Kürzlich wurde der Bosch-Preis „Életre tervezve“ verliehen. Zu diesem Anlass unterhielt sich die Budapester Zeitung mit Jan Peter Stadler, dem Leiter der Entwicklungsabteilung, über den Innovationsanspruch von Bosch.
t Gibt es den Wettbewerb „Életre tervezve“ nur in Ungarn, oder hat er auch eine internationale Bezeichnung? „Életre tervezve“ ist die ungarische Version des internationalen Bosch-Slogans „Invented for life“ beziehungsweise „Technik fürs Leben“. Einen „Invented for Life“-Preis gab es bereits letztes Jahr in Österreich, in Ungarn haben wir ihn in diesem Jahr zum ersten Mal veranstaltet.
t Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Wettbewerb? Es gibt eine recht positive Resonanz. Wir sprechen mit so etwas ja immer zwei Kreise an. Zum einen die Öffentlichkeit, die wir auf unser Unternehmen aufmerksam machen möchten, und zum anderen ganz gezielt Studenten im naturwissenschaftlichen und ingenieurswissenschaftlichen Bereich, für die wir interessant sein sollten als potenzieller zukünftiger Arbeitgeber, als eine Firma, die an der vordersten Front der Entwicklung steht. Auf diese Weise pflegen wir zudem Kontakte zu den Universitäten.
t Also ist der Wettbewerb so eine Art Talentshow. Einerseits stellen wir den Anspruch dar, den wir an uns selbst, an unsere Mitarbeiter und an unsere potenziellen Mitarbeiter haben. Auf der anderen Seite ist das eine Gelegenheit, unsere Aktivitäten hier in Ungarn zu präsentieren. Wir haben etwa 7.000 Mitarbeiter an verschiedenen Standorten im Land. Damit machen wir unsere Rolle hier deutlich. Eines unserer Ziele ist die Unterstützung der naturwissenschaftlichen Ausbildung. Das beginnt in den Schulen und geht natürlich bis in die Universitäten hinein.
t Wie viele haben an Ihrem „Életre tervezve“-Wettbewerb teilgenommen? Der Wettbewerb wurde Ende des vergangenen Jahrs ausgeschrieben, von November bis Januar haben wir 47 Einsendungen erhalten. Die Themen sind teilweise von uns vorgegeben worden, es gab aber auch die Möglichkeit für die Studenten, selbst ein Thema zu wählen. Die Wettbewerbsbeiträge waren auf den Schwerpunkt der Bosch-Gruppe hier in Ungarn ausgerichtet, nämlich den Bereich Automobiltechnologie und Automobilelektronik. Die Teilnehmer sind dann unseren Standorten zugeordnet worden und haben dort je einen Betreuer zur Verfügung gestellt bekommen. Dennoch war der Ablauf so ausgerichtet, dass die Studenten möglichst selbständig arbeiten konnten. Von den verwirklichten Arbeiten wurden die besten fünf anhand eines Punktesystems von den Betreuern für die Finalrunde nominiert.
t Wie ist der Sieger aus dieser Runde ermittelt worden? Eine Jury aus zwei Professoren und einem Kollegen aus dem Bosch-Werk in Hatvan hat die Arbeiten, die Dokumentationen und die Vorträge der Teilnehmer bewertet und den Sieger ermittelt. Sie haben aber sehr richtig betont, dass eigentlich alle, die in dieser Finalrunde dabei waren, gewonnen haben. Denn die Qualität aller fünf Arbeiten war wirklich sehr hoch.
t Wie geht es für die Gewinner weiter? Einerseits haben sie Sachpreise gewonnen, zum Beispiel Laptops und Gutscheine für Bosch-Produkte. Aber ich glaube, was für die Studenten eine sehr wichtige Erfahrung sein wird, ist, dass sie die Möglichkeit haben, nach Deutschland gehen zu können. Der Gewinner wird für zwei Monate, die Zweit- und Drittplatzierten immerhin für eine Woche Gelegenheit haben, sich an einem Bosch-Standort in Deutschland anschauen zu können, wie man in so einer Entwicklungsumgebung arbeitet. Zudem werden sie sich anschauen können, wie es in einem anderen Land, in dem Unternehmen und nicht zuletzt in der wirklich Praxis aussieht.
