LeitartikelSchwimm-Europameisterschaft in UngarnErfolgreicher Auftakt für Deutschland. Bei der Schwimm-Europameisterschaft 2010 in Ungarn, die am Mittwoch vergangener Woche begonnen hat, holten gleich zwei deutsche Athleten bei den Wettkämpfen am Plattensee Medaillen. Den Anfang machte am ersten Wettbewerbstag Thomas Lurz, er holte sich über die Langstrecke der Herren - 10 Kilometer Schwimmen im Plattensee - Gold. more
ZeitgeschehenPál Schmitt in das Amt des Staatspräsidenten eingeführtRevolutionsrhetorik jetzt auch im Sándor-Palast. Am vergangenen Freitag wurde Pál Schmitt in feierlichem Rahmen in sein Amt eingeführt. Damit ist der vierte Staatspräsident der 3. Republik offiziell im Amt. more
WirtschaftMalév entlässt deutschen ManagerNicht marktfähig. Am vergangenen Dienstag gab die staatliche Fluggesellschaft Malév die Entlassung von Karim Makhlouf bekannt. Der deutsche Manager war mit der Ausarbeitung und Implementierung einer neuen Sales-Strategie betraut und gilt als Verantwortlicher für die Milliardenverluste der Fluggesellschaft. more
PanoramaGekürzte staatliche Förderung gefährdet unabhängige Kultureinrichtungen „Spielzeit des Überlebens“. Ungarns unabhängige Theaterszene hat die Folgen der staatlichen Haushaltskrise hart getroffen, einige Institutionen sind existentiell gefährdet. Im Zuge von finanziellen Engpässen zahlt das Kulturministerium vorerst nur 66 Prozent des jährlichen Fördergeldes. Gleichzeitig verzögert sich dessen Auszahlung um Monate: Grund ist die Praxis des staatlichen Vergabeverfahrens. Diese wird von den Theatern schon seit Jahren kritisiert, aber die derzeitige Situation ist für die Institutionen unbekannt folgenreich: Vielerorts wird schon seit Monaten ohne Lohn oder auf Kredit gearbeitet. more
GesellschaftMilitary Film & Movie Service setzt auf UngarnExerzieren für den Ernstfall. Auf dem Hof eines stillgelegten landwirtschaftlichen Speichers in Zámoly bei Székesfehérvár (Mittelungarn) bot sich am vorletzten Wochenende ein ungewohntes Bild: Den Kommandos von zwei deutschen Ausbildern folgend exerzierten dort zwei Dutzend Ungarn in deutschen Uniformen. Mit viel Ernst bei der Sache wurde marschiert und gerobbt. Teilweise sogar mit Waffen. more
KulturExperiDance in der László Papp Sportarena„Tanz als nonverbale Kommunikation“. Eine atemberaubende Aufführung mit einer Mischung aus Csárdás, Volkstanz, modernem Tanz und Ballett verspricht das Tanzensemble ExperiDance den Besuchern bei der Galaaufführung der Vorstellung „Tausendundein Jahr“ am 15. August in der Budapester László Papp Sportarena. more
MeinungLeitartikel über den erstarkenden Einfluss der ZivilgesellschaftEmanzipiert. In den vergangenen Wochen sind – von den Medien nur am Rande beachtet – die drei wohl umstrittensten Immobilien-Großprojekte Ungarns eingestellt worden. Die neue Regierung und ihre in der Praxis kaum manifestierten Verbalattacken gegen die Exponenten des „alten Systems“ hatten keinen Anteil daran, ganz im Gegenteil zu einer erstarkenden Zivilgesellschaft und den unabhängigen Online-Medien. Sie waren es, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die wahnwitzigen Hotel-, Wohnungsbau- beziehungsweise Rennbahnprojekte nun der Vergangenheit angehören. more
Am vergangenen Donnerstag traf Premier Gordon Bajai seinen slowakischen Amtskollegen Robert Fico in Szécsény, um die Streitigkeiten zwischen den beiden Nachbarländern zu begraben. Nach einer Stunde Diskussion hinter geschlossenen Türen gaben die beiden Staatsoberhäupter ein gemeinsames 11-Punkte-Programm bekannt. Darin wird zur Verbesserung der Kommunikation zwischen den Ländern die Bildung von bilateralen Ausschüssen auf Regierungsebene sowie in der Zivilgesellschaft angestrebt. Trotz dieser ersten Annäherung wurde das Ergebnis des Treffens seitens der ungarischen Opposition ablehnend aufgenommen.
