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Das Bild ist der Boss PDF Drucken E-Mail
Von Verena Nitsche   
Montag, 21. September 2009
Versteckt und unscheinbar am Klauzál tér befindet sich die Galerie von Stephen Zeigfinger, die seit dem 6. August 2009 für Besucher geöffnet ist. Die Bilder des amerikanischen Künstlers, der seit sechs Jahren in Budapest lebt, bestechen durch eine Mixtur aus verschiedenen Materialien und Arbeitstechniken. Vor allem aber durch eines: Farbe.

Eigentlich ist Stephen Zeigfinger promovierter Psychologe, bis er mit 30 Jahren begann das zu tun, wofür er eigentlich lebt: malen. Ende der 40er Jahre in New York City geboren, wuchs Zeigfinger bei seiner Tante auf, die ihn an die Malerei heranführte. Nach langjährigen Aufenthalten in Südamerika, Kalifornien und Spanien zog es ihn 2003 nach Budapest, weil er von der pulsierenden Stadt fasziniert war. In einer kleinen Galerie am Klauzál tér können nun Besucher seine Bilder bewundern, die in den letzten sechs Jahren entstanden sind.

Image

Abstrakte Farbenwelt

Unübersehbar ist die Fülle an Farben, mit denen Zeigfinger seinen Werken Ausdruck verleiht. Seine Arbeitstechniken sind verschiedenartig: Aquarellmalerei, Pastellmalerei oder Ölfarben auf Sandpapier wechseln sich ab und sind oft in einem Bild miteinander vereint. Eine bestimmte Art der Farbgebung findet sich in besonders zahlreichen Bildern: Farben, die vom oberen Teil des Bildes herunterlaufen, was durch Kippen des Bildes unmittelbar nach dem Auftragen der Farbe erreicht wird.

Tiefe schaffen

Seine jetzige Heimatstadt Budapest stellt für den Künstler eine enorme Inspirationsquelle dar, was auch an den Titeln seiner Bilder zu erkennen ist, zum Beispiel „Budapest Wall“. Am Anfang eines jeden Bildes von Stephen Zeigfinger stehen eine grobe Vorstellung des Ergebnisses und eine Farbe. Den Entstehungsprozess prägt das Bild selbst, denn „das Bild ist der Boss“, wie der Künstler sagt. Während er malt, ist Zeigfinger wie in Trance, in einem Zustand, in dem reelles Denken ausgeblendet ist und die Konversation mit dem Bild im Mittelpunkt steht. Eine besondere Schwierigkeit liegt der Ansicht des Künstlers nach im Zeichnen von kleinen Bildern: Hier muss auf kleinstem Raum versucht werden, eine Balance zu schaffen, was wiederum nur durch eine sehr präzise Farbwahl gelingen kann. Die größte Herausforderung, die abstrakte Kunst an den Künstler stellt, ist es, Tiefe in einem Bild zu schaffen, obwohl es eigentlich flach ist. Ein Bild sticht beim Besichtigen der Galerie besonders ins Auge, bei dem es dem Galeriebesitzer gelungen ist, durch Verwendung von dunklen Farben und vertikalen Streifen im Vordergrund und hellen Farben in Kombination mit horizontalen Streifen im Hintergrund die genannte Tiefe zu schaffen. Besonderen Wert legt Zeigfinger auf die Harmonie zwischen Bild und Bilderrahmen, beide müssen verschmelzen um beim Betrachter eine Wirkung auszulösen.

Durch ein Schild vor dem Eingang zu Stephen Zeigfingers Galerie, auf dem in acht Sprachen „geöffnet“ steht, bittet der Künstler die Besucher herein. Jeder, der sich auf abstrakte Farbwelten einlassen möchte und dazu die Konversation mit dem Künstler selbst nicht scheut, sollte diese Einladung annehmen.
    



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