Ursachen für die Verschwendung von Nahrung, wissen die Schülerinnen und Schüler der achten Schulstufe der Europaschule, gibt es viele: Angefangen bei einer falschen Lagerung über das Wegwerfen von noch genießbaren Lebensmitteln, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen ist, bis hin zu einer schlechten Essensplanung, wie es beispielsweise häufig im Gastronomiebereich vorkommt.


Problem Lebensmittelverschwendung

Doch nicht nur die Lebensmittelverschwendung ist in unserer heutigen Konsumgesellschaft zum Problem geworden. Auch der zu hohe Kleiderkonsum, der ungebremste Massentourismus, die unnötige Verpackung von Lebensmitteln und die Nutzung von Energiequellen, die nicht ressourcenfreundlich sind, bedrohen unsere Umwelt.

„Nachhaltigkeit ist unser Leben und unsere Zukunft“, weiß auch Evelin Stanzer, Direktorin der Österreichisch-Ungarischen Europaschule. Sie findet, je mehr sich die Konsumgesellschaft in eine Wegwerfgesellschaft entwickelt, desto wichtiger ist es, schon die Jugendlichen für das Thema Nachhaltigkeit zu sensibilisieren.

Auch der ALEV-Schule in Istanbul ist es ein Anliegen, das Bewusstsein der jungen Menschen für dieses Problem zu fördern. Dort hat man bereits im letzten Sommer einen Zertifikatskurs zum Thema Nachhaltigkeit angeboten, an dem 50 Schülerinnen und Schüler teilnahmen.


Vom Alleingang zur Kooperation

Das Zertifikatsprogramm habe sich unter den Jugendlichen schnell herumgesprochen und so sei eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Themenschwerpunkt Nachhaltigkeit entstanden, erinnert sich Filiz Özbagriacik, die Direktorin der ALEV-Schule in Istanbul.

Sie war es auch, die die Idee hatte, das Projekt als Kooperation mit der Budapester Europaschule umzusetzen. Kontakt zur Österreichisch-Ungarischen Schule hatte Özbagriacik bereits über das dort tätige Lehrerehepaar Neuschmid. Schnell entschieden beide Seiten, dass sie gemeinsam an dem Nachhaltigkeitsprojekt arbeiten wollen.

Im Herbst 2018 setzte man das gemeinsame Vorhaben schließlich in die Tat um. An der Europaschule fanden sich rund 60 Schüler der achten Schulstufe zusammen, die an dem Projekt teilnehmen wollten. Die Kerngruppe der ALEV-Schule bestand dagegen nur aus 15 Schülern. Dafür waren aber auch Schüler der neunten und zehnten Klassen involviert, weshalb sich insgesamt an der Schule in Istanbul rund 160 Jugendliche mit dem Projekt auseinandersetzten.


Nur die wenigsten kennen die Nachhaltigkeitsziele der UN

Wenn man Leute darauf anspreche, ob sie wüssten, was Nachhaltigkeit sei, so bejahen die meisten die Frage, erzählt Filiz Özbagriacik. Mit den 17 Zielen der Vereinten Nationen (UN) für eine nachhaltige Entwicklung könnten jedoch nur die wenigsten etwas anfangen. Diese wurden 2015 von allen 193 Staaten in der UN einstimmig angenommen und sollen mit ihren 169 Unterzielen der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen. Bis 2030 sollen sie umgesetzt werden.

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Bei Unternehmensausflügen lernen die Jugendlichen, wie in der Wirtschaft mit dem Thema Nachhaltigkeit umgegangen wird.

Den Jugendlichen wurde das umfangreiche Vorhaben zu Beginn des Projekts genauer erklärt. Laut Evelin Stanzer habe man es an der Europaschule dazu erst einmal grob in Themenblöcke unterteilt. Anschließend haben sich Schülergruppen intensiver mit einzelnen Fragestellungen etwa zum erhöhten Kleiderkonsum, Massentourismus, Klimaschutz und zur Lebensmittelverschwendung sowie zu innovativen Verpackungen und zu erneuerbaren Energien auseinandergesetzt.


Abschlussveranstaltung vor Eltern und Lehrkräften

Die Jugendlichen seien von Anfang an von der Projektidee begeistert gewesen. „Viele hatten schon im Voraus etwas von Greta Thunberg gehört. Dieses schwedische Mädchen beeindruckt einfach“, erklärt Evelin Stanzer. Die Botschaft der jungen Klimaschutzaktivistin sei so stark und spreche die Jugendlichen so sehr an, dass sich diese plötzlich auch verantwortlich fühlten und an ihre eigene Zukunft denken würden.

Damit die anfängliche Euphorie im Verlauf des fünfmonatigen Projektzeitraums nicht abklingt, hätten die Lehrerinnen und Lehrer der Europaschule mit verschiedensten Einfällen immer wieder dafür gesorgt, dass die Thematik bis zur Projektpräsentation am 27. März nicht an Reiz verliert.

Die Abschlussveranstaltung fand vor Eltern und Lehrkräften statt. „Besonderer Ehrengast war der Apostolische Nuntius, S. E. Erzbischof Michael A. Blume, der von dem Engagement und der Qualität der Präsentationen sehr angetan war“, erzählt Evelin Stanzer.

Entsprechend groß sei die Aufregung der überwiegend ungarischen Schüler gewesen, die auf Deutsch und Englisch präsentieren sollten.

Am 1. April stellten die Jugendlichen beider Schulen sich auch noch gegenseitig ihre Projekte vor. Dafür seien fünf Schüler der Istanbuler Schule mit ihrer Schulleiterin und ihrem Deutschlehrer nach Budapest gereist.


Nach dem Projekt ist vor dem Projekt

Auch wenn die Projektpräsentationen nun abgeschlossen sind – das Thema Nachhaltigkeit ist an beiden Schulen nicht mehr wegzudenken. „Wir werden in Zukunft keine Plastikwasserflaschen mehr kaufen. Und wir streben an, dass flächendeckend alle Schülerinnen und Schüler ihre eigenen Wasserflaschen mitbringen“, erzählt die Direktorin der Europaschule.

Auch werde an beiden Schulen der Verbrauch von Papier, sei es zum Händetrocknen oder zum Kopieren, aktiv reduziert. Zudem solle Nachhaltigkeit auch im Unterrichtsalltag eine größere Rolle spielen. So erhielten die Schüler der Europaschule beispielsweise bei Unternehmensbesuchen (z.B. bei Porsche Hungaria, Aldi und Szamos) praxisorientierte Einblicke in die Nachhaltigkeitsstrategien großer Firmen. Zudem würden die beteiligten Achtklässler auch ihre Mitschüler in anderen Klassen für das Thema sensibilisieren.

Über den Sommer bereitet sich die ALEV-Schule ebenfalls darauf vor, mindestens zwei Nachhaltigkeitsthemen pro Schulfach in den Lehrplan zu integrieren, erzählt deren Schulleiterin. Dass das Projekt für beide Schulen einen nachhaltigen Effekt gehabt hat, darin sind sich alle Beteiligten einig. Das Thema habe im Alltag der Jugendlichen Einzug gehalten und das sei sehr beeindruckend, erklärt Özbagriacik stolz.

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