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Leitzins und Inflation in der Nachbarschaft PDF Drucken E-Mail
Von Gergely Suppan   
Montag, 1. Februar 2010
Wie zu erwarten war, wurde der Leitzins am vergangenen Montag um 25 Basispunkte auf 6 Prozent gesenkt; das ist der niedrigste Wert seit Mitte 2006. Wegen der Inflation, die niedriger ausfällt als erwartet, sowie der noch immer geringen Inlandsnachfrage müsste der Zinssatz eigentlich noch weiter gesenkt werden, was durch die Verbesserung der externen Verbindlichkeiten auch möglich wäre.


Die Ungarische Nationalbank (MNB) sollte dennoch vorsichtig bleiben, da in den vergangenen Wochen vereinzelt Zweifel bezüglich der finanziellen Stabilität aufkamen.

Folgerichtig wurden in der Sitzung der Monetärrates der MNB am vergangenen Montag zwei Optionen diskutiert: Eine Senkung des Leitzinses um 25 beziehungsweise um 50 Basispunkte. Die erste Möglichkeit erhielt eine klare Mehrheit. Wenn sich die globalen Bedingungen nicht verschlechtern, hat die MNB die Option, im II. Quartal 2010 den Leitzins auf 5,5 Prozent zu senken. Eine weitere Senkung scheint wegen der zu erwartenden strengeren Politik der maßgeblichen Zentralbanken gegen Ende des Jahres unwahrscheinlich. Ungarn ist also immer noch im Schongang, limitiert durch die Marktbedingungen und möglicherweise steigende Zinsen im Ausland.

Der Monetärrat der Nationalbank Polens hat ebenfalls erwartungsgemäß gehandelt und den Leitzins bei 3,5 Prozent belassen. Damit hält dieses Rekordtief seit bereits sieben Monaten. Fünf kürzlich ernannte Mitglieder des Rates nahmen zum ersten Mal an einer Sitzung Teil, weitere vier werden im Februar dazustoßen. Damit verbleibt lediglich Nationalbankpräsident Skrzypek auf seinem Posten.

Die Inflation wird in den kommenden Monaten wahrscheinlich sinken, möglicherweise sogar unter die von der Nationalbank prognostizierten 2,5 Prozent. Somit könnte lediglich eine weitere Erholung der Wirtschaft eine Erhöhung des Leitzinses nötig machen, um die Nachfrage zu konsolidieren und die Kreditkonditionen strenger zu machen. Folglich hat der polnische Leitzins sehr wahrscheinlich seinen Tiefststand erreicht, später im Jahr dürfte der Monetärrat zu einer strikteren Politik übergehen und den Zinssatz auf 4 Prozent anheben.

Am kommenden Donnerstag wird auch die Tschechische Nationalbank (CNB) über ihre Zinspolitik entscheiden. Obwohl die Inflation derzeit niedrig ist und in der ersten Hälfte 2010 wohl bei einem Prozent verbleiben wird, dürfte sie gegen Ende des Jahres über das Inflationsziel von 2 Prozent hinausschießen, was eine Lockerung der Geldpolitik mittelfristig verunmöglichen würde. Da die tschechische Wirtschaft im III. Quartal 2009 mit einem Ansteig des BIP um 0,8 Prozent deutlich an Fahrt zugelegt hat, wäre eine weitere Lockerung der Geldpolitik auch unlogisch, trotz der Fragilität des Konsolidierungsprozesses, der vorwiegend auf einer erhöhten, durch staatliche Anreize im Ausland angeregten externen Nachfrage gründet.

Die Nationalbank konzentriert sich vorwiegend auf den Wechselkurs der Krone. Man möchte die Währung nicht exzessiv stärken und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auf den Exportmärkten unterminieren. Sollte die Krone dennoch an Wert gewinnen – was angesichts der Tatsache, dass die Realkonvergenz wieder einsetzt –, würde das den Inflationsdruck mindern. Folglich erwarten wir, dass die CNB in der zweiten Jahreshälfte eine Erhöhung des Leitzinses in Angriff nehmen wird.

Gergely Suppan,
Chefvolkswirt der Takarékbank Zrt



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