t Behalten Sie die Wettbewerbsteilnehmer auch für später im Blick? Wir sind natürlich interessiert. Der Wettbeweb dient ja auch dazu, Studenten auf uns aufmerksam zu machen, ihnen zu zeigen, welche interessanten Aufgaben wir haben. Und wenn wir den einen oder anderen Finalisten in Zukunft bei uns in der Bosch-Gruppe in Ungarn begrüßen können, freuen wir uns sehr darauf. Einen Wettbewerbsteilnehmer, der zwar nicht unter den ersten fünf war, aber trotzdem eine sehr schöne Arbeit geleistet hat, haben wir übrigens schon hier in Budapest angestellt. Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass die Studenten in sehr unterschiedlichen Phasen ihres Studiums stecken. Die meisten haben gerade den Bachelor abgeschlossen und stellen sich die Frage, ob sie noch einen Master machen. Da hoffen wir natürlich, dass sie dann später, wenn sie sich nach einem Arbeitsplatz umsehen, sich an Bosch erinnern.
t Planen Sie schon die nächste Runde? Das kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen. Wir machen demnächst eine Bewertung und ziehen ein Fazit. Dabei müssen wir auch in Betracht ziehen, wieviel Aufwand wir da hineinsteckt haben. Ich würde dem Preis aber eine hohe Chance zu einer Neuauflage zubilligen. Wir machen aber auch andere Dinge, die die Zusammenarbeit mit den Universitäten intensivieren. Erst im September hatten wir die Abschlussfeier der deutsch-ungarischsprachigen Studiengänge, und wir haben zwei Labors an der Technischen Universität Budapest. Eines, in dem zum Thema Elektromagnetische Verträglichkeit geforscht wird, wurde erst im April eingeweiht. Wir werden diese Aktivitäten sehr gezielt weiterführen, müssen aber in der heutigen Krise trotz allem darauf achten, was wir uns leisten können.
t Was erhoffen Sie sich von diesen Engagements? In Budapest hatten wir in den letzten Jahren einen Personalzuwachs von rund 100 Mitarbeitern pro Jahr, auch in Hatvan und den anderen Standorten hat ein starkes Wachstum stattgefunden. Dazu muss man die Aufmerksamkeit der Studenten gewinnen. Hinzu kommt, dass das Interesse von jungen Leuten an Naturwissenschaften und Technik nicht ganz so groß ist, wie wir uns das wünschen. Sie gelten häufig als relativ schwere Themen, und die Jugendlichen für so etwas zu begeistern, ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Das ist ja das, wovon wir in Europa leben: Von unserem Know-How, von unserer Expertise, und das müssen wir entsprechend pflegen. Ungarn hat eine hervorragende Tradition in diesem Bereich. Das muss man weiter fördern.
Fällt es Ihnen leicht, Mitarbeiter
Artikel kommentieren
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
BudapestJazzforum Budapest 2010Yes, that’s Jazz. Internationale Völkerverständigung und Kulturaustausch bietet auch dieses Jahr das Programm des Jazzforums Budapest. Vom 8. bis 12 September erfreuen Künstler aus der ganzen Welt, in produktiver musikalischer Zusammenarbeit, das Publikum. more
Politische AnalyseAnalyse des Instituts MéltányosságEin Witz! – Witzparteien, und was dahintersteckt. Witzparteien gibt es rund um den Globus in vielen Ländern. Sie setzen sich für scheinbar sinnlose Ziele ein und in ihren Programmen wimmelt es nur so von unmöglichen, aber doch sympathischen Ideen. Allerdings: Nicht selten treffen die Zielsetzungen der Witzparteien den Nerv der Zeit, oder spiegeln gesellschaftliche Tendenzen wieder. more
Im FokusHistoriker Krisztián Ungváry rechtskräftig zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Forint verurteiltFacebook neutralisiert Urteil des Obersten Gerichts. „Ich war einfach nur empört über das Urteil und beschloss spontan zu helfen“, erinnert sich Imre Váczi. Seit etwa zwei Wochen gibt es auf Facebook eine von ihm ins Leben gerufene Gruppe mit dem Namen „Lasst uns die Strafe von Krisztián Ungváry bezahlen!“. Bis zum vergangenen Freitag hatten sich hier bereits über 730 Leute registriert. Bisher wurden dem Historiker auf diesem Weg von 225 Personen etwa 710.000 Forint gespendet. more
Top-Manager im GesprächIm Gespräch mit Markus Hilken, dem Budapester Support Director von SAPIdeen zum Wohle aller. Das deutsche Softwareunternehmen SAP ist einer der aktivsten Großkonzerne, wenn es um die Generierung und Umsetzung von Ideen seiner Mitarbeiter geht. Die Budapester Zeitung unterhielt sich mit dem Budapester Support Director Markus Hilken über die Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln, sie auszuarbeiten und zu verwirklichen. more