Nach Informationen des ungarischen Zentralamtes für Statistik
schrumpfte das ungarische BIP im dritten Quartal um 1,8% gegenüber dem
Vorquartal. Damit ist die ungarische Wirtschaft das sechste Quartal in
Folge geschrumpft.
Nach Informationen des ungarischen Zentralamtes für Statistik schrumpfte das ungarische BIP im dritten Quartal um 1,8% gegenüber dem Vorquartal. Damit ist die ungarische Wirtschaft das sechste Quartal in Folge geschrumpft.
Lediglich die Rate hat sich leicht vermindert. So betrug sie im zweiten Quartal noch 2%. Auf Jahresbasis schrumpfte die ungarische Wirtschaftlich im zweiten Quartal um 7,5%, im dritten jedoch nur noch um 7,2% gegenüber der Vorjahresperiode. Was zum BIP-Rückgang im dritten Quartal geführt hat, lässt sich gegenwärtig mangels genauerer Daten noch nicht genau sagen. Hauptverdächtiger ist aber der Konsum, sowohl der private als auch der öffentliche. Immerhin fielen wichtige Stabilisierungsmaßnahmen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer und einiger Verbrauchssteuern ins dritte Quartal. Die schwächere Nachfrage wird wiederum bei der Produktion ihre Spuren hinterlassen haben. Dazu kommt, dass das Produktionsvolumen der ungarischen Industrie in den beiden Sommermonaten im Vormonatsvergleich stets leicht rückläufig ist und erst im September wieder zulegt. Überdrein schwächelt in diesem Jahr die Landwirtschaft. Für das vierte Quartal sind vorerst jedoch keine derartigen negativen Impulse absehbar. So ist es sehr wahrscheinlich, dass sich Ungarn mit einem positiven Quartalswachstum aus dem Krisenjahr 2009 verabschieden wird – wenngleich die Rate im Vergleich zur Vorjahresperiode natürlich weiterhin negativ bleibt. Insgesamt wird es 2009 zu einer stärkeren Rezension kommen als wir vorhergesagt hatten. Wir rechnen jetzt mit einem BIP-Rückgang von 6,5-6,7%. Von unserer – schon vor einigen Monaten geäußerten – Wachstumsprognose für 2010 von einem halben Prozent rücken wir jedoch nicht ab. Neben Basiseffekten werden sich im kommenden Jahr nicht zuletzt auch die externen Rahmenbedingungen positiv auf die Entwicklung der ungarischen Konjunktur auswirken. Diesbezüglich war es letzte Woche eine sehr gute Nachricht, dass die Euro-Zone im dritten Quartal mal wieder ein Wachstum und zwar von 0,4% vorgelegt hatte. Währenddessen ist der Anstieg der ungarischen Verbraucherpreise geringer ausgefallen als noch im Oktober erwartet. Gegenüber einem damaligen Konsens von etwa 0,2% gab es keinen allgemeinen Preisanstieg. Außerdem sind die Referenzerträge von ungarischen Staatspapieren und Schatzbriefen deutlich gesunken, während der Forint gemeinsam mit den anderen MOE-Währungen den Großteil seiner Verluste der zurückliegenden Wochen wieder wettmachen konnte. So gibt es kaum Gründe, die beim Treffen der obersten Währungshüter in dieser Woche gegen eine Leitzinssenkung um weitere 50 Basispunkte sprechen. Die Geldmärkte scheinen immer mehr Vertrauen in die Haushaltspolitik der gegenwärtigen Regierung zu fassen. Daran ändert auch nichts, dass sowohl der IWF als auch die EU mit einer geringfügigen Erhöhung des Haushaltsdefizits rechnen. Sie gehen jetzt von 4,1 statt wie bisher 3,9% aus. Selbst wenn jeder weiß, dass Steuerschätzungen unter den gegenwärtigen Umständen ein schwieriges Unterfangen sind. Bezüglich der Wirtschaftspolitik für das kommende Jahr gibt es aber doch einige größere Fragen. In welchen Umfang beabsichtigt die Regierung etwa die Transferzahlungen für die Kommunalverwaltungen und die ungarischen Staatsbahnen (MÁV) zu senken? Wie auch immer die genauen Entscheidungen lauten werden, das Defizit sollte 2010 bei rund 4% des BIP bleiben – sogar im schlechtesten Fall. Das sehen auch die IWF- und die EU-Analysten so. Die wirklich entscheidende Frage bleibt aber weiterhin, welchen Wirtschaftskurs die nächste Regierung einschlagen wird. In dieser Hinsicht stimmt es wenig zuversichtlich, dass Fidesz-Spitzenexperten in Wirtschaftsfragen immer wieder betonen, dass sie eher auf Wachstum als auf Gleichgewicht setzen. Sollte dies zu einer deutlichen Erhöhung des Haushaltdefizits führen, müssten auch die Vereinbarungen mit dem IWF und der EU neu verhandelt werden und würden die Kosten zur Finanzierung des Staatsdefizits steigern. Nur solche Überlegungen könnten die Führung der Ungarischen Nationalbank jetzt von weiteren Leitzinssenkungen abhalten.
Zoltán Ádám, Chefvolkswirt der Takarékbank Zrt.
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