Lediglich ein handgeschriebenes Hängeschild gibt den entscheidenden Hinweis: Um den Painters Palace zu finden, muss man entweder wissen, wonach man sucht, oder ein gutes Auge für Details haben. Beim Betreten des geräumigen Gewölbekellers erkennt man sofort, dass man hier auf etwas Einzigartiges gestoßen ist. Allerlei Gemälde und Skizzen hängen oder lehnen an den Wänden, Künstlerbedarf füllt die Regale, verstreut stehen und liegen skurrile Gegenstände herum, für die „Kunst” wohl das einzige passende Wort ist. Sofas, Sessel und Stühle sind einladend im ganzen Kellerraum platziert. Das Motto „Built by artists. Open for all” steht für das, was den Painters Palace ausmacht: Ein großzügiges Künstlerloft, in dem jeder willkommen ist.

Im Gespräch mit der Budapester Zeitung verraten die drei Organisatoren Tomass (28), Csaba (20) und Mat (25) mehr über den Painters Palace, die Idee und die Arbeit, die dahinter steckt.


Vom Antiquitätenladen zum Painters Palace

Entstanden ist die Initiative aus einer spontane Eingebung heraus. „Gleich beim ersten zufälligen Besuch habe ich gemerkt, dass sich der Raum perfekt für ein Künstlerzentrum eignen würde”, erzählt der gebürtige Brite Tomass. Und so war auch schon die Idee für den heutigen Painters Palace geboren.

Das war im März 2016; eröffnet werden konnte jedoch erst im Sommer desselben Jahres.

Vor der Eröffnung sah es in dem Kellerloft noch ganz anders aus. Ursprünglich war hier ein Antiquitätenladen, der mit der Zeit jedoch vernachlässigt wurde und sich zunehmend in eine Abstellkammer mit allerlei Ramsch verwandelte. Auch deshalb dauerte es drei Monate, bevor der Painters Palace eröffnet werden konnte. „Erstmal musste der ganze Krempel raus. Außerdem haben wir Wände entfernt, alles neu gestrichen, die elektrischen Leitungen erneuert und Regale eingebaut”, erinnert sich Tomass.


Ein Treffpunkt für Künstler aller Art

Am Anfang sei der Painters Palace mehr eine Art öffentliches Studio gewesen, in dem Leute kamen und gingen, wie sie wollten. Das brachte der Künstlerinitiative allerdings Beschwerden wegen Ruhestörung ein. „Das hat uns zu denken gegeben und wir haben beschlossen, dass wir keine Partys und laute Musik brauchen, um Kunst zu machen”, so Tomass.

Seitdem habe sich das Konzept des Painters Palace sehr verändert. Durch wöchentliche Veranstaltungen und feste Öffnungszeiten brachten die drei Organisatoren mehr Struktur und Routine in das Studioleben. „Es hat uns geholfen, uns zu definieren. Jetzt sind wir ein netter Treffpunkt für Künstler aller Art”, erklären sie.

Heute sind im Painters Palace nicht nur Maler und andere bildende Künstler vertreten, auch Musiker, Lyrikbegeisterte, Tänzer und sogar Magier kommen hier zusammen.

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Der Painters Palace vor der Renovierung.

Der Veranstaltungskalender des Painters Palace bietet viel Abwechslung!


Montagabend: Kreatives Schreiben – Lyrische Entfaltung in einer entspannten Runde. Jedem wird frei überlassen, ob er sein Geschriebenes mit den anderen teilen möchte.


Jeden zweiten Dienstagabend: Improvisiertes Theater für sozialen Wandel – Für alle, die an politischem Theater interessiert sind. Voraussetzungen gibt es keine.


Jeden anderen Dienstagabend: Aktzeichnen mit Sitzungen im Szimpla Kert.


Mittwoch: Portraitzeichnen im Painters Palace. Ähnlich wie beim Aktzeichnen finden sich hier Künstler jedes Niveaus zusammen, um - sich freiwillig zur Verfügung stellende - Modelle zu zeichnen.


Donnerstag: Forró-Tanz im Painters Palace – Ein traditioneller Paartanz aus Nordostbrasilien. Der Abend wird so gestaltet, dass sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene teilnehmen können.


Freitag: “Drink & Draw” – Definitiv die beliebteste Veranstaltung des Painters Palace. Hier kommt man für Kunst, gute Gespräche und das eine oder andere Getränk zusammen.


Samstag: Urbanes Zeichnen – Wie der Name schon sagt, zeichnet man die Stadt. Jede Woche wird ein anderer Ort in Budapest ausgewählt.

Finanziert wird das Künstlerzentrum hauptsächlich durch Spenden, die auch den regelmäßigen Bedarf an Künstlerzubehör und die Miete decken. „Der Palace hat viele Freunde gewonnen. Wir bekommen Spenden jeglicher Art und das ist sehr schön”, bemerkt Tomass. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht es den drei Organisatoren unter anderem, ihren Gästen allerlei Künstlerbedarf bereitzustellen. Man muss nicht einmal einen eigenen Stift mitbringen – im Painters Palace steht jedem das passende Arbeitsmaterial zur freien Verfügung.


„Jeder wird akzeptiert und kann er selbst sein.”

