Ein unscheinbarer Eingang in einer dunklen Straße, eine offene Tür, dahinter eine verlassene Hotellobby. Hoch über den Schlüsselkästen an der Rezeption prangt in geschwungenen Leuchtbuchstaben der Name des mysteriösen Lokals: „Neverland“

Mit einem Schellen der Portiersklingel offenbart sich die Tür, die von hier in die weitläufigen Katakomben unter der Dohány utca führen …

Escape Room, Bar und Bistro

Doch weder modernde Skelette, noch Gerümpel erwarten uns dort, stattdessen begrüßt uns der 27-jährige Jungunternehmer Josep Zara mit einem gewinnenden Lächeln. Er führt uns durch den knapp 750 Quadratmeter großen Unterhaltungskomplex, der noch vor wenigen Monaten wohl nichts weiter als eine Ansammlung ordinärer Kellerräume war. Erst im September öffnete Neverland seine Türen für Besucher. „Zara ist angetreten“, so sagt er, „um alles bisher dagewesene in den Schatten zu stellen.“

Mit Escape Rooms beschäftige sich der Ungar mit katalanischen Wurzeln schon seit einigen Jahren, zunächst habe er nur in einem ausgeholfen, doch vor zwei Jahren eröffnete er seine erste eigene Filiale in San José, Kalifornien. „Es wurde ein großer Erfolg und meine Investition hatte sich bald ausgezahlt“, erzählt er.

Dies gab Zara nicht nur das nötige Selbstbewusstsein, sich auch auf dem eigentlich schon gesättigt scheinenden Budapester Markt zu versuchen, sondern auch einige wichtige Einsichten in das Business: „Zum einen war mir aufgefallen, dass es bei den Escape Rooms keinen Ort gab, an dem die Leute sich hinterher nochmal hinsetzen und bei einem Getränk das Erlebte Revue passieren lassen können. Das andere war, dass die Räume, die ja meist auf wenige Personen ausgelegt sind, sich einfach nicht für große Gruppen und Events zu eignen schienen.“

Beides löste Zara: Neverland bietet heute Platz für insgesamt bis zu 128 Besucher, umfasst einen weitläufigen Loungebereich, der in unterschiedliche thematisch Bereiche – vom barocken Sofa bis zur Ledercouch unterm Schein der Neonröhren – unterteilt ist. Eine gut ausgestattete Bar wartet mit kreativen Cocktails und raren Spirituosen auf, von denen einige, wie Zara sagt, sonst nirgends in Ungarn zu finden sind. Ab dem 1. Dezember soll es auch warme Küche geben, auf dem Menü werden dann sowohl Fingerfoods als auch größere Hauptgerichte stehen, versichert der Jungunternehmer. Neben amerikanischen Spezialitäten wie Milkshakes und Hamburgern, plant Zara auch Crema catalana anzubieten, die nach einem geheimen Familienrezept zubereitet werde.

Vom Raumschiff über Zauberwelten bis in die Irrenanstalt

Doch die Hauptattraktion sind natürlich die Escape Rooms. Hier bietet Neverland gleich fünf verschiedene Szenarien an. Besucher können wählen, ob sie sich in die Welt des Wilden Westens, der Zauberei, in die Zelle eines Gefängnisses, die schaurigen Räume einer verlassenen Irrenanstalt oder an Bord eines Raumschiffes begeben wollen. Jedes der jeweils drei Räume umfassenden Rätselspiele ist mit viel Hingabe zum Detail und unter Einsatz moderner Technik gestaltet worden. „Wir haben Partner in den USA, Programmierer in Russland, Tischler aus verschiedenen Teilen Ungarns und einfach die besten Designer des Landes“, wirbt Zara. Unter anderem hätten bei der Gestaltung auch Set-Designer der Ungarischen Oper mitgewirkt.

„Wir wollten so eine ganz besondere Atmosphäre und Qualität schaffen, die uns von der Konkurrenz absetzt“, erklärt er. Auch bei den Aufgaben innerhalb der Rätselspiele versuche sich Neverland abzuheben und etwas vom einfachen Finden und Kombinieren verschiedener Schlüssel und Zahlencodes wegzubewegen. „Wir haben ein großes Kreativteam, das die verschiedenen Rätsel auch immer wieder modifiziert, um das bestmögliche Spieleerlebnis zu garantieren“, verspricht Zara.

Jedes Spiel verfüge über einen elektronischen Assistenten, eine Art Steuereinheit mit Touchscreen. Über diesen kann man in Ungarisch, Englisch und Französisch die Hintergrundgeschichte des jeweiligen Rätselspiels erfahren – etwa warum man sich gerade in der blutverschmierten Gummizelle einer Irrenanstalt befindet –, aber auch um Hilfe und Tipps zu bitten und die Zeit im Auge zu behalten, ist so möglich. Jedes Spiel nimmt ungefähr eine Stunde in Anspruch, ist je nach Szenario für vier bis maximal sieben Spieler ausgelegt und – abgesehen von der Irrenanstalt – auch schon für junge Spieler ab 12 oder gar 10 Jahren in Begleitung Erwachsener geeignet.

Vor allem Unternehmen und Touristen sind hier Kunde

Mit Neverland hofft Josep Zara vor allem bei Unternehmen zu punkten, die den Unterhaltungskomplex etwa für lockere Firmenevents oder Weihnachtsfeiern nutzen können. Gerade erwarte er etwa ein lokales Unternehmen mit seinen 110 Mitarbeitern für ein groß angelegtes Teambuilding-Event. Natürlich könnten nicht alle auf einmal spielen, aber bei gleichzeitiger Belegung aller fünf Räume, käme innerhalb von drei, vier Stunden jeder mal an die Reihe. Wer nicht spielt, unterhält sich in der Lounge, genießt ein paar Cocktails oder bedient sich am Büfett, das Neverland ebenfalls organisiert hat. Falls gewünscht, könne auch Live-Musik oder Karaoke organisiert werden, eine kleine aber feine Bühne steht jedenfalls schon bereit. Für exklusivere Events, aber auch private Geburtstagsfeiern und Ähnliches, steht ein im Kolonialstil eingerichteter VIP-Raum zur Verfügung. „Hier bieten wir noch exklusivere Getränke und einen eigenen Service an“, erklärt Zara.

#

Neben Unternehmen zählt der Jungunternehmer vor allem Touristen zu seinem Kundenkreis. Sie würden bis zu 20 Prozent der Einnahmen ausmachen. Helfen würde ihm hier der attraktiv gestaltete, aber auch mysteriös wirkende Eingang des Lokals. „Ich kenne kein anderes Etablissement in Budapest, in das man durch eine geheime Tür gelangt. Der als Hotellobby getarnte Eingangsbereich zieht die Leute einfach magisch an. Manche kommen hier runter, die gar nicht wissen, was sie erwartet“, so Zara. Die meisten Besucher, ob mit vorheriger Reservierung oder nicht, kämen, so erzählt er, für zwei drei Stunden vorbei: „Sie spielen eines unserer Escape-Games, haben ein paar Getränke, spielen vielleicht noch ein zweites und gehen wieder.“

Für die Zukunft hat Zara noch zahlreiche Pläne. Seine Budapester Filiale möchte er vielleicht noch erweitern, es soll neue Szenarien geben, ab Anfang Dezember bietet Neverland zudem die Möglichkeit eines Virtual-Reality-Spiels an. Hier kann ausgestattet mit einer VR-Brille und mit ein oder zwei Spielern der virtuelle Ausbruch aus einem steckengebliebenen Fahrstuhl erprobt werden.

Doch auch die Eröffnung weiterer Filialen schwebt Zara bereits vor Augen. Als nächstes soll es nach Sydney, Australien, gehen.

Für den Besuch eines Escape Rooms zahlt man im Neverland 3.500 Forint pro Person. Preislich befindet sich Neverland damit in Budapest im oberen Segment. Die Räume können reserviert werden.


Neverland Bar & Escape Room

Budapest, VII. Bezirk, Dohány utca 22-24

Öffnungszeiten: täglich 9 bis 2 Uhr

Anfragen und Reservierungen unter +36-20-406-6243 oder info@neverland.hu

Weitere Informationen finden Sie auf https://neverland.hu

Konversation

WEITERE AKTUELLE BEITRÄGE
BZ-Kommentar zum Verhältnis des Fidesz zur EVP

Das Ende einer Beziehung

Geschrieben von Jan Mainka

Die Worte im Leitartikel der regierungsnahen Zeitung Magyar Nemzet vom 7. März lassen an…

Die Regierungsseite / Kommentar zum Verhältnis des Fidesz zur EVP

Für ein neues Bündnis!

Geschrieben von Magyar Nemzet

Die Zeit ist reif für die Schaffung eines neuen Bündnisses. Ein neues Bündnis kann man aber nur dann…

Die letzte Seite: Variationen zum Juncker-Plakat

„Auch Sie haben ein Recht darauf …“

Geschrieben von EKG

Sie denken, mit der Entfernung der Soros-Juncker-Plakate wird die Plakatiererei endlich ein Ende…