Hauptsache gemeinsam

Denn beide Kandidaten versichern dem Publikum schon jetzt, dass, vollkommen egal,

wer von beiden diese bis ins Blutleere gehende Kraftprobe gewinnen wird, sie die Stadt

gemeinsam regieren werden.

Das könnte gar gut sein und wir könnten aufatmen, würden sie uns nicht sogleich eine

Kostprobe davon geben, wie sie kooperieren. Sofort bekommen sie sich bitterböse in die

Haare darüber, wer von beiden eher das Schoßhündchen der Regierung sein wird.

Gestritten wird nur ums „eher“, denn beide sehen ohnehin grundsätzlich nur einen

Modus Vivendi. Wir sollten uns auf außergewöhnlich spannende Tage vorbereiten, wenn

sich demnächst in der zweiten Runde der Gewinner der Vorrunde mit dem Großen

Puzsér misst.


Das wird dann erst Recht ein Fest!

Puzsér ist nämlich unbesiegbar, denn hinter ihm reiht sich die gesammelte Stärke der

echten politischen Größen der glorreichen LMP auf! In Sachen Sehnsüchten und

Wunschvorstellungen überbieten sie sich jedoch ohnehin gegenseitig. Im Wettstreit der

Wunschlisten sind sie super, immerhin etwas. Leider bleibt da bloß nicht viel Zeit, um

sich der Wirklichkeit zu widmen.

Vielleicht, wenn die Hundescheiße hüfthoch steht und alle Notaufnahmen vor verletzten

Fahrradfahrern überquellen. Vielleicht dann. Aber auch dann ist es nicht allzu

wahrscheinlich. Dabei sind die Stimmen der Hundehalter und Radfahrer wichtig. Es

kann leicht sein, dass sie inzwischen gar die Mehrheit bilden.

Und was bedeutet dies wohl für König Puzsérs „Spazierende Stadt“ (das Wahlprogramm

Puzsérs – Anm.)? Die Regierung stellt ihre Audis beiseite und Orbán lässt seinen

gepanzerten schwarzen VW-Minibus stehen? Wohl kaum. Und für Gergely Karácsony,

der für die Hunde aus dem Parkplatz des Rathauses einen Park machen will? Verkehr,

Bauvorhaben, Gesundheitssystem, Theaterwelt? Ach, dafür ist doch später noch Zeit!



Der Autor ist Chirurg.

Der hier wiedergegeben Kommentar erschien am 31. Januar auf der Onlineplattform des

linksliberalen Wochenmagazins Magyar Narancs.


Aus dem Ungarischen von Elisabeth Katalin Grabow

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
Interview mit EMMI-Minister Prof. Dr. Miklós Kásler

„Für jede gesunde Nation ist die eigene Identität wichtig“

Geschrieben von Jan Mainka

Kurz nach den Wahlen im letzten April ging die Leitung des Ministeriums für menschliche Ressourcen…

Budapest Airport Zrt.

„Ein Flughafen ohne Baustellen ist ein toter Flughafen“

Geschrieben von Stefanie Ens

Wie wir letzten Mittwoch bereits in BZ heute berichteten, steht dem Budapester Franz-Liszt-Flughafen…

Im Gespräch mit György Szabó, dem Leiter des Kulturzentrums Trafó

Raum für Innovation schaffen

Geschrieben von Sarah Günther

Seit 1998 hat sich das Trafó - House of the Contemporary Arts - im 9. Budapester Stadtbezirk als…