In der Abschlusserklärung des rund einstündigen Treffens hieß es, dass beide Seiten das Einreiseverweigerung für Ungarns Staatspräsidenten László Sólyom am 21. August „bedauern“. Dies ist insofern erstaunlich, als dass die Slowakei bislang überhaupt nichts „bedauerte“, sondern vielmehr in gemimt unverständiger Weise stets beteuerte, alles richtig gemacht zu haben. Für die Zukunft wollen die beiden Länder ein gemeinsames Regelwerk für solche und ähnliche Fälle aufstellen.
In der Sache des umstrittenen Staatssprachengesetzes, das den Gebrauch einer anderen Sprache als der slowakischen in zahlreichen Bereichen des öffentlichen Lebens unter Geldstrafe stellt, erklärt sich die Slowakei in Punkt 5 der gemeinsamen Vereinbarung bereit, auf die Empfehlungen von Knut Vollebaek, des Hohen Kommissars für nationale Minderheiten der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, zu reagieren. Nur einen Tag nach dem Treffen kündigte Vollebaek einen Besuch in Bratislava an, um dort gemeinsam mit Kultusminister Miroslav Lajcák und Beamten des Ministeriums Richtlinien für die bis heute nicht existierende Durchführungsverordnung zum Sprachgesetz zu erarbeiten.
Robert Fico selbst sagte, er sei zufrieden mit dem Treffen, und lud Bajnai zu weiteren Gesprächen in die Slowakei ein. Er wies von sich, dass das Gesetz dazu verwendet werden könne, ungarischsprachige Personen für den Gebrauch ihrer Muttersprache im Alltag zu bestrafen.
Fico sprach von einem Medienfeldzug gegen die Slowakei, in dem die ethnischen Ungarn als unterdrückte Minderheit betrachtet werden. „Ich würde gerne garantieren, dass das Gesetz den Gebrauch der ungarischen Sprache nicht einschränkt,“ sagte Fico. Gordon Bajnai wiederum erklärte, dass die gemeinsame Erklärung ihren Nutzwert für die Kooperation erst noch beweisen müsse; man werde sehen, wie die Slowakei sich in den kommenden Monaten verhalte. „Wir werden in einem Jahr wissen, ob jemand für das Ungarischsprechen bestraft wurde“, sagte Bajnai.
„Vom Standpunkt Europas aus sehen wir so aus wie zwei Kinder, die im Sandkasten streiten und nach der Kindergärtnerin schreien“, sagte Bajnai zu dem gesamten Konflikt. Er warnte davor, die Politik von Gefühlen bestimmen zu lassen, gerade wenn große Probleme wie die Wirtschaftskrise oder die steigende Arbeitslosigkeit auf der Tagesordnung stünden.
Der versönliche Ton des ungarischen Premiers wurde von der heimischen Opposition kritisiert. „Fico hat mit Bajnai den Boden aufgewischt“, urteilte Fidesz-Außenpolitiker Zsolt Németh am vergangenen Donnerstag. Einen Tag darauf beschrieb Németh die gemeinsame Erklärung mitsamt Pressekonferenz als „ernsthafte, erniedrigende diplomatische Niederlage.“ Ähnlich sah es Pál Csáky, Vorsitzender der Partei der Ungarischen Koalition (SMK). Csáky bezeichnete die ungarische Delegation als „servil“ und gab seinem Bedauern Ausdruck, dass nicht mehr erreicht werden konnte. „Im Falle eines Wahlerfolgs des Fidesz rechne ich mit einem entschiedeneren Auftreten gegenüber der slowakischen Regierung“, so Csáky. Weit weniger verständlich als Csákys Enttäuschung ist das Bedürfnis des tschechischen Staatspräsidenten Václav Klaus, sich in der Angelegenheit zu äußern. Klaus zeigte Verständnis für die slowakischen Ängste, da er „gewisse langfristige Expansionsambitionen Ungarns“ spüre.
