Wertvolle Tapeten, antiquarische Möbel, alte Bilder und so manch andere Kuriositäten zieren das Innere des Mandragóra. Hier herrscht eine Stimmung, die ebenso aus der Zeit gefallen wie magisch ist. „Boszorkányos konyhát, varázslatos hangulatot“ lautet das Motto des Restaurants. Zu gut Deutsch heißt das so viel wie eine „verhexte Küche“ zieht eine „zauberhafte Atmosphäre“ nach sich. Laut Restaurantmanager Máté Párniczky bringen, so sagt man zumindest in Ungarn, die Kräuterweiblein in der Küche Glück. Deshalb hat sie Párniczkys Familie, die das Restaurant vor über 10 Jahren gemeinsam mit einem befreundeten Pärchen gegründet hat, nicht nur im Logo verewigt, sondern auch beim Namen Anleihe in der Hexenküche gesucht: Mandragóra, auf Deutsch Alraune, ist eine Pflanze, der magische Eigenschaften nachgesagt werden und deren Wurzeln, wie kleine Menschen aussehen sollen.

Verhext gute Küche

In der Küche des Lokals findet man jedoch keine Hexen, sondern „nur“ die beiden überaus talentierten Chefköche Tibor Jávorszky und Járinc Varga vor. Doch was unter der Regie dieser beiden auf den Teller kommt, grenzt an Küchenzauberei: Verstaubte Rezepte werden mit ein paar Twists in kulinarische Kunstwerke verwandelt: Beispiele dafür sind die langsam gegarte Entenkeule, bei der das Rotkraut im Strudelteig gebacken serviert wird, oder das „Paprikás krumpli“ – eigentlich ein einfaches Bauerngericht, ist der dicke Kartoffeleintopf hier auf eine cremige Paprikasauce reduziert, in der sich gebackene Kartoffelwürfel und getrocknete Kolbászchips türmen. Neben traditionell ungarischen Gerichten greift das Mandragóra ebenso auf mediterrane Rezepte zurück, so auch bei der auf gebratenem Gemüse gebetteten Hühnerbrust oder der Lammschulter, die neben frittierten Gnocchi zu einem Püree aus Möhren, Chili, getrockneten Tomaten und Parmesan serviert wird. Essbare Blumen, die in der Küche des Lokals häufig Verwendung finden, geben den Gerichten etwas Verspieltes.

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Laut Párniczky gehört es zur Philosophie des Lokals, wo möglich, auf lokale Produkte zurückzugreifen. So beziehe das Mandragóra etwa sein Rindfleisch von einer Ökofarm 50 Kilometer südlich von Budapest. Weiterhin richte man das Menü nach den saisonal verfügbaren Produkten aus, indem das Basismenü durch ein elaboriertes Wochenmenü ergänzt wird.

Wie bei Freunden speisen

Das Mandragóra erfreut sich einer großen Zahl an Stammkunden, die teils über Jahre dem Lokal regelmäßig Besuche abstatten. Sogar manche Ausländer, erzählt Párniczky stolz, kämen immer bei ihnen vorbei, sobald sie in der Stadt seien. Neben dem ausgezeichneten Essen dürfte dafür der zuvorkommende Service verantwortlich sein, der einem, trotz des adretten Aufzugs der Kellner, das Gefühl vermittelt, bei Freunden zu speisen.

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Frisch aus der Hexenküche: Die Hühnerbrust auf Gemüse gehört zu den mediterran angehauchten Gerichten auf der sonst eher klassisch ungarischen Speisekarte.

um guten Service gehört im Mandragóra auch, dass vor dem Servieren der bestellten Speisen zunächst ein Probierhäppchen aufgetragen wird – mit besten Grüßen vom Chefkoch. Dabei handelt es sich nicht etwa um banale Cracker oder Ähnliches, sondern um wahre Gaumenfreuden, wie etwa Fasanenpâté auf einem Bissen Schwarzbrot, garniert mit Cocktailzwiebeln.

Es gebe aber auch Stammkunden, weiß Párniczky zu berichten, die einzig für einen ganz besonderen Leckerbissen kommen: die Dessertspezialität des Hauses, eine gehaltvolle, hausgemachte Schokoladentorte. „Ich habe einmal versucht, sie vom Menü zu nehmen, weil wir die Dessertkarte ein wenig aktualisieren wollten, doch bereits nach einer Woche musste ich, dem Bitten unserer Gäste nachgebend, die Torte wieder ins Menü nehmen“, erzählt Párniczky.

Fazit

Das Mandragóra ist ein Lokal, das man – abgesehen von Frühstück und Brunch – für beinahe jede Tageszeit und Mahlzeit empfehlen kann. Zwischen 11.30 und 15 Uhr bietet das Restaurant ein günstiges Lunchmenü (1.750 Forint für zwei Gänge), das es insbesondere für Mittagsgäste aus den umliegenden Büros attraktiv macht. Am Nachmittag lohnt sich ein Besuch für Kaffee oder Tee und ein Stück der berühmten Schokotorte, während am Abend die Option auf ein opulentes Mahl à la carte und ein Glas aus dem Angebot der zahlreichen lokalen Weine besteht. Wenn das Wetter mitspielt, lässt es sich auf der atmosphärischen Außenterrasse bis in den späten Abend hinein angenehm verweilen.

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Mandragóra

Budapest, II. Bezirk, Kacsa utca 22

Öffnungszeiten: Montag und Dienstag 11 bis 23 Uhr, Mittwoch bis Samstag bis Mitternacht

Reservierungen unter +36 1 202 2165 und mandragorakavehaz@chello.hu

Weitere Informationen unter www.mandragorakavehaz.hu

Preise

Vorspeisen, Suppen und Salate: 1.700 bis 2.400 Forint

Hauptgerichte: 2.200 bis 4.200 Forint

Desserts: 1.100 bis 1.400 Forint

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