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Von Gergely Kispál   
Mittwoch, 11. November 2009
Am vergangenen Mittwoch unterzeichneten Vertreter der siegreichen Unternehmen FM 1 und Advenio die Sendekonzessionen über die beiden landesweiten Rundfunkfrequenzen. Vonseiten des Landesrates für Rundfunk und Fernsehen (ORTT) setzte die Fidesz-Delegierte Annamária Szalai ihren Namen unter das Dokument, da ORTT-Präsident László Majtényi aus Protest gegen die Entscheidung der ORTT-Delegierten für FM 1 und Advenio seinen Rücktritt erklärt hatte.
Am vergangenen Mittwoch unterzeichneten Vertreter der siegreichen Unternehmen FM 1 und Advenio die Sendekonzessionen über die beiden landesweiten Rundfunkfrequenzen. Vonseiten des Landesrates für Rundfunk und Fernsehen (ORTT) setzte die Fidesz-Delegierte Annamária Szalai ihren Namen unter das Dokument, da ORTT-Präsident László Majtényi aus Protest gegen die Entscheidung der ORTT-Delegierten für FM 1 und Advenio seinen Rücktritt erklärt hatte.

Bereits in der vorvergangenen Woche entschied der ORTT, die beiden einzigen landesweiten Frequenzen für private Rundfunksender an die Unternehmen FM 1 und Advenio zu vergeben (die BZ berichtete). Zuvor waren zwölf Jahre lang die äußerst beliebten Unterhaltungssender Danubius und Sláger Rádió auf diesen Wellen zu hören gewesen. Ab dem 19. November ist damit Schluss.
Die Entscheidung ist insofern problematisch, als dass die beiden Sieger, die eindeutig den zwei großen Parteien MSZP und Fidesz zuzuordnen sind, nach Ansicht der ORTT-Experten völlig unrealistische Finanzierungspläne vorgelegt haben. So wollen beide bis zu 55 Prozent ihrer Einnahmen als Konzession bezahlen, was in der Medienbranche gänzlich unüblich ist. Private Fernsehsender bezahlen etwa 5 Prozent, die beiden unterlegenen Radiosender hatten rund 15 Prozent ihrer Einnahmen dafür aufgewendet; der Rest der Mindestgebühr für die Konzession in Höhe von jährlich 350 Millionen Forint war als Festbetrag eingezahlt worden. Im Normalfall müssten die beiden neuen Sender auf Grund der hohen Prozentquoten Milliardenbeträge zahlen, was sie durch einen branchenüblichen Trick umgehen können: Die gesamte Marketingtätigkeit wird über externe Firmen abgewickelt, die einen Großteil der Anzeigenverkäufe für sich behalten. Damit werden die effektiven Einnahmen der Sender selbst minimiert. Fachleute halten es für einen Fehler des ORTT, diese so genannte „sales house“-Konstruktion in den Ausschreibungsunterlagen nicht ausdrücklich untersagt zu haben.

Ungleiche Chancen

Nicht, dass die Ausschreibung die Bewerber besonders gestört hätte: Obwohl es beispielsweise eigentlich Bedingung gewesen wäre, andere Beteiligungen an Radiosendern abzugeben, sah Advenio keinen Anlass zu erklären, im Falle des Sieges seine Anteile an dem Budapester Sender Lánchíd Rádió aufzugeben. Dennoch wurde die Bewerbung des Fidesz-nahen Unternehmens vom Landesrat durchgewinkt. Ob FM 1 seine Beteiligung am populären Budapester Sender Radiocafé abgibt, stand bei Redaktionsschluss ebenfalls noch nicht fest. Auf der anderen Seite wurde  der Wettbewerber Zene Rádió ausgeschlossen – mit der Begründung, seine Bewerbung sei wirtschaftlich nicht haltbar, da der Sender 55 Prozent seiner Einnahmen als Konzessionsgebühr abführen wollte. Bei den beiden parteinahen Bewerbern schien dasselbe nicht zu stören.

Mit dem Holzhammer

Alles in allem hat also eine informelle große Koalition aus MSZP und Fidesz sich selbst einige Vorposten auf einem bislang weitgehend politikfreien Segment des Medienmarktes gesichert. Der MSZP-nahe Sender wird auf den Namen Neo FM, der Fidesz-nahe auf den Namen Klassz FM hören. Beide werden beliebte Moderatoren der unterlegenen Sender Danubius und Sláger Rádió übernehmen und auf diese Weise eine Kontinuität vortäuschen, die es aber nicht gibt. Fakt ist: Zwei sehr mainstreamige, aber immerhin politisch nicht einzuordnende Medien werden ab dem 19. November zwei Parteigebundenen Platz machen.
Allerdings will man sich bei den Unterlegenen nicht so schnell geschlagen geben. Zene Rádió kündigte bereits an, vor Gericht zu gehen, ebenso wie die beiden ausgebooteten Sender. Immerhin stehen auch bei ihnen mächtige Eigentümer im Hintergrund. Sláger Rádió gehört einem Nasdaq-notierten US-amerikanischen Konzern, Danubius wird gar von der EBRD gehalten. Kein Wunder also, dass Insiderinformationen zu Folge in den Wochen vor der ORTT-Entscheidung Medienpolitiker von MSZP und Fidesz den Eigentümern „empfahlen“, die Sender in das Eigentum ungarischer Unternehmen zu geben. Auf diese Weise hätten sie ihre Frequenzen behalten können und wären wohl früher oder später auf diesem Wege unter politischen Einfluss geraten. Die EBRD und die Amerikaner erwiesen sich jedoch als unbestechlich, so dass die Großparteien sich ihren Einfluss im privaten Radiobereich – einem wichtigen Medium im nahenden Wahlkampf – mit dem Holzhammer sichern mussten.                   


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