Glücklicherweise verließ sich Ungarns Außenminister Péter Balázs nicht auf sein Gespür und rief am vergangenen Freitag auf Grundlage des unterzeichneten Papiers zur Besonnenheit in Bezug auf das Ergebnis des Gesprächs auf. „In den vergangenen Wochen hieß es vonseiten der Slowakei noch, dass das Sprachgesetz die internationale Gemeinschaft nichts angehe, am Donnerstag akzeptierte Bratislava jedoch sämtliche Empfehlungen des Hohen Kommissars der OSZE“, resümierte Balázs. Der Minister wies darauf hin, dass das Sprachgesetz geändert werden müsse, man von der Slowakei jedoch nicht erwarten dürfe, dieser Forderung „innerhalb von einer Woche“ zuzustimmen. „Die ungarische Seite wird die Slowaken Schritt für Schritt, mit internationaler Hilfe davon überzeugen“, so Balázs kämpferisch. Insgesamt bewertet Péter Balázs das Treffen weder als eindeutigen Misserfolg noch als Erfolg. Gerade deswegen könne man die Äußerungen der Opposition „nur auf der Ebene der Tagespolitik“ verstehen, meinte Balázs.
Artikel kommentieren
Nur registrierte Benutzer können Kommentare schreiben. Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich.
Parlamentswahlen 2010Gordon Bajnai übergibt an Viktor OrbánLeiser Abgang und deftige Rhetorik. Am vergangenen Samstag wurde in feierlichem Rahmen die neue Regierung unter Führung Viktor Orbáns vereidigt. Im Anschluss an den Festakt im Parlament schlugen Politiker des Fidesz, darunter auch Orbán, eine Brücke zu den Protesten gegen den ehemaligen Premier Ferenc Gyurcsány (MSZP) und feierten mit rund 10.000 Anhängern auf dem Kossuth tér eine Mischung aus Volksfest und Demonstration. more
GastronomieKredenc-Bistro in BalatonfüredFranzösisches Flair am Balaton. Flaniert der Besucher Balatonfüreds durch den mondänen und fein herausgeputzten Stadtteil (siehe Artikel S. 14), stößt er in der Blaha Lujza utca direkt neben der Konditorei Kedves auf das Weinbistro Kredenc (Kredenz). more
BudapestNationalfeiertag mit spendiertem Feuerwerk und PflaumenkloßtorteIm Zeichen des Zusammenhalts. Ein bescheidenes und trotzdem sehenswertes Fest plant die Regierung dieses Jahr für den Nationalfeiertag am 20. August. Statt auf Prunk und Glanz setzt sie auf Zusammenhalt und will die Millionen, die sonst für die Feierlichkeiten ausgegeben werden, lieber zur Unterstützung der Opfer der Hochwasserkatastrophe im Mai ausgeben. more
Politische AnalyseMéltányosság-AnalyseWarum die Regierung gegenüber dem IWF so widerborstig ist.Die Verhandlungen zwischen dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Regierung von Viktor Orbán über einen neuen Stand-by-Kredit für Ungarn mündeten am vorvergangenen Wochenende in einem offenen Konflikt. Grund dafür war der abrupte Abbruch der Budapester Verhandlungen durch die Delegierten des IWF und der Europäischen Kommission. Die westlichen Wirtschafts- und Finanzblätter kommentierten die Haltung der Regierung Orbán mit Befremden. more
Im FokusHistoriker Krisztián Ungváry rechtskräftig zu einer Geldstrafe von zwei Millionen Forint verurteiltFacebook neutralisiert Urteil des Obersten Gerichts. „Ich war einfach nur empört über das Urteil und beschloss spontan zu helfen“, erinnert sich Imre Váczi. Seit etwa zwei Wochen gibt es auf Facebook eine von ihm ins Leben gerufene Gruppe mit dem Namen „Lasst uns die Strafe von Krisztián Ungváry bezahlen!“. Bis zum vergangenen Freitag hatten sich hier bereits über 730 Leute registriert. Bisher wurden dem Historiker auf diesem Weg von 225 Personen etwa 710.000 Forint gespendet. more
Top-Manager im GesprächIm Gespräch mit Markus Hilken, dem Budapester Support Director von SAPIdeen zum Wohle aller. Das deutsche Softwareunternehmen SAP ist einer der aktivsten Großkonzerne, wenn es um die Generierung und Umsetzung von Ideen seiner Mitarbeiter geht. Die Budapester Zeitung unterhielt sich mit dem Budapester Support Director Markus Hilken über die Möglichkeiten, Ideen zu entwickeln, sie auszuarbeiten und zu verwirklichen. more