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„Die Stelle war wie auf mich zugeschnitten“ PDF Drucken E-Mail
Von Henrike Busch und Verena Nitsche   
Montag, 14. September 2009
ImageHoch oben im vierten Stock des  Hauses in der Logodi utca öffnet eine Frau herzlich lächelnd die Tür, ihre sieben Monate alte Tochter auf dem Arm. Um sie herum stehen und liegen verstreut  volle und leere Umzugskartons; Familie Erlbruch ist gerade in Budapest angekommen.

Am Klingelschild steht noch „Wellmer“, der Name des ehemaligen Pfarrers der deutschsprachigen evangelischen Gemeinde. Zwischen den Kartons steht Johannes Erlbruch, seit Anfang September neuer Pfarrer der Gemeinde, und entschuldigt sich. „Wir sind erst vor kurzem hier angekommen, gestern habe ich das erste Mal Religionsstunden in der deutschen Schule gegeben, und nebenbei stecke ich in den Vorbereitungen für meinen Einführungsgottesdienst.“  In diesem stellte sich der 41-Jährige am vorvergangen Samstag um 16 Uhr offiziell der evangelischen Gemeinde Budapests vor.

Bischof Fabiny steht ihm in den Vorbereitungen als langjähriger Freund und nun auch als Vorgesetzter zur Seite. Die beiden kennen sich aus Studienzeiten: Damals, vor 15 Jahren, engagierte sich Erlbruch neben seinem Studium in Erlangen im Martin-Luther-Bund für Kirchen osteuropäischer Minderheiten und traf dabei auf Fabiny. „Ich rief ihn auch sofort an, als ich im Pfarrerblatt die Ausschreibung las. Die Stelle war wie auf mich zugeschnitten. Er war, wie ich, auch gleich begeistert.“ Zu dieser Zeit war Johannes Erlbruch noch Pfarrer einer kleinen Gemeinde in Lüdenscheid, südlich des Ruhrgebiets. Sieben Jahre lang betreute er dort die evangelischen Gläubigen.

Seine theologische Laufbahn begann 1989 mit dem Studium in Tübingen. Nach drei Jahren reiste er als Stipendiat für zwei Semester nach Jerusalem und machte anschließend 1995 sein Examen in Erlangen. Gleich danach machte er seine ersten Erfahrungen mit Ungarn: Dem Rat von Bischof Fabiny folgend absolvierte er sein Vikariat in Szekszárd (Südungarn). Offiziell noch an der Universität eingeschrieben, reichte sein damaliges Stipendium von 440 D-Mark pro Monat noch für einen alten VW Polo, mit dem er sich zu seiner Hilfspfarrstelle in Szekszárd aufmachte. Sie war für den damaligen Absolventen eine willkommene Lösung, musste man doch in Westfalen zu der Zeit bis zu zwei Jahre auf eine freie Vikariatsstelle warten. Unterkunft fand er im Theologenwohnheim, wo ihm seine Mitbewohner, wenn auch manchmal etwas unsanft, die ungarische Sprache beibrachten: „Ich musste die Zahlen von dem Strichcode einer Milchflasche lesen,“ lacht er herzlich. Heute spricht er fließend ungarisch. Dafür ist wohl auch seine Frau mitverantwortlich: eine gebürtige Ungarin, die er in Szekszárd kennenlernte.

Sie haben heute drei Kinder. David (6), Christina (4) und Sophie, die mit ihren sieben Monaten sich als Einzige vom Umzug noch unbeeindruckt zeigt. Wie der Vater, hatte auch der Sohn am Samstag seinen ersten Tag, wurde David in der Thomas-Mann-Schule eingeschult. Die Kinder werden zweisprachig erzogen, Frau Erlbruch spricht als studierte Germanistin perfekt deutsch. „Ich glaube, meine Frau ist deutscher als ich“, stellt Erlbruch lachend fest.

Wenn Erlbruch über seine neue Stelle spricht, ist sein Enthusiasmus unüberhörbar. Mit diesem hat der Seelsorger wohl auch in seiner Probepredigt die wahlberechtigten Mitglieder der Gemeinde überzeugt. Von 40 Bewerbern auf die Stelle hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) drei Kandidaten ausgewählt, die sich im Frühjahr in Budapest vorgestellt haben. Man entschied sich am 23. März 2009 für den Westfalen Johannes Erlbruch. Von seinem Vorgänger Andreas Wellmer, der im Alter von 63 nach neun Jahren in Budapest turnusgemäß sein Amt niederlegte und nach Deutschland zurückkehrte, spricht Erlbruch mit großen Respekt.

Mit offenen Türen will er in die Fußstapfen des Vorgängers treten: Wie in Lüdenscheid steht seine Tür nun auch in Budapest allen offen, die sich in der Gemeinschaft wohl und dort zugehörig fühlen. In der Gemeinde konnte immer schon Mitglied werden, wer getauft ist und die Gemeindesatzung anerkennt, deswegen ist sie heute sehr kosmopolitisch. „Gemeindeaufbau geht über Kontakte. Meine Aufgabe wird sein, ins kalte Wasser zu springen“, charakterisiert er die Herausforderung seiner Arbeit. Seinen Schwerpunkt will er auf die allgemeine und die Gefängnisseelsorge, den Religions- und Konfirmationsunterricht sowie auf Studenten legen, um auch ihnen Gottesdienste anzubieten. Die Krabbelgruppe übernimmt seine Frau. „Ich werde versuchen kennenzulernen, wen ich kennenlernen kann!“ Eine große Hilfe stellt Pfarrer Albrecht Friedrich dar. Laut Erlbruch ist er die Säule der Gemeinde.

Auf die abschließende Frage, worauf er bei seinen Predigten besonderen Wert lege, antwortet er entschlossen und ohne zu zögern: „Mein Herz schlägt für Christus. Er verbindet die Gemeinde.“




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