Im Rahmen einer Promotionsveranstaltung konnten ausgewählte Medienvertreter und vereinzelte informierte Ritterfans am vergangenen Mittwoch einem echten Ritterkampf beiwohnen. Im gotischen Saal des historischen Museums auf dem Burgberg kämpften fünf geübte Männer mit Schwert und Schild ganz im Stile einer längst vergangenen Epoche. Zustande kam die Schau dank einer Kooperation des History Channels mit der ungarischen Rittervereinigung Magyar Buhurt Szövetség. Dadurch sollte auf die Angebote des TV-Senders zu historischen Themen Aufmerksam gemacht werden.

Aber den Sport des Ritterkampfes pflegt die Magyar Buhurt Szövetség schon länger. Seit sieben Jahren existiert die Vereinigung leidenschaftlicher Ritter nun schon. Anfangs handelte es sich um zwei zusammengehörende Klubs in Ungarn, von denen einer in Budapest und der andere in Szeged entstand. Seitdem hat sich der Klub in Budapest in seiner Größe verdoppelt. Und auch andernorts wurden kürzlich neue Klublokale eröffnet, wie etwa in der Nähe von Debrecen, in Szolnok und in Szombathely.


Wie man selbst zum Ritter wird

Insgesamt zählt die Magyar Buhurt Szövetség an die 50 Kämpfer. Jeder Interessierte kann einem Ritterklub beitreten. Neben einem Mitgliedsbeitrag muss man auch für die eigene Ausrüstung zahlen. Der Preis dafür hängt stark von der Qualität ab und könnte sich im Vergleich zu einem anderen Mannschaftssport wie Fußball oder Basketball als teuer herausstellen.

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Historische Kampftechniken werden durch moderne Elemente ergänzt. Tritte sind nichts Ungewöhnliches.
Damit man irgendwann selbst einen historischen Kampf in Rüstung mit Schwert und Schild führen kann, bedarf es einer langen Zeit der Übung. Wöchentliches Training ist hierbei notwendig, um irgendwann ein richtiger Meister zu werden und dem Sport ohne größere Fehler und gröbere Verletzungen nachgehen zu können.

Ohne einen gut durchtrainierten Körper sollte man sich aber nicht an diesen Sport wagen, so Ádám Ujvári, ein erfahrenes Mitglied der Rittervereinigung. Die Rüstungen wiegen zwischen 30 und 40 Kilogramm, je nach Größe des Kämpfers. Auch qualitativ gibt es große Unterschiede zwischen den Rüstungen. Eine hochwertige Rüstung ist im Gegensatz zu einer billigeren um einiges leichter. Nur einzelne Teile kann man ohne fremde Hilfe anlegen. Besonders für die Befestigung des schweren Brustschutzes benötigt man helfende Hände.


Historische Authentizität des Kampfes

Dass es sich hierbei nicht um echte Ritter handelt, ist klar. Auch die Rüstungen und Waffen sind nicht Originale aus dem Mittelalter. Wie es aber um die Historizität der Kampftechniken steht, ist eine andere Frage. Die modernen Ritterkämpfe sind mittelalterlichen Turnieren nachempfunden. Diese dienten in Friedenszeiten der Übung für den Ernstfall.

Die wirklich imposant anmutenden Bewegungen mit den Schwertern entnehmen die Sportler unter anderem Übersetzungen von originalen mittelalterlichen Quellen. Dazu kommt auch ein gewisser moderner Charakter. Tritte sind nichts Ungewöhnliches. So vergleicht Ujvári den Kampf mit Modern Martial Arts. Mittelalterlicher Schwertkampf mit neuen Regeln und Ergänzungen also.


Typische Verletzungen

Um Verletzungen auf ein Minimum zu begrenzen, verwenden die Hobbyritter besonders dicke Schutzbekleidungen. Dennoch kann man das Risiko nicht vollständig ausschließen. Prellungen sind typisch. Gebrochene Finger, Gehirnerschütterungen oder Verletzungen an den Gelenken, besonders am Knie, lassen sich durch größere Handschuhe, besser gepolsterte Helme und durch intensives Muskeltraining verhindern.

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In voller Montur wartet dieser Ritter geduldig auf den Beginn der Vorführung.
Mit einer guten Polsterung im Helm schmerzt ein kräftiger Schwerthieb nicht, so der geübte Ritter. Man fühle lediglich die Wucht des Aufpralles und würde anschließend zur Seite gedrückt. Mit anderen Waffen wie Hellebarden kann ein Schlag auf den Kopf aber auch nahe an einen Knockout führen.


Weitere Vorstellungen

Wem dieser Sport zu gefährlich oder zu kostenintensiv erscheint, um ihn selbst auszuprobieren, der hat im Laufe des Jahres immer wieder die Möglichkeit, ein Turnier der Magyar Buhurt Szövetség anzusehen. Im Sommer ist dies in Visegrád oder im Schloss von Diosgyőr möglich. Im Herbst in Szolnok und Iharosberény. Vor dem Sommer sind keine weiteren Turniere geplant, da der Verein an der Weltmeisterschaft in Serbien Anfang Mai teilnimmt. Bis dahin ist intensives Training gefragt.

Darüber hinaus kann man aber auch private Vorstellungen buchen. Generell gilt, je größer das Event desto höher die Kosten. Meistens verlangt die Magyar Buhurt Szövetség circa 15.000 Forint pro Tag und Kämpfer sowie die Erstattung der Reisekosten. Der finale Preis wird aber schließlich mit jedem Kunden individuell auf den Anlass abgestimmt.

Auf internationaler Ebene findet zum zehnten Mal eine Weltmeisterschaft statt. In Russland und der Ukraine existiert der Sport bereits seit den Neunzigerjahren.


Hobby oder Beruf

Leider, so Ujvári, seien sie nicht professionelle Sportler. Jeder Kämpfer habe auch einen normalen Beruf. Der berufliche Hintergrund der Hobbyritter ist sehr unterschiedlich. In der Gruppe gibt es unter anderem einen Anwalt, einen Goldschmied, einen Bankangestellten und einen Landwirt.

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Die Rüstungen wiegen zwischen 30 und 40 Kilogramm. Für die Befestigung des schweren Brustschutzes benötigt man helfende Hände.

Trotzdem nehmen sich die Sportler wöchentlich zwei- oder dreimal die Zeit, um gemeinsam an ihren Kampfkünsten zu feilen und sich auf das nächste Turnier vorzubereiten.

Der unverkennbare Klang von Metall, das auf Metall trifft. Der Schweiß, der den Kämpfern sichtlich über das Gesicht rinnt, sobald sie den Helm abgenommen haben. Das Gefühl in eine andere Zeit zu reisen, sich ein wenig der modernen Welt zu entziehen und auf eine Art ins Staunen zu kommen, wie man sie sonst nur aus Büchern und Filmen kennt. All das garantiert ein Besuch einer Veranstaltung der Magyar Buhurt Szövetség. Und wer weiß, vielleicht wollen Sie sich danach ja selbst auch einmal mit Schwert und Schild versuchen!

Kontakt zur Magyar Buhurt Szövetség können Sie unter anderem auf Facebook unter www.facebook.com/magyarbuhurtszovetseg/ aufnehmen.

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