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Auftragseingang wird besser PDF Drucken E-Mail
Von Jan Mainka   
Samstag, 12. Dezember 2009
Der deutsche Chemieriese BASF ist in Ungarn mit all seinen 14 Geschäftsbereichen vertreten. Gegenüber der Budapester Zeitung äußert sich Dr. Herbert Fisch, der als Geschäftsführer der BASF Hungária Kft. für Ungarn und als Regionaldirektor für Rumänien, Bulgarien und die ex-jugoslawischen Länder verantwortlich ist, verhalten zuversichtlich zu den Aussichten für 2010.

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Wer sind in Ungarn Ihre Kunden?

Unsere größten Kunden sind neben den ungarischen Chemiefirmen und Raffinierien fast sämtliche Branchen. Wir beliefern unter anderem Kunden auf den Gebieten Landwirtschaft, Bauwesen, Automobilindustrie,  Elektro-/Elektronikindustrie, Lebensmittelproduktion, aber auch die Wasch- und und  Reinigungsmittelindustrie. Wir vertreiben unter anderem Agrochemikalien, Schmierstoffe,  Kühlmittel und Kunststoffe sowie Zusatzstoffe für verschiedene Treibstoffe. Von Commodities bis hin zu Spezialprodukten wie einigen speziellen Bauzusatzstoffen sind wir in Ungarn mit unserem Gesamtportfolio präsent.

Wie stark hat die Krise die einzelnen Branchen, die Sie beliefern, in Mitleidenschaft gezogen?

Am stärksten sind die Automobilindustrie und die Bauwirtschaft betroffen. Auch die chemische Industrie hat verloren. Unser Agrogeschäft ist in unseren Auftragsbüchern  stabil geblieben. Gut gehalten hat sich auch der Bereich Detergenzien, bei dem es um Zusatzstoffe etwa für Plegemittel geht. Kein Wunder, auch in der Krise müssen die Leute essen und haben Hygieneansprüche.

Wie hat sich Ihr Umsatz in diesem Jahr entwickelt?

Die Situation ist nicht einfach. Allerdings war es in diesem Jahr bei weitem nicht so katastrophal, wie man es auf Grund der Stimmung hätte vermuten können. Klar sind die Konsequenzen der Wirtschaftsrezession auch für uns spürbar, allerdings halten sich die Wirkungen auf unseren Märkten in überschaubaren Grenzen. Auch unser breites Produktportfolio hat uns sehr geholfen. Insgesamt werden wir in diesem Jahr etwa ein Fünftel weniger Umsatz machen. Wobei 2008 ein überdurchschnittlich gutes Jahr war. Damals hatten wir im Vergleich zum Vorjahr noch eine zweistellige Wachstumsrate.

Wie haben Sie auf den Umsatzrückgang reagiert?

Wir haben das Jahr unter anderem dazu genutzt, die Kontakte zu unseren Kunden zu verbessern. Wir haben versucht, gemeinsam mit unseren Kunden die kritische finanzielle Situation zu meistern, aber auch Kooperationsperspektiven für die Zukunft zu erarbeiten.  Wir leben von unseren Kunden, deshalb kann auf diesem Gebiet nicht gespart werden.

Wo mussten Sie letztlich doch sparen?

Wir haben viele Reisen zugunsten von Videokonferenzen gestrichen. Interne Veranstaltungen wurden auf ein Minimum reduziert. Viel Einsparpotenzial ergab sich bei genauem Hinsehen bei der IT, aber auch bei vielen anderen Arbeitsabläufen. Auch durch die Auslagerung von gewissen Prozessen konnten wir sparen. Sparpotenziale nutzten wir auch beim Facility Management. Insgesamt kam uns zugute, dass bei BASF unabhängig von der Krise ständig Strukturprojekte zur Optimierung der Effizienz laufen. Unter anderem deswegen waren wir krisenbedingt auch zu keinerlei Entlassungen unserer nach wie vor 185 Mitarbeiter gezwungen. Ja, es gab sogar Gehaltserhöhungen und Boni – immerhin waren diese ja das Ergebnis des letzten Jahres, das zweistellige Zuwachsraten aufwies. Nur, weil wir jetzt eine Durststrecke durchleben, konnte ich meinen Mitarbeitern nicht einfach sagen: „Ihr habt letztes Jahr gut gearbeitet, aber einen Bonus bekommt Ihr trotzdem nicht.“ Diese Sichtweise hat jedem verdeutlicht, dass unsere Firma langfristig denkt und fest zu ihren Mitarbeitern steht.

