Die Opposition in Ungarn ist in einem erbarmungswürdigen Zustand. Während der Jobbik einfach kein Stich gelingen will, weil sie permanent vom Fidesz rechts überholt wird, sind die Parteien links der Mitte so sehr mit sich selbst und ihrem Klein-Klein beschäftigt, dass es fast schmerzt, ihnen bei der eigenen Demontage zuzusehen.

Stark angefangen, stark nachgelassen

Vergangene Woche Donnerstag wollten sich die Parteien des mehr oder minder linken Spektrums zu Gesprächen treffen. Die grüne LMP hatte jedoch schon im Vorfeld bekannt gegeben, sich nicht beteiligen zu wollen. So blieben also die grüne Absplitter-Partei Dialog (Párbeszéd, ehemals Párbeszéd Magyarországért), die kaum oberhalb der Wahrnehmungsgrenze existierende Balpárt (Linkspartei), die liberale Gábor Fodor-Partei, die von Ex-Finanzminister Lajos Bokros gegründete MoMa, die Együtt um Péter Juhász sowie die DK um Ex-Premier Ferenc Gyurcsány und die sozialistische MSZP. Zumindest in der ersten Gesprächsrunde, denn bereits beim zweiten Treffen zeigte sich, dass der oft und vehement vorgetragene Gedanke des unbedingt notwendigen Zusammenschlusses in der Theorie zwar durchaus mehrheitsfähig scheint, in der Praxis jedoch zum Scheitern verurteilt ist.

Dabei sollte es in den Gesprächen vorerst nicht um konkrete politische Inhalte gehen, sondern lediglich um die Frage, wie ein gemeinsamer Kandidat bestimmt werden könnte. In einer Vorwahl, so die Vorstellung, sollte ein gemeinsamer Kandidat bestimmt werden. Aber noch bevor auch nur ansatzweise über das „Wer“ verhandelt werden konnte, waren die Gespräche auch schon geplatzt.

Liberale und Linkspartei erhielten rote Karte

Laut dem Nachrichtenportal index.hu schickte die Juhász-Partei zur zweiten Runde in der vergangenen Woche nicht etwa einen Vertreter, sondern nur eine E-Mail, in der sie mitteilt, sich erst dann wieder mit der MSZP und DK an einen Tisch setzen zu wollen, wenn diese der Idee der Vorwahl eines gemeinsamen Kandidaten zustimmen. Bisher haben sich nur die Együtt und die Dialog-Partei für dieses Prozedere ausgesprochen.

Die DK kritisierte auch die Wahl der Teilnehmer des Rundtisch-Gesprächs. So hielt Ferenc Gyurcsány die Teilnahme der liberalen Partei des Polit-Chamäleons Gábor Fodor für falsch, schließlich hätte sich diese für ein „Ja“ beim Referendum ausgesprochen und so Wasser auf die Mühlen des Fidesz getrieben, um die Volksabstimmung doch noch gültig zu machen. Nachdem sich sowohl die Bokros-MoMa als auch die sozialistische MSZP der Kritik (und dem Veto) Ferenc Gyurcsánys anschlossen, verließ die Vertreterin der Liberalen, Anett Bősz die Runde. Gegenüber index.hu sagte sie: „Die Gespräche werden von Ferenc Gyurcsány dominiert, wir wurden mehr oder minder rausgewählt.“

Ebenfalls ihren Hut nahm die Linkspartei, auch sie wurde mittels Veto seitens Ferenc Gyurcsány und Lajos Bokros aus der Gesprächsrunde „gewählt“. Die Partei „Dialog“, die als einer der Initiatoren des Rundtischgesprächs auch weiterhin an der Idee der Vorwahlen festhält, ist nun ausgerechnet mit jenen Parteien zurückgeblieben, die sich dagegen sträuben.

Chancen tendieren gen Null

Gergely Karácsony, Vorsitzender der „Dialog“ sprach gegenüber dem Nachrichtenportal 24.hu über die weiteren Möglichkeiten eines linken Zusammenschlusses. „Ohne Vorwahlen haben wir nicht viel miteinander zu besprechen“, sagte er dort. Die Hoffnung auf diese hat er noch immer nicht aufgegeben, es sei zwar eine separate Koalition mit entweder der MSZP und der DK oder mit der LMP und der Együtt möglich, „aber wir versuchen weiterhin, die MSZP und die DK davon zu überzeugen, dass wir ohne eine Vorwahl einfach untergehen“.

Beim derzeitigen Stand der Dinge sieht es so aus, als stehe dem Gesamtlinken Zusammenschluss genau dies bevor.

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