Eingeleitet wurden die Diskussions- und Arbeitsrunden zur Zukunft und den Herausforderungen Europas mit der Erinnerung an 1956: Attila Pók, Mitglied des Präsidiums der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und stellvertretender Direktor des Instituts für Geschichte der Ungarischen Akademie der Wissenschaften, stellte dabei die Ereignisse um den Ungarnaufstand in einen europäischen Kontext. Im Zeitzeugengespräch mit Dr. László Fodor und Dr. Sándor Kecskés, beide ehemals in Deutschland praktizierende Ärzte, die im Zuge des Aufstandes 1956 als junge Männer geflohen waren, wurden anschließend unter Leitung von Dr. Gereon Schuch, Leiter des Robert Bosch-Zentrums für Mittel- und Osteuropa, Russland und Zentralasien, die Ereignisse und Auswirkungen von 1956 näher beleuchtet. Die beiden Zeitzeugen schilderten ihre beeindruckenden Erlebnisse vom Kampf gegen die sowjetischen Truppen. Die brutale Niederschlagung des Volksaufstandes habe sie letztendlich desillusioniert und zur Flucht zunächst nach Österreich und dann weiter in die Bundesrepublik Deutschland veranlasst. In ihren Augen müsse der damalige Drang nach Selbstbestimmung der heutigen Jugend als bleibender Wert vermittelt werden.

Den Sprung in die Gegenwart unternahm das Forum mit einem Vortrag des Vizepräsidenten des ungarischen Parlaments und stellvertretenden Fidesz-Vorsitzenden, Dr. Gergely Gulyás, über die künftige Richtung der Europäischen Union. Üblichen „Slogans“ der öffentlichen Debatte wie „Mehr Europa“ oder „Weniger Europa“ erteilte Gulyás eine Absage. In der folgenden Fragerunde bezeichnete er die europäische Bürgerinitiative und die stärkere Rolle der nationalen Parlamente im Vertrag von Lissabon als „echte Fortschritte“. Als Ansatzpunkte für eine künftige Vertiefung der Integration nannte der Abgeordnete die Hilfe beim Grenzschutz für betroffene Mitgliedstaaten, automatische Sanktionen bei der Haushaltspolitik und eine gemeinsame Verteidigungspolitik. Man solle aber nicht den Fehler begehen, europäische Staaten in „gut“ und „böse“ einzuteilen.

Der Vortrag von Gulyás lieferte das Diskussionspotential und die Impulse für die anschließende Arbeitsphase. In kleinen Gruppen an fünf Tischen mit unterschiedlichen Schwerpunkten diskutierten hier Studierende und junge Fachexperten mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft über die „Zukunft in Europa”. Zu den Themen gehörten das Engagement von jungen Menschen in Deutschland und Ungarn für Europa, die Entwicklung der EU nach dem Brexit, die Digitalisierung des Berufsalltags, die Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens in Europa sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die ausgearbeiteten Ideen, Erkenntnisse und Vorschläge wurden anschließend im Plenum vorgestellt. So brachte beispielsweise die Arbeitsgruppe zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie den konkret zum Ausdruck, dass sich vor allem junge Arbeitnehmer in Deutschland und Ungarn flexible Arbeitszeitmodelle wünschen würden.

Als Gastgeber und Moderatoren wirkten mit:

  • Martin Kastler, Repräsentant und Regionalleiter Ungarn der Hanns-Seidel-Stiftung in Budapest, und Frank Spengler, Leiter des Auslandsbüros Ungarn der Konrad-Adenauer-Stiftung in Budapest, zum Thema „Wie engagieren sich junge Menschen in Ungarn und Deutschland für Europa?“
  • Dr. Ernő Schaller, Internationaler Direktor der Stiftung Union für ein Bürgerliches Ungarn, zum Thema „In welche Richtung entwickelt sich die Europäische Union nach dem Brexit?“
  • Christoph Hermreck, Leiter der Audi Akademie Hungaria, zum Thema „Digitalisierung der Arbeitswelt: Wie verändert sich der Berufsalltag?“
  • Manuel Sarrazin, Mitglied des Deutschen Bundestages und europapolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, zum Thema „Klimawandel und Nachhaltigkeit in Europa - Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens“
  • Katalin Novák, Staatssekretärin für Familie und Jugend im Sozialministerium, zum Thema „Vereinbarkeit von Familie und Beruf“
Abschließend richteten sich Sozialminister Zoltán Balog sowie Dr. Matthias Rössler, Präsident des Sächsischen Landtags, in ihren Grußworten an die Teilnehmer des Jungen Forums und diskutierten die erarbeiteten Ergebnisse mit den Studierenden.
Konversation

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