Wie schätzen Sie die Aussichten ein?

Wir merken, dass die Märkte langsam wieder anziehen. Wir haben die Talsohle erreicht. In einigen Geschäftsbereichen beginnen die Umsätze im Monatsvergleich bereits wieder zu wachsen. Der Auftragseingang wird seit etwa September tendenziell besser. Unsere Aussichten für 2010 sind verhalten positiv. Das Niveau von 2008 werden wir freilich so schnell nicht wieder erreichen. Dazu bedarf es noch einiger Jahre. Dass sich die Lage schrittweise verbessert, merken wir auch an der Zahlungsfähigkeit unserer Kunden. Hier ist eine gewisse Entspannung spürbar.

t Für welche Länder sind Sie verantwortlich?

Für Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die ex-jugoslawischen Länder. Wobei Ungarn für uns geschäftlich ein Schwergewicht ist. Nicht zuletzt, weil wir hier bereits am längsten aktiv sind. Unsere direkten Beziehungen reichen bis ins Jahr 1986 zurück, als unsere Tochter Elastrogran Kemipur Kft. in Solymár gegründet wurde. Sie produziert Polyurethane – das sind extrem vielseitige Kunststoffe. Wir bereiten hier reaktive Mischungen vor, die später beim Kunden verarbeitet werden. Aus ihnen entstehen etwa Sitzschäume für Autos und Armaturentafeln oder auch Isolationsplatten für Hallen.

t Wie sieht es in den anderen Ländern Ihres Verantwortungsbereichs aus?

Die Lage in den ex-jugoslawischen Ländern ist nicht so leicht zu beurteilen. Das liegt vor allem an der politischen Situation in Serbien. Außerdem ist die Liquidität in diesen Ländern nach wie vor ein großes Problem. Bulgarien ist relativ stabil, befindet sich aber auf deutlich niedrigerem Niveau als Ungarn. Bei Rumänien sind wir wegen der sehr instabilen innenpolitischen Lage vorsichtig mit Prognosen, trotzdem sind wir auch hier nicht pessimistisch. Das Engagement im Privatsektor ist dort trotz alledem beeindruckend. Am stabilsten sieht es aber tatsächlich in Ungarn aus.

Wie zufrieden sind Sie mit den hiesigen rechtlichen Rahmenbedingungen?

Sie sind sehr komplex, um es vorsichtig auszudrücken. Es gibt hier noch zu viele bürokratische Hemmnisse. Wir müssen viel Zeit aufwenden, um immer auf dem aktuellsten Stand zu sein. Das gilt vor allem für das Steuerrecht. Auf diesem Gebiet sind die meisten EU-Länder schon weiter. Ungarn hat hier einen klaren Wettbewerbsnachteil.

Und wie sieht es mit der erst jüngst von einigen Botschaftern wieder angesprochenen Korruption aus?

Sie ist nach wie vor ein kritisches Thema. Firmenintern haben wir der Korruption durch klare Regelungen das Wasser abgegraben. Bei uns würde nie ein Geschäft laufen, auf das auch nur der Hauch eines Korruptionsverdachts fällt. Das Thema ist enorm kritisch für eine Weltfirma wie uns. So bekommen etwa unsere Mitarbeiter sehr intensive, wiederkehrende Compliance-Schulungen. Wir sind damit eindeutig positioniert. Das ist auch die einzige Möglichkeit, diesem Problem Herr zu werden. Allerdings entstehen durch unsere konsequente Haltung in meiner Region leider auch gewisse Wettbewerbsnachteile. Dennoch nehmen wir lieber ein Geschäft nicht wahr, als mögliche Nachteile zu riskieren. Ich achte sehr genau auf geschäftliche Sauberkeit. Beim geringsten Verdacht lasse ich die Vorgänge überprüfen. Wir haben auch zentrale Compliance-Telefonnummern,  über die Hinweise anonym entgegengenommen werden.

Mit welchen Produkten ist BASF bei der Bauindustrie aktiv?

Wir bieten beispielsweise verschiedene Putz-, Kleb- und Isolationsstoffe an. Teilweise sogar Endverbraucherprodukte, wie Fliesenkleber, die man auch in den Baumärkten findet. Styropor, ein Wärmedämmungsschaum, ist ein Markenname der BASF. Wir haben mittlerweile aber mit Neopor ein wesentlich effizienteres Isolationsmaterial entwickelt. Der Baubereich ist für uns übrigens ein wichtiger Wachstumsmarkt. Besonders was das Thema Energieeffizienz betrifft, gehören wir zu den Schrittmachern der Branche. Dabei bieten wir nicht nur innovative Produkte, sondern liefern auch gleich ganze Konzepte.

Warum gehen Sie so weit?

BASF war immer eine produktorientierte Firma. Inzwischen sind wir aber mehr und mehr auch ein solution provider. Ganz einfach aus der Überlegung heraus, dass man beispielsweise irgendeinen Zusatzstoff in einem Shampoo als Produkt besser vermarkten kann, wenn man gleich den gesamten Systemansatz bis hin zur Endformulierung mit anbietet. Ein anderer wirksamer Weg zur Absatzförderung ist die Unterstützung des Herstellers bei der Produktion des Endproduktes. So erfahren wir zugleich hautnah von den konkreten Anforderungen unserer Kunden und können ihnen maßgeschneiderte, innovative Lösungen anbieten. Mit dieser „verlängerten“ Wertschöpfungskette können wir uns von unseren Wettbewerbern klar abheben.

Was haben Sie in puncto energieeffizientem Bauen zu bieten?

In Westeuropa haben wir diesbezüglich viel Erfahrung gesammelt. Wir haben unter anderem ein Ingenieurbüro, das sich mit der Konzipierung von Null- und Wenig-Energie-Häusern befasst. Durch unsere intensive Forschungsarbeit ist es uns gelungen, intelligente Putzsysteme zu entwickeln, die je nach Bedarf Wärme speichern oder abgeben können. Zu unseren Entwicklungen zählen auch spezielle Lacke, mit denen der Energiehaushalt von Häusern beeinflusst werden kann. Energieeffizienz ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Wir sehen hier in Ungarn diesbezüglich viel Nachholbedarf.

Gibt es in Ungarn bereits derartige, von BASF konzipierte energieeffiziente Häuser?

Leider nur begrenzt. Wir haben zwar mit Partnern das erste zertifizierte Passivhaus in Ungarn errichtet, aber wir sind bisher noch nicht richtig zum Zuge gekommen. Wir waren an einigen Projekten dran, durch die Krise wurde aber viel auf Eis gelegt. In anderen Ländern der Region sind wir übrigens schon deutlich weiter. So sind wir etwa in der Slowakei bereits bei der Plattenbausanierung aktiv. In Sofia haben wir gemeinsam mit Partnern einen energieeffizienten Kindergarten gebaut, der im nächsten Jahr eröffnet werden soll. In Belgrad sind wir zurzeit gerade damit beschäftigt, einen riesigen Komplex von der Energieseite mit zu konzipieren. In Rumänien sind wir bei der energetischen Optimierung eines Sportgymnasiums engagiert.

Warum passiert in Ungarn diesbezüglich noch nicht so viel?

Es ist weniger eine Geld- als eine Bewusstseinsfrage. Das Thema Energiesparen hat hier noch nicht den Stellenwert wie etwa in Deutschland oder in anderen Ländern der Region. Natürlich haben wir auch in Ungarn auf dem hiesigen Isolationsmarkt große Marktanteile. Nur leider ist man hier bei eher konzeptionellen, innovativen Lösungen noch sehr zurückhaltend. An uns liegt es sicher nicht. Wir haben hier schon etliche Versuche unternommen. Oft wird bei Projekten nur sehr kurzfristig gedacht und nicht langfristig kalkuliert. Da wird dann schon mal ein Haus vermeintlich wärmeisoliert, was aber unter Energiesparaspekten als eher suboptimale Lösung angesehen werden muss.

Wie wollen Sie die Situation verändern?

Wir haben Kontakte mit den offiziellen Stellen, unter anderem im Bauministerium, sind aktives Mitglied im ungarischen Passivhausverband  (MAPASZ) und denken gemeinsam darüber nach, wie man die Situation verändern kann. Wir möchten einfach unseren großen Erfahrungsschatz auch gerne Ungarn zugutekommen lassen. Im Übrigen sind wir nicht krampfhaft darauf bedacht, dass bei einer Komplettlösung nur BASF-Produkte zum Einsatz kommen. Es geht uns erst einmal um die Projekte überhaupt. Dass bei ihnen bei optimaler Planung und unter Berücksichtigung von Kosten-Nutzen-Aspekten dann mit hoher Wahrscheinlichkeit auch unsere Produkte direkt oder indirekt zum Einsatz kommen, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Wir sind offen für Kooperationen.




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