten, die allesamt dem Bauch des wertvol­len Grillofens entsprungen sind. Da das schlaue Gerät auf bis zu 500 Grad erhitzt werden kann, wird Fleisch im Josper sehr schnell fertig und erhält außen eine knus­prige Kruste, während es innen schön zart bleibt, erklärt Chefkoch Endre Ruga. Der Beweis für die Talente des hochgelobten technischen Wunderwerks folgt sodann.

Doch zunächst wird die Vorspeise auf­getischt: Gänseleberpastete mit geklär­ter Butter und hausgemachtem Pflau­men-Chutney, hübsch serviert im offenen Einmachglas mit einer Feigenscheibe, dazu Landbrot. Schon dieses Entree verrät die Gangart des jungen Chefkochs, der es ganz klar versteht, Klassiker und an und für sich simple Gerichte mit einfühlsa­men Kunstgriffen aufzupeppen, ohne die­se ihres Grundgeschmacks zu berauben. Der Trick offenbart sich hier neben dem würzigen Chutney bei der Pasteten-But­ter-Kombination. Der geklärten Butter (in Indien „Ghi“ genannt) wird bei der Her­stellung etwas frischer Orangensaft zuge­geben. Das verleiht dem Aufstrich nicht nur eine frische Note, sondern verhindert auch die Oxidation der unter der Butter­schicht gelegenen Gänseleber – und damit ihr Verfärben.


Appetitanregende Speisen

Im Hauptgang, dem französischen Ba­by-Huhn mit Erbseneintopf nach Art des Hauses und Kartoffeln, kommt nun auch Josper zum Einsatz. Neben dem Fleisch haben auch die Erdäpfel den Grillofen von innen gesehen, und diese Art der Zu­bereitung hat sich wahrlich gelohnt. Doch auch dem Jus, der das Huhn umgibt, und der schmackhaft-buttrigen Landschaft, in der sich die Erbsen tummeln, gebührt Lob. Einzig die Anrichtungsweise stellt den Gast vor ein praktisches Problem. Da sich Erbsen und Kartoffeln in einem zwar niedlichen, jedoch separaten Töpfchen be­finden, das wiederum auf einer Holzplatte geparkt ist, das Huhn es sich aber wiede­rum auf einem runden Teller gemütlich gemacht hat, ist es schwer, das Verzehren von beidem zu koordinieren. Übung (und Appetit) machen womöglich den Meister.

Das Dessert, die hausgemachte Scho­koladentorte mit frischen Früchten, ent­stammt zwar nicht dem Josper, überzeugt geschmacklich jedoch gleichermaßen. Die Besonderheit hier ist, dass die Süßspeise völlig ohne Mehl auskommt. Und obwohl das Stück nicht klein daherkommt und zusätzlich von einer Portion Mascarpone mit etwas Minze gekrönt wird, vermittelt es den Eindruck, es sei ein Leichtgewicht, wofür vielleicht auch die Kühle der Scho­komasse verantwortlich ist.


Im Fazit ist das Seasons Bistro eine Be­reicherung für den gesamten Liszt Ferenc tér und ein Restaurant, in dem es sich ange­nehm und ungezwungen essen lässt. Dass hier und da noch gewerkelt wird, ist kein Störfaktor, denn das gesamte Team steht bei allen Fragen engagiert und hilfsbereit zur Seite und hat augenscheinlich große Lust, den Laden richtig in Schwung zu brin­gen. Die Musik dürfte dabei gern noch et­was leiser gestellt beziehungsweise die Mu­sikauswahl gegebenenfalls ganz überdacht werden. Ansonsten steht einer erfolgreichen Gastronomie hier sicher nichts im Wege.

Seasons Bistro

Budapest VI. Liszt Ferenc tér 6-7

Tel.: +36 70 / 44 2444

Email: bistrovino@gmail.com

Preise

Vorspeisen:……………………….ca. 1.500-2.900 Ft

Hauptspeisen:……………………ca. 1.500-5.000 Ft

Desserts:……………………………..ca. 600-1.200 Ft

Glas Wein:……………………………ca. 500-2.000 Ft

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