Auch was die Arbeitsatmosphäre im Painters Palace angeht, verfolgen die drei Organisatoren ihr ganz eigenes Konzept. „Was den Painters Palace so besonders macht, ist, dass man hier einfach sein kann”, erzählt Mat. „Es ist nicht wie in einem Restaurant oder in einem Cafe. Man muss sich keine Gedanken über sein Aussehen machen oder darüber, ob man Geld hat, oder ob man in der Gesellschaft willkommen ist. Jeder wird akzeptiert und kann er selbst sein.”

Die Organisatoren erzählen, dass sie oft Anfragen bekommen, welche Voraussetzungen man mitbringen sollte. Dabei gebe es im Painters Palace keinerlei Anforderungen, denen man gerecht werden müsse. Es spiele auch keine Rolle, ob jemand Anfänger oder schon ein erfahrener Künstler sei. „Wenn du interessiert bist, dann komm einfach vorbei!”, fügt Mat ausdrücklich hinzu.

Jeder der drei war schon vorher auf seine eigene Weise der Kunst zugewandt. Zusammengebracht hat sie aber erst der Painters Palace. „Wir haben den Palace durch Zufall im Vorbeilaufen gefunden”, erzählen Csaba und Mat. Beide hatten zwar schon Erfahrungen in künstlerischen Bereichen, hätten ihre Leidenschaft dafür aber erst durch den Painters Palace wiederentdeckt.

So gehe es vielen Leuten, die hierherkommen. „Wir haben Menschen erlebt, die davor noch nie in ihrem Leben wirklich gezeichnet hatten und sich innerhalb weniger Wochen unglaublich verbesserten.”

Dabei kann man die Veranstaltungen des Painters Palace allerdings keineswegs mit angeleiteten Kursen vergleichen. Tipps werden natürlich auf Nachfrage gegeben, aber ansonsten stehen das Beisammensein und die Kunst im Mittelpunkt.


„Es gibt nicht wirklich etwas Vergleichbares”

Hinter einem Ort wie dem Painters Palace, der vielen als Zufluchtsort aus dem Alltag und zum Entspannen dient, steckt aber natürlich auch ein hartes Stück Arbeit. Die größte Herausforderung für die drei Organisatoren sei es jedoch, eine Richtung zu finden. „Es gibt nicht wirklich etwas Vergleichbares, deshalb haben wir auch nichts, woran wir uns orientieren könnten”, bemerkt Tomass. Er, Csaba und Mat müssten selbst herausfinden, welchen Weg sie gehen wollen. „Ich wache jeden Morgen auf und schreibe mir meine eigene To-do-Liste für den Tag. Es ist nicht wie ein Vollzeitjob im Büro, wo dir gesagt wird, was du tun musst. Es ist um einiges härter, aber es macht Spaß!”, erzählt Tomass und lacht.

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Hier stehen heute Sitzmöbel und Regale voller Künstlerbedarf.

Während er sich hauptsächlich um die Verwaltung kümmere, hätten Csaba und Mat die übrigen Aufgaben untereinander aufgeteilt. Csaba sei verantwortlich für die Räumlichkeiten und die Instandhaltung. Mat hingegen organisiere den Großteil der Events und leite diese auch. Viele der Veranstaltungen müssten geplant und vorbereitet werden. Für das Urbane Zeichnen beispielsweise müsse abhängig von der Wetterlage jedes Mal ein passender Ort gefunden werden. „Bei Schnee oder Regen möchte natürlich keiner stundenlang draußen im Kalten sein”, erklärt Mat.

Ihre aktuellen Veranstaltungen teilen die Organisatoren auf Facebook mit. Viel Zulauf erhalte der Painters Palace allerdings durch Mundpropaganda. „Viele bringen ihre Freunde mit, die wiederum dann mit anderen Freunden wiederkommen”, weiß Mat. So habe sich in den letzten Jahren auch eine Art internationale Stammgemeinschaft entwickelt. Im Allgemeinen bestehe das Publikum hauptsächlich aus jüngeren Leuten, zunehmend seien jedoch auch andere Altersklassen vertreten.

„Zum Beispiel gibt es da einen Künstler, der das erste Mal mit seinen Studenten kam und seither immer wieder am Aktzeichnen teilnimmt”, schildert Mat. „Man weiß nie, wer kommen wird. Wir treffen hier so viele unterschiedliche Leute.”


Ein durchweg positives Feedback

Das Feedback, das die drei bekommen, spricht für sich. „Ich glaube, wir können die negativen Rückmeldungen an einer Hand abzählen”, meint Csaba. „Dieser Ort ist nicht für jedermann, manchen Leuten gefällt einfach nicht, was wir tun.

Aber im Allgemeinen haben die Leute nur Gutes zu sagen. Wir bekommen oft zu hören, dass die Welt mehr Orte wie diesen braucht.”

Eine Rezension eines Besuchers gefällt den drei Männern besonders: „Der Painters Palace ist wie ein Kindergarten für Erwachsene.”

Für die Zukunft wünschen sich die Organisatoren, den Painters Palace noch vergrößern zu können und vielleicht sogar in weitere Städte zu expandieren. „Das Ziel ist es, Studios wie dieses überall auf der Welt zu haben. Und ich als Künstler werde dabei mein bester Kunde sein”, verrät Tomass grinsend.


Weitere Informationen zum Painters Palace und seinen Veranstaltungen finden Sie auf www.painterspalace.eu und www.facebook.com/painterspalace/

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