Ungarische Kunstwerke der Moderne, darunter über 30 farbenprächtige Gemälde und Zeichnungen sowie vier auffällige Pop-Art-Installationen zogen von Anfang November bis Ende Dezember das Interesse zahlreicher Besucher der FBF-Galerie im thüringischen Schmalkalden auf sich. Anlass für die Ausstellung bot das 7. internationale Kunst- und Kulturprojekt der FBF.

Die 1995 von Professoren, Unternehmern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens gegründete gemeinnützige Organisation hatte sich Ungarn als Schwerpunktland gewählt.

In János Aknay und Nándor Hérics fanden sie dafür zwei renommierte Vertreter der ungarischen Kunstszene. Aknay, dessen Malereien ausnahmslos der vom ihm individualistisch weiterentwickelten Kunstrichtung des Konstruktivismus zuzuordnen sind, ist Vorsitzender des Verbands der Ungarischen Kunstschaffenden und Mitglied der Ungarischen Akademie der Künste sowie Träger des Großkreuzes der Ungarischen Republik und des Kossuth-Preises.

Hérics wiederum ist einer der bedeutendsten Vertreter der ungarischen Pop-Art, der sich ab den 70ern unter anderem für seine Neon-Installationen, aber auch die Gestaltung zahlreicher ungarischer Musikposter sowie Graffiti und Streetart einen Namen machte. Für sein Schaffen wurde er unter anderem mit dem Verdienstkreuz der Ungarischen Republik in Gold und dem Mihály-Munkácsy-Preis ausgezeichnet.

Kunst, Politik und Wirtschaft vereint

Die ungarischen Künstler waren zur Vernissage für eine Woche nach Schmalkalden gekommen. Am Abend der Ausstellungseröffnung wurden sie in der festlich geschmückten und mit den Fahnen von Ungarn, der Europäischen Union und Deutschland ausgestalteten FBF-Galerie von zahlreichen Gästen sowie dem ungarischen Konsul Csaba Schultheisz und der deutschen Staatssekretärin für Kultur und Europa, Dr. Babette Winter, herzlich begrüßt. In ihren Grußworten würdigten Schultheisz und Winter die gelungenen Bemühungen der FBF Schmalkalden, die mit der Ausstellung über die Grenzen Thüringens hinaus Bürger in Berührung mit aktueller ungarischer Kunst bringen würden. Beide wiesen zudem auf die kulturpolitische Bedeutung einer solchen Ausstellung in dieser für Europa hochbrisanten Zeit hin. Wie der FBF-Vorsitzende Prof. Norbert Krah betonte, sei es die Absicht der FBF mit solchen Projekten über die Kunst und weit unterhalb der Regierungsebene, den Gedankenaustausch zwischen den Menschen zu fördern. Um, so Krah, „den Anderen besser zu verstehen, als es über offizielle Kommuniqués oder Zeitungsmeldungen möglich ist.“

„Entstehung der Farben“ ist eine von vier Pop-Art-Installationen von Nándor Hérics, die im Rahmen der Ausstellung in Schmalkalden zu sehen waren.

Selbst wenn man politisch nicht in allen Themen übereinstimmte, unstrittig war am Abend der Vernissage die friedenssichernde und wirtschaftlich fördernde Rolle der EU, die, so waren sich die Anwesenden einig, unbedingt erhalten und gefestigt werden müsse.

Neben der Politik, war die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Ungarn und Deutschland am Eröffnungsabend ein wichtiges Thema. Zahlreiche Geschäftsführer Schmalkalder Firmen, darunter Peter Walper und Prokuristin Bettina Dietze von der FFT Produktionssysteme GmbH & Co. KG, waren anwesend und nutzten die Gelegenheit, um sich mit dem ungarischen Konsul über ihre konkreten betrieblichen Kontakte zu Ungarn auszutauschen. Die FFT beispielsweise hat seit vielen Jahren Niederlassungen in Györ und Kecskemét, die eng in das Schmalkalder Unternehmen eingebunden sind.

Weitere Rahmenprogramme

Neben der Kunstausstellung und der kulturpolitischen Vernissage gehörten auch zahlreiche thematische Gesprächskreise zur ausgestellten Kunst, zur Kunst in Ungarn allgemein sowie zum Kunstfestival „Café Budapest“ zum Projekt der FBF. Ein besonderes Highlight für die Schmalkalder bildete zudem ein „Ungarischer Abend“ mit Musik, Gesang, ungarischer Lyrik sowie Kesselgulasch und ungarischem Wein.

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Auch János Aknays „Schmalkalder Kirche“ im Stil des Aknay‘schen Konstruktivismus wurde gezeigt.

Dazu war das in Schmalkalden sehr bekannte „Silber-Trio“ engagiert wurden, welches an diesem Abend durch Sängerin Uta Lüdecke Verstärkung erhielt. Zu ihrem Repertoire gehörte ein bunter Strauß heiterer, temperamentvoller, aber auch besinnlicher Lieder. Bereits das erste Duett, das heißspornige „In der weiten Puszta“, wurde vom Publikum der bis auf den letzten Platz gefüllten FBF-Galerie mit großem Applaus honoriert. Doch auch beschwingte Evergreens aus Emmerich Kálmáns Operetten „Die Csárdásfürstin“ und „Gräfin Mariza“ sowie die von Hans-Jürgen Sattler instrumental und rezitativ vorgetragene ungarische Volksweise „Auf die Fahnen unserer Ahnen“ verzauberten die Anwesenden.

Für dieses Jahr ist als krönender Abschluss des internationalen Kunst- und Kulturprojektes noch ein „Wirtschaftskolloquium Thüringen – Ungarn“ mit Wirtschaftsattaché Renáta Varga von der ungarischen Botschaft vorgesehen. Teilnehmen werden auch Thüringer Unternehmen, Hochschulen und Forschungsinstitute.

Unterstützt wurde die FBF in ihren Bemühungen von der Botschaft Ungarns in Berlin sowie der Thüringer Landesregierung.

Über die FBF

2002 gründete die gemeinnützige Forschungs- & Bildungs-Fördergesellschaft e.V. (FBF) in Schmalkalden die FBF – Stiftung für Wissenschaft und Kunst. 2010 eröffnete diese mit Unterstützung von Bürgermeister Thomas Kaminski die FBF-Galerie in einem restaurierten, denkmalgeschützten Haus im Stadtzentrum von Schmalkalden.

Die FBF führt unter anderem Forschungsarbeiten für Unternehmen und Kommunen aus, organisiert die jährlichen Schmalkalder Fachtagungen und arbeitet eng mit Künstlern zusammen, die in der FBF-Galerie Gelegenheit erhalten, ihre Kunstwerke auszustellen. Von ihnen kauft die Fördergesellschaft zudem Kunstwerke für ihre Kunstsammlung auf. In ihrer Besonderheit als Bindeglied zwischen Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft ist die Galerie nach Aussagen der FBF in Thüringen ein Unikat.

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