„Ich freue mich, dass die Konrad-Adenauer-Stiftung für
ihre Konferenz das richtige Datum gewählt hat“, so der letzte
Ministerpräsident der Volksrepublik Ungarn und erste Premier der
Dritten Republik, wie sich Miklós Németh seinem Publikum selbst
vorstellte. Aus so berufenen Munde sicher ein wohltuendes Kompliment an
die Adresse von Stiftungsleiter Hans Kaiser und seine Mitarbeiter,
denen das Verdienst zukommt, am vergangenen Freitag, dem eigentlichen
Jahrestag der Grenzöffnung vor 20 Jahren die einzige größere
Gedenkveranstaltung in Ungarn veranstaltet zu haben.
Ursprünglich war das Paneuropäische Picknick als eine
Begegnungsveranstaltung von Österreichern und Ungarn an der Grenze bei
Sopron geplant. Die Welle von DDR-Flüchtlingen, die sich im
unmittelbaren Vorfeld des Picknicks mit der Hoffnung auf Ausreise nach
Ungarn ergoss, schrieb das Drehbuch der Veranstaltung um.
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
Sopron ist für uns Deutsche nicht nur eine besonders schöne Stadt ganz
im Westen Ungarns, sondern auch der Ort des Paneuropäischen Picknicks,
der Ort, an dem vor 20 Jahren für etwa 600 Bürger der damaligen DDR ein
Traum wahr wurde: Der Traum, in Freiheit zu leben.
Aufbau und Funktion der westlichen Grenzsicherungsanlage
Ungarns, in deren Mittelpunkt sich die so genannte elektronische
Signalanlage befand, waren recht einfach und spotteten eigentlich der
Bezeichnung „Eiserner Vorhang“.
Fluchtversuche durch das Dorngestrüpp an der Westgrenze
Ungarns, politische Entscheidungen in Zeiten der Unsicherheit; an all
dieses soll bei der Gedenkfeier zum Grenzdurchbruch in Sopron, am 18.
und 19. August, erinnert werden. Hunderte, von der
Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung „Paneuropäisches Picknick
‘89“ geladene Gäste werden den Konferenzen beiwohnen.
Die Geschichte der elektronischen Signalanlage, die vom
Ende der 1960er Jahre bis zum Frühjahr 1989 das Herzstück des „Eisernen
Vorhangs“ an der ungarischen Westgrenze bildete, begann im Jahr 1965.
Am 11. Mai beschloss das Politbüro der Un-garischen Sozialistischen
Arbeiterpartei (MSZMP), die in der Sowjetunion entwickelte Anlage an
der Grenze zu Österreich zu errichten.
Walburga Habsburg Douglas, die jüngste Tochter von Otto
von Habsburg und seiner Frau Regina, war 1989 als Generalsekretärin der
Paneuropa-Union und Vertreterin ihres Vaters, der neben dem ungarischen
Staatsminister Imre Pozsgay Schirmherr des Paneuropäischen Picknicks am
19. August war, maßgeblich für das Zustandekommen dieser Veranstaltung
verantwortlich. Gegenüber der Budapester Zeitung erinnert sie sich –
inzwischen ist sie Abgeordnete im schwedischen Reichstag – an den
August 1989.
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