Der Streit entfachte sich um eine Petition, in der die Demonstranten in fünf Punkten Forderungen stellen. Sie fordern die unverzügliche Rücknahme des „Sklavengesetzes“, weniger Überstunden für Polizisten, unabhängige Gerichte, die Europäische Staatsanwaltschaft auch für Ungarn sowie unabhängige öffentlich-rechtliche Medien. Am Sonntagabend war ein Dutzend Oppositionspolitiker dank Abgeordnetenausweis in das MTVA-Gebäude gelangt, um diese Petition zu verlesen; der Zugang zu den Studios wurde ihnen jedoch verwehrt.

„Es kann nicht hingenommen werden, dass Politiker versuchen, sich in den laufenden Betrieb einer Redaktion einzumischen“, erklärte Fidesz-Sprecher Balázs Hidvéghi, der den Oppositionspolitikern vorwarf, aggressiv ihre Stellung missbraucht zu haben. Am Montagabend beförderten die Rettungskräfte, die ebenso wie die Polizei erst nach Stunden überhaupt ins Gebäude gelassen worden waren, den DK-Politiker László Varju zum Röntgen ins Krankenhaus. Varju war vom Sicherheitsdienst brutal zu Boden geworfen und lange Zeit in dieser misslichen Position festgehalten worden.

Die Jobbik will die skandalösen Ereignisse beim Fernsehgebäude auf der heutigen Sitzung des Parlamentsausschusses für Nationale Sicherheit zur Sprache bringen, kündigte László Lukács an. Verfassungsrechtlern zufolge war die Aktion der Oppositionspolitiker absolut rechtskonform, denen das Staatsfernsehen im Sinne der ausgewogenen Berichterstattung eine angemessene Sendezeit zum Verlesen ihrer Petition hätten einräumen müssen.

Auf der Demonstration am Montagabend erklärte vor gut 2.000 Menschen jener Ákos Hadházy, der als erster Politiker buchstäblich aus dem MTVA-Gebäude geworfen wurde, die niederträchtige Regierungspropaganda sei die wichtigste Stütze der Macht. Bernadett Szél, die an der Seite von Hadházy war, dankte den Demonstranten für ihr Ausharren in der Kälte. Orbán sei verantwortlich dafür, dass Parlamentsabgeordnete geschlagen werden. Es habe sie schockiert zu sehen, dass im Gebäude des öffentlich-rechtlichen Fernsehens nicht die Polizei das Sagen habe, sondern bewaffnete Uniformierte. Der Vorsitzende der Momentum-Bewegung, András Fekete-Győr, mahnte, das Orbán-System sei nicht bereit, zu verhandeln oder Kompromisse zu schließen. „Diese Lügenfabrik sind nicht unsere Medien, unsere Medien seid ihr“, rief er den Anhängern zu, die mit Live-Übertragungen via Facebook den Protest in die Welt hinaustragen. MSZP-Chef Bertalan Tóth (auf dem Foto beim Überklettern des Zauns zum MTVA-Gebäude) sagte, vor einer Woche hätte niemand geglaubt, dass die Opposition zusammenarbeiten kann. „In der Einheit liegt die Kraft, dieser Widerstand muss fortgesetzt werden!“

Weitere Politiker kündigten an, auszuharren, bis ihre Forderungen erfüllt werden. Es wird eine Spendenaktion gestartet, um die 5 Punkte als gemeinnützige Werbung im Fernsehen zu platzieren. Der Gewerkschafter Tamás Székely (MASZSZ) bat um einen Zusammenschluss an den Arbeitsplätzen für den Fall, dass der Staatspräsident das „Sklavengesetz“ unterschreibt, worauf ein allgemeiner Streik die einzig richtige Antwort